Eimsbüttel

Fehlplanung am Agaplesion-Diakonieklinikum?

Anwohner kritisieren, dass Patienten mitten auf der Wohnstraße Hohe Weide ein- und ausgeladen werden. Grund dafür sei eine bauliche Fehlplanung.

Hamburg. Viele Anwohner an der Hohe Weide halten das, was sich täglich vor dem Agaplesion- Diakonieklinikum abspielt, für einen Skandal. "Wenn die Auffahrtsrampe zur Notaufnahme zugeparkt ist, werden die Patienten mitten auf der Straße aus den Kranken- und Rettungswagen ausgeladen", sagt Anwohnerin Paula Fleher. „Es ist ein unwürdiges Bild, wie sichtlich kranke oder verletzte Menschen an Fahrradfahrern, Schulkindern und Fußgängern vorbeigeschoben werden.” Für Fleher und viele andere liegt es auf der Hand: Bei den Bebauungsplänen wurde für die Persönlichkeitsrechte der Patienten nicht genügend Platz einkalkuliert.

Fleher und etwa 30 andere Hamburger hatten sich schon lange vor der Inbetriebnahme des Klinikums im vergangenen Frühjahr in der Initiative “Kein Diakonie-Klinikum” zusammengetan. Bereits vor Jahren hatten sie aufgrund der Baupläne befürchtet, dass das Klinikgelände auf dem ehemaligen Sparbierplatz viel zu knapp bemessen ist. „Man hat hier auf zu kleinen Raum eine Klinik ohne eigenes Klinikgelände gesetzt. Die Fläche wurde zu 100 Prozent bebaut“, sagt Regina Behrendt, Sprecherin der Initiative. Hinten grenzt das Gebäude an einen Fußballplatz, vorne an zwei Verkehrsstraßen. „Es gibt weder einen Innenhof noch einen Patientengarten.“

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Laut Initiative dränge der Klinikbetrieb deshalb zusehends in den öffentlichen Raum. Besonders im Frühling und Sommer. „Bei gutem Wetter sitzen Patienten und Personal oft am Straßenrand. Manche gehen sogar mit Infusionsständern in den umliegenden Straßen spazieren.” Eine alternative Fläche, die mehr Privatsphäre bietet, gebe es schließlich nicht.

Vonseiten des Diakonie-Klinikums wird die Lage als weniger problematisch angesehen. Es sei nicht zu verhindern, dass Anwohner von einem Krankenhausbetrieb auch etwas mitbekämen. „Die Zufahrt zur Notaufnahme wird nur wenige Stunden am Tag stark frequentiert. Ansonsten ist die Zufahrtssituation entspannt.“, so Ute Schlemmer, Sprecherin des Diakonie-Klinikums. Man habe wiederholt und mit Nachdruck den Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass sich alle Partner auf die ausgewiesenen Park- und Rangierflächen beschränken. “Unser Eindruck ist, dass sich die Situation zunehmend verbessert”, so Schlemmer.

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Klinikum und Bezirkspolitik hatten zuletzt die Möglichkeit diskutiert, den Taxistand vor der Notaufnahme für Klinikzwecke freizugeben und so mehr Platz zu schaffen. Ein diesbezüglicher Antrag der SPD-Fraktion wurde jedoch vor der Straßenverkehrsbehörde abgelehnt. Begründung: Auch die Tiefgaragen-Einfahrt des Klinikums könnte für die Krankenwagen genutzt werden.

In den kommenden Tagen beginnt der seit Langem geplante Abriss des benachbarten Elim-Krankenhauses, das seit 2003 ebenfalls zum Frankfurter Agaplesion-Konzern gehört. Auf der frei werdenden Fläche startet im Anschluss der zweite Bauabschnitt des neuen Klinikums. Die Initiative setzt nun alle Hoffnungen darauf, dass bei dem zweiten Gebäude mehr Platz gelassen wird: für einen Innenhof oder eine verstecktere Einfahrt.

“Agaplesion muss die Nutzung des öffentlichen Straßenraumes für Klinikzwecke vollständig und dauerhaft beenden”, betont Behrendts. Vonseiten der Klinik hieß es bisher, dass diese Forderungen nicht in der Form umsetzbar seien. Ruhe scheint an der Hohen Weide demnach in nächster Zeit in keiner Hinsicht einzukehren: Abriss und Neubau und Streitereien werden die Hohe Weide womöglich noch lange beschäftigen.