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Warum der TSG Bergedorf Kinder-Angebote runterfahren muss

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Thomas Heyen
Zukunft ungewiss: TSG-Chef Boris Schmidt vor dem Jugendtreff Gleis 1 (Am Gleisdreieck 1) unter der Trägerschaft des Sportvereins.

Zukunft ungewiss: TSG-Chef Boris Schmidt vor dem Jugendtreff Gleis 1 (Am Gleisdreieck 1) unter der Trägerschaft des Sportvereins.

Foto: Thomas Heyen

Träger bekomme zu wenig Geld für Betreuung im Treff Gleis 1/Gleisgarten im früheren Flüchtlingsquartier.

Billwerder. Weil im Gleisdreieck immer weniger Menschen mit Flüchtlingsstatus und auch immer weniger Jugendliche leben, auch weil viele Wohnungen saniert werden, wird der ­Jugendtreff Gleis 1 Ende März 2022 geschlossen. Die Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Bergedorf ist Träger der Einrichtung. Sie blickt in eine ungewisse Zukunft: Denn die Mittel für die offene Kinder- und Jugendarbeit im kommenden Jahr wurden um rund 50 Prozent gekürzt.

Davon soll der Verein im ersten Quartal den Betrieb des Treffs aufrecht erhalten und das restliche Jahr Angebote im Gleisgarten, dem um die Ecke gelegenen Open-Air-Bereich des Treffs, vorhalten. Doch das Geld reiche vorne und hinten nicht aus, sagt Boris Schmidt, geschäftsführender Vorsitzender der TSG.

Gleis-1-Mitarbeiter blicken in ungewisse Zukunft

„Wir müssen schon im ersten Quartal unsere Angebote runterfahren, wenn wir nicht noch weiteres Geld zur Verfügung gestellt bekommen, etwa vom Jugendhilfeausschuss oder von einer Stiftung“, sagt der 58-Jährige. Denn die vom Fachamt für Sozialraummanagement zugeteilten Mittel der Hamburger Sozialbehörde würden gerade mal eben für die Angestellten und die Miete der Räume reichen.

Würde der Betrieb des Treffs auch in der Zeit von Januar bis März zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche vorhalten, also den alten Standard bieten, blieben für den gesamten Rest des Jahres nur etwa 25 Prozent der ursprünglichen, wie in diesem Jahr für den Betrieb gezahlten Mittel. „Das würde dann aber nur für zwei weitere Quartale reichen – und nicht mehr für das vierte Quartal“, sagt Schmidt.

Die Situation sei für die Mitarbeiter wenig motivierend, betont der TSG-Chef: „Sie sind im Ungewissen und müssen nun damit rechnen, dass ihnen zum Ende des kommenden Jahres gekündigt wird.“ Auch die Zukunft des Hauses, in dem sich der Gleis-1-Treff an der Straße am Gleisdreieck 1 befindet, ist noch offen: „Ein Nachnutzungskonzept für das Gebäude befindet sich aktuell in der Ausarbeitung. Flexible Nutzungen und Angebote für Kinder und Jugendliche werden bedarfsorientiert in enger Abstimmungen mit den örtlich tätigen Trägern entwickelt“, teilt Gabriele Günter, Sprecherin des Bergedorfer Bezirksamtes mit.

Boris Schmidt: „Es gibt nach wie vor Bedarf“

Der TSG-Chef habe gehört, dass die im Gleisdreieck in einem anderen Gebäude präsente Beratungsstelle Haus 23 im Frühjahr in die Räume des Jugendtreffs ziehen könnte, „mit weiteren sozialen Trägern“. Das Bezirksamt konnte dies gestern nicht bestätigen.

Schmidt hofft, dass es weiterhin „bedarfsgerechte Angebote für Kinder“ in der Siedlung geben wird. Denn die Zahl der jugendlichen Gäste des Gleis-1-Treffs sei zwar zurückgegangen, die der Kinder unter den Besuchern aber gestiegen. „Es gibt nach wie vor Bedarf. Deshalb wäre es schön und wichtig, wenn es zumindest in einem Teil der Räume in Haus Nummer eins auch in Zukunft Platz für die offene Kinder- und Jugendarbeit gibt.“ Derzeit, in den Herbstferien, sind die Gleis-1-Betreuer täglich mit ihren Schützlingen unterwegs. „Ich kenne keine Einrichtung, die ein so umfangreiches Ferienprogramm anbietet, wie es der Jugendtreff Gleis 1 tut“, sagt Schmidt.

Schmidt ist seit 2007 der Vorsitzende des zweitgrößten Breitensportvereins der Hansestadt. Er begann 1982 bei der TSG als Zivi zu arbeiten. Der Di­plom-Sportlehrer mit dem Schwerpunkt Sport-Management und -Ökonomie, der früher Basketball spielte und 30 Jahre als Profischiedsrichter international eingesetzt worden ist, steht an der Spitze eines Vereins mit knapp 9000 Mitgliedern. Vor Corona zählte die TSG, fast 11.000 Mitglieder. Rund 200 Angestellte, etwa 400 Honorarkräfte, geringfügig Beschäftigte und Mitarbeiter, die eine Aufwandsentschädigung bekommen, und mehr als 400 Ehrenamtliche engagieren sich für den Sportverein. Sie arbeiten unter anderem als Erzieher, Sportfachleute, Sozialpädagogische Assistenten, Anleiter, Trainer oder Betreuer im Jugendzeltlager in Behrensdorf.

Treff Gleis 1 betreibt die TSG Bergedorf seit 2017

Der Verein hat 25 Wettkampfsportabteilungen sowie zahlreiche Gruppen im Bereich Präventions- und Reha-Sport. Neben diversen, auch vereinseigenen Sportstätten betreibt die TSG vier Kitas (auch im Eigentum), ist Träger des Jugendzentrums Juzena in Neuallermöhe. „Im Januar übernehmen wir die Trägerschaft einer weiteren Kita, in Poppenbüttel“, sagt Schmidt. An 15 Schulen in Hamburg und Wentorf leistet der Verein die Ganztagsbetreuung.

Den Treff Gleis 1 betreibt die TSG seit 2017, das Juzena seit 20 Jahren. Drei Angestellte teilen sich in Billwerder zwei Vollzeitstellen. Hinzu kommen rund zehn weitere Mitarbeiter. Sie halten für die jungen Besucher ein abwechslungsreiches Angebot parat. „Die Bergedorfer Tafel beliefert den Treff mit Essen“, sagt Schmidt. Die Angebote sind für die jungen Menschen (bis 17 Jahre) kostenfrei.