Gastronomie

In der Marschländer Elblounge kellnert ein Roboter

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Lena Diekmann und Carlotta Richter
Servicekraft Aleksandra Marciniak mit ihrem elektronischen Helfer in der Marschländer Elblounge.

Servicekraft Aleksandra Marciniak mit ihrem elektronischen Helfer in der Marschländer Elblounge.

Foto: Thomas Heyen

Wegen Corona ist die Personalnot groß. Ein Roboter unterstützt nun ein Service-Team im Landgebiet. Was „Minna“ kann.

Spadenland. Sie ist nur etwa 1,30 Meter groß – und kann doch vier Tablets mit bis zu 40 Kilogramm tragen: Die fleißige „Minna“ ist neu im Serviceteam der Marschländer Elblounge am Spadenländer Elbdeich. Wenn es sein müsste, könnte „Minna“ sogar bis zu 24 Stunden am Stück arbeiten, und Urlaub will sie auch nicht. „Minna“ ist keine menschliche Servicekraft, sondern ein Roboter.

Vor wenigen Wochen entdeckte Gastronom Arne Meyer den elektronischen Gehilfen bei einer Gastro-Tagung – und bestellte sofort ein Exemplar. Dabei war Ehefrau Katja zunächst gar nicht davon überzeugt. „Ich bin nicht so der Technikfreak“, sagt Katja Meyer, die nach wie vor am liebsten mit Zettel und Stift die Bestellungen der Gäste aufnimmt und auch die Tisch-Reservierungen lieber in einem Buch statt elektronischem System notieren würde. Doch als „Minna“ in dieser Woche geliefert wurde, war auch Katja Meyer schnell von der Nützlichkeit überzeugt. „Der Roboter soll uns im Service unterstützen, damit wir wieder mehr Zeit für die Gäste haben“, sagt sie.

Gastronomie: Roboter unterstützt Serviceteam in der Marschländer Elblounge

Denn die Pandemie hinterließ deutliche Spuren im Gastgewerbe, zahlreiche Servicekräfte schulten während der Lockdowns um und kehrten der Branche den Rücken zu. Rund 100.000 Beschäftigte verlor das Gastgewerbe allein im Zeitraum zwischen September 2019 und September 2021, heißt es vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Ein Rückgang von mehr als acht Prozent.

Auch das Team der Meyers ist deutlich geschrumpft: Derzeit arbeiten noch zehn feste Mitarbeiter und Aushilfen in ihren beiden Restaurants, Marschländer Elblounge sowie Wein- und Friesenstube (Ochsenwerder Kirchendeich), im Service. „Vor der Pandemie waren es mindestens doppelt so viele“, sagt Katja Meyer. Doch auf eine Stellenanzeige meldete sich gerade mal eine Bewerberin – und der sei der Arbeitsweg hinaus nach Spadenland letztlich auch viel zu weit gewesen.

„Minnas“ Hauptaufgabe besteht nun darin, Speisen und Getränke zu den Gästen an den Tisch und schmutziges Geschirr zurück in die Küche zu transportieren. Fast geräuschlos bewegt sich das ­Gefährt durch den Raum und erinnert dabei ein wenig an die fröhlichen Droiden aus den „Star Wars“-Filmen. Es kann sogar die dazu passende Musik spielen oder auch ein Geburtstagsständchen bringen.

Der Gastro-Roboter kostet rund 20.000 Euro

Dabei orientiert sich der Gastro-Roboter mithilfe eines Lasers im Raum. Über einen 3-D-Sensor erkennt er außerdem, ob sich auf dem Weg möglicherweise Hindernisse befinden und kann dann je nach Situation ausweichen oder aber abbremsen. Sobald „Minna“ am richtigen Tisch angekommen ist, stoppt sie. Aus einem Katzengesicht heraus schaut sie die Gäste durch zwei große Kulleraugen freundlich an. Streichelt man über die spitzen Ohren, freut sie sich und miaut. So wird auch ihre Herkunft aus Fernost deutlich, denn eigentlich heißt „Minna“ Bella Bot und stammt vom chinesischen Hersteller Pudu Robotics aus Shenzhen. Im asiatischen Raum sind die technischen Assistenten schon in vielen Gastronomiebetrieben Alltag.

Auch in München oder in Grömitz an der Ostsee sind schon mehrere Roboter im Einsatz, um den Personalmangel in der Gastronomie zu mildern. Arne Meyer kann sich durchaus vorstellen, auch in seiner Wein- und Friesenstube künftig einen elektronischen Helfer einzusetzen. Über die Anschaffungskosten möchte der Marschländer Gastronom gar nicht viel rede. Aber der 50-Jährige ist überzeugt, dass sich die Kosten in etwa einem halben Jahr amortisiert haben werden. Ein Bella Bot kostet rund 20.000 Euro.