Eimsbüttel

Maulwurf-"Mord": Tierschützer stellen Strafanzeige

ILLUSTRATION: Ein Europäischer Maulwurf (Talpa europaea)

ILLUSTRATION: Ein Europäischer Maulwurf (Talpa europaea)

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance / ZB

Stadt gab Sportvereinen in Eimsbüttel die Erlaubnis, die geschützten Tiere im Erdreich zu vergasen. Peta sieht darin eine Straftat.

Hamburg. Der Tod kommt lautlos in die Tunnel im Erdreich. Das Kohlenmonoxid strömt von oben hinein, verstopft die Blutbahnen der Tiere, wenig später ersticken sie. Im Bezirk Eimsbüttel haben Sportvereine die Erlaubnis der Stadt erhalten, unliebsame Maulwürfe zu vergasen - wie berichtet, hatten die Tiere zuvor drei Sportplätze völlig untergraben. Tierschützer gehen nun juristisch gegen die Praxis vor.

„Wir haben Strafanzeige gegen die Verantwortlichen im Bezirk Eimsbüttel und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt gestellt“, sagte die verantwortliche Referentin der Tierrechtsorganisation Peta, Vanessa Reithinger. Der Europäische Maulwurf (Talpa europea) steht unter Naturschutz. „Diese Wirbeltiere zu töten, ohne mögliche Alternativen ausprobiert zu haben, bedeutet einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, sagte Reithinger.

Im März hat der Niendorfer TSV seit Februar von der Genehmigung der Stadt Gebrauch gemacht und eine Fachfirma mit der Tötung der Tiere unter der Grünfläche am Sachsenweg beauftragt. Der Niendorfer TSV wollte sich auf Abendblatt-Anfrage nicht zu der Anzeige äußern.

Die Tierrechtsorganisation Peta hat Strafanzeige gegen mehrere Behördenmitarbeiter gestellt, weil Sportvereine im Bezirk Eimsbüttel Maulwürfe mit Kohlenmonoxid vergiften dürfen. Finden Sie die Anzeigen angemessen?

Der Bezirk Eimsbüttel und die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) haben die Ausnahmeerlaubnis mit Blick auf die Verletzungsgefahr für Sportler erteilt, die durch Maulwurfshügel bestehe. Die Genehmigung lief am 13. März aus. Im vergangen Winter nisteten sich die zehn bis 17 Zentimeter großen Maulwürfe auf den Sportplätzen im Sachsenweg, an der Hagenbeckstraße in Stellingen und am Steinwiesenweg in Eidelstedt ein. Bis zum Februar warfen die Tiere jeweils mehr als ein Dutzend Erdhügel auf. Die unterhöhlten Sportplätze mussten daraufhin zeitweise für den Spielbetrieb gesperrt werden.

Die Tötung sei in diesem Fall das einzige Mittel zur Beseitigung der Plage, heißt es aus dem Bezirksamt Eimsbüttel. Der Naturschutzbund Hamburg hatte zuvor den Einsatz von Buttersäure gefordert, um die Maulwürfe zu vertreiben. „Von einem Säureeinsatz wären auch die Sportler und die Zuschauer betroffen gewesen“, sagte eine verantwortliche Mitarbeiterin des Bezirksamtes. Außerdem sei ungewiss, ob die Methode zum Erfolg führe.

Ein Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) betonte, dass die Ausnahmegenehmigung nur auf Sportplätzen und auf Friedhöfen gewährt werde. „Manchmal sind die Tunnel so dicht unter der Oberfläche, dass sie eine erhebliche Gefahr darstellen“, sagte ein Sprecher. Die Tötung mit Kohlenmonoxid ist nach Ansicht der Verwaltung das verträglichste Mittel gegen die Tiere. Im Gegensatz zum Einsatz von anderen giftigen Stoffen ließe sich das Problem hiermit zielgerichtet eliminieren, außerdem blieben keine Rückstände des Gases im Erdboden.