Sophie-Barat-Schule

Mädchen zur Prostitution gezwungen: Haftstrafe für Zuhälter

Der Mann zwang zwei Schülerinnen über Monate zur Prostitution und beutete sie finanziell aus. Er wandte folterähnliche Methoden an.

Hamburg. Er drohte, er manipulierte, er misshandelte, er sorgte für massivste Ängste und Panik: Mit einer ganzen Palette an brutalen Praktiken hat David M. zwei junge Frauen zur Prostitution gedrängt und sie finanziell ausgebeutet. Morgens büffelten die damals 17-Jährigen auf einem katholischen Elite-Gymnasium, der Sophie-Barat-Schule, für ein gutes Abitur – und abends gingen sie für ihren skrupellosen Zuhälter auf den Strich. Jetzt verurteilte das Landgericht den 26-Jährigen zu sieben Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe unter anderem wegen Zuhälterei, Menschenhandels, sexueller Nötigung, Körperverletzung und versuchten Betrugs.

Der Angeklagte habe „schlimmste Horrorszenarien entwickelt und folterähnliche Methoden angewandt“, um die damaligen Schülerinnen gefügig zu machen, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Weißmann in der Urteilsbegründung. Die jungen Frauen hatten sich unter anderem auf einer Internetplattform und in einem Bordell angeboten. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Angeklagten in dem fast ein Jahr dauernden Verfahren zehn Jahre Haft gefordert und gesagt, der Angeklagte habe die jungen Frauen „bis an die Grenze des Vorstellbaren gequält“. Die Verteidigung hatte auf eine 18-monatige Bewährungsstrafe plädiert. Der Angeklagte selber, ein junger Mann mit schwarzen Locken und zierlicher Gestalt, wirkte bei der Urteilsverkündung eher gelassen. Nachdenklich stützte er sein Kinn auf die Hand, flüsterte immer wieder kurz mit seinem Anwalt.

David M. präsentierte sich den Mädchen als Heiler

David M. habe „um sich die Aura eines allwissenden Gurus geschaffen“, sagte Richter Weißmann weiter. „Wie ein Betrüger“ habe der 26-Jährige seine wahren Absichten, die jungen Frauen auszubeuten, verschleiert. „Er tritt als Erhabener auf, der für alles eine Lösung findet.“ David M. hatte sich den beiden damals 17-jährigen Schülerinnen Luisa und Elisa (Namen der Opfer geändert) als selbst ernannter angeblicher Heiler präsentiert, der alle Probleme lösen könne – und war dabei vor allem in der Lage, massive Gewaltszenarien aufzubauen. Immer wieder drohte er mit einem „Ivan“, der zu brutalsten Verbrechen bis zum Mord fähig sei.

Dieser furchtbare Ivan würde ihren Tod verlangen, ihre Schwester vergewaltigen und ihre Eltern ermorden, suggerierte David M. seinen Opfern. Vor diesem Schicksal könne er sie nur beschützen, wenn die jungen Frauen sich prostituierten und ihm ihren gesamten Erlös gäben. Wenn sie nicht so spurten, wie David M. es wünschte, drohten ihnen zudem „Konventionalstrafen“, wie er es nannte. Dann mussten sie noch mehr Geld an ihn zahlen.

Neben den Drohungen, begleitet von körperlicher Gewalt wie Stockschlägen und Schlafentzug, setzte der Angeklagte die Abiturientinnen auch nächtelangen Erziehungsstunden aus. Luisa sagte in der Gerichtsverhandlung aus, sie habe diese Sitzungen als „Gehirnwäsche“ empfunden.

Luisa schenkte David M. 100.000 Euro

Elisa war einen Monat lang für David M. auf den Strich gegangen, hatte sich dann aber ihrer Mutter anvertraut. Ihre Freundin Luisa indes ging fast ein Jahr lang für den 26-Jährigen der Prostitution nach. Ihm hatte die intelligente Schülerin, die ihr Abitur mit 1,2 abschloss, auch 100.000 Euro gegeben, die sie von ihren Eltern zum 18. Geburtstag bekommen hatte. Darüber hinaus hat sie versucht, unter der Fuchtel von David M. und gemeinsam mit ihm ihre eigenen Großeltern mit einer erfundenen Erpressungsgeschichte um 400.000 Euro zu prellen. Der 26-Jährige drohte den Senioren unter anderem mit „Motorradfahrern, die eine Bombe“ dabeihätten. Doch der Erpressungsversuch scheiterte. Die 100.000 Euro indes, die David M. nachweislich von Luisa erhalten hat, sowie weitere Beträge von insgesamt mehr als 4000 Euro, muss er laut Urteil an die heute 19-Jährige zurückzahlen. Auch die Erlöse aus der Prostitution müsse er an die Geschädigte zurückgeben, entschied das Gericht. Dieser Betrag ist allerdings noch nicht beziffert worden.

Lange hat insbesondere Luisa nicht geglaubt, dass David M. ein Verbrecher ist, der sie manipulierte und quälte. Sie hatte sich in den jungen Mann verliebt, sich für ihn sogar zeitweise von ihrer Familie und ihren Freunden losgesagt und ihm zunächst noch ins Gefängnis, wo er seit achtzehn Monaten in Untersuchungshaft sitzt, Liebesbriefe geschrieben. Auch ein anderes Opfer hatte sich wie Luisa in den 26-jährigen David M. verliebt, war Monate mit ihm liiert und hatte lange gebraucht, um von ihm loszukommen. Sie hatte der junge Mann brutal sexuell missbraucht. Auch als sie vor Schmerzen schrie, ließ er nicht von ihr ab.

Erst als Luisa Kenntnis von den Aussagen anderer Frauen bekam, dämmerte ihr, dass sie einem riesigen Schwindel aufgesessen war und der „schreckliche Ivan“ lediglich eine grausame Fantasiefigur war, die David M. für seine Zwecke heraufbeschworen und brutal eingesetzt hatte. „Heute kann sie sich nicht mehr vorstellen, dass sie damals so verblendet war“, so der Vorsitzende Richter über Luisa. Ivan der Schreckliche sei tatsächlich eine Erfindung von ihm, hatte David M. im Prozess schließlich eingeräumt. Wo das Geld geblieben ist, das er erpresst und ertrogen hat, sagte er indes nicht.