Gegen Verschwendung

Lebensmittel retten – Ein Trend auch in Hamburg?

Die Initiative „Götterspeise“ verschenkt in Eimsbüttel und Eppendorf Lebensmittel aus Supermärkten, die sonst im Müll landen. Auch im Internet engagieren sich immer mehr Freiwillige gegen Verschwendung.

Hamburg. Seit rund zwei Jahren verteilt der Hamburger Barbesitzer Marco Scheffler Lebensmittel aus Supermärkten, die sonst im Müll landen würden. Sechs mal die Woche baut das Team der Initiative „Götterspeise“ die Kisten aus dem Supermarkt an der Straße vor seiner Bar Null-Vier-Null in der Methfesselstraße in Hamburg-Eimsbüttel auf.

Wie viele Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen, wurde in Filmen wie „Taste the Waste“ oder „We feed the World“ dokumentiert. Auch Marco Scheffler wurde so auf das Thema aufmerksam. Die Idee: direkt vor Ort helfen, nachbarschaftlich aktiv werden, gemeinsam etwas gegen die Verschwendung tun.

Scheffler erzählt, dass er früher in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv gewesen ist. „Lebensmittel sind für alle da“, sagt er. „Wir wollen sie teilen, so wie Jesus beim Abendmahl Brot und Wein geteilt hat.“ Vor zweieinhalb Jahren gründete er das Projekt Eimsbütteler Salon mit der Initiative „Götterspeise“. Seitdem bewahren er und seine Helfer Lebensmittel vor dem Müll.

Als Ergänzung zur Hamburger Tafel

Die „Götterspeise“ versteht sich als Ergänzung zur „Tafel“. Die Zahl der zu versorgenden Menschen steigt auch in Hamburg – oft hat die Tafel nicht genug für alle. Es gibt aber immer noch viele Supermärkte, die große Mengen Essen wegwerfen, nicht selten pro Woche zwei bis vier große Container voll.

Jetzt bringen Mitarbeiter des Supermarktes abends rund zwanzig Kisten voll aussortierter Lebensmittel vor die Tür. Brote und Brötchen, frischer Salat, Obst und Gemüse sind im Angebot. Dafür gibt es bis zu 30 Interessenten, darunter Rentner, Hartz IV- Empfänger oder Studenten. Mal mehr, mal weniger, je nach Jahreszeit und Wetterlage. „Bei uns kann jeder kommen. Hauptsache, die Lebensmittel werden nicht weggeworfen,“ sagt Scheffler.

Ein Nummernsystem garantiert, dass die Verteilung gerecht abläuft. Anfangs sei es schon mal so gewesen, dass sich die ersten so viel eingesteckt haben, dass für andere nichts mehr übrig blieb. Aber mit dem Nummernsystem funktioniere es jetzt gut. Ein Sack Kartoffeln werde auch schon mal aufgerissen und die Kartoffeln in kleinen Mengen verteilt. „Wir wollen aufeinander achtgeben,“ sagt Scheffler.

Seit fast einem Jahr auch in Eppendorf

Ein Rentnerehepaar kommt seit einem halben Jahr einmal in der Woche, um sich einzudecken. „Das ist für unsere kleine Rente schon eine große Hilfe“, sagt die Frau. „Wir freuen uns, dass es so was gibt.“

Seit fast einem Jahr gibt es die „Götterspeise“ auch in Hamburg-Eppendorf. Hier ist die Zusammenarbeit mit dem Bio-Supermarkt Erdkorn entstanden. Ein festes Team aus zwei Helfern verteilen die geschenkten Lebensmittel am Marie-Jonas-Platz. Ein nächster Schritt wäre für Scheffler eine Ausweitung auf die Stadtteile Volksdorf und Iserbrook. Auch dort hat der Kooperationspartner Erdkorn Filialen.

Doch nicht nur die Aktion „Götterspeise“ engagiert sich in der Hansestadt gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Im Internet gibt es seit 2012 die Plattform foodsharing.de. Inzwischen gibt es bundesweit in allen großen Städten Freiwillige, sogenannte Foodsaver. In Hamburg sind es mittlerweile rund 500 Freiwillige.

Wer zu viel hat, stellt seine Lebensmittel ins Internet zur Abholung

Das Prinzip ist einfach: Wer Lebensmittel übrig hat, weil er in den Urlaub fährt oder aus dem eigenen Garten mehr geerntet hat, als er selbst essen kann, stellt diese Lebensmittel in Essenskörben zusammen. Mit Fotos und Adresse versehen, können sie dann abgeholt werden.

Auch in sogenannten „Fairteilern“ an öffentlich zugänglichen Orten können Lebensmittel weitergegeben werden. Neben einem Regal gibt es hier auch einen Kühlschrank. In Hamburg gibt es Fairteiler in drei Stadtteilen. Anke Buchwalder ist eine der Hamburger Freiwilligen. Sie will einen weiteren Fairteiler im Stadtteil Steilshoop einrichten. „Klar, es kostet Zeit“, sagte sie. „Aber ich konnte es nicht mehr aushalten, dass so viele Lebensmittel weggeworfen werden.“

Eine Erweiterung ist die Initiative Lebensmittelretten.de. Hier wird Essen von kleineren Betrieben gerettet – von Wochenmarktständen oder vom türkischen Gemüsehändler.