Hamburger Yacht-Club

Vom kleinen Steg zur großen Clubanlage an der Elbe

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Lena Diekmann
HYC-Vorsitzender Wolfgang Schnorrenberg auf der neuen Steganlage des Clubs. Durch sie ist die Zahl der Liegeplätze auf 180 gestiegen.

HYC-Vorsitzender Wolfgang Schnorrenberg auf der neuen Steganlage des Clubs. Durch sie ist die Zahl der Liegeplätze auf 180 gestiegen.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Vor 60 Jahren ist der Hamburger Yacht-Club gegründet worden. Mittlerweile gehört er zu den größten Vereinsanlagen der Stadt.

Hamburg. Sieben Hamburger Wassersportler unterzeichneten im Juni 1961 ein Gründungsprotokoll – die Geburtsstunde des Hamburger Yacht-Clubs (HYC). Bis heute sind daraus 150 Mitglieder plus Familienangehörige geworden.

Bis zum eigenen Clubgelände am Tatenberger Deich 144 mussten die Gründerväter sich allerdings noch ein paar Jahre gedulden. Erst 1967 wurde nach zähen Verhandlungen mit der Stadt ein Platz an der Dove-Elbe für den Club gefunden, der heute zur modernen und beliebten Clubanlage geworden ist.

Spitzen des Hamburger Yacht-Clubs mussten zäh verhandeln

In den Anfangsjahren lag noch das Hausboot von „Opa Lübcke“ am Steg, der mit seiner Familie an Bord lebte und sich wie ein Hafenmeister um die kleine Steganlage kümmerte. Daran erinnern sich langjährige Mitglieder ebenso wie an das Clubhaus, das auf dem Schutt vom im Zweiten Weltkrieg zerbombten Karstadthaus an der Hamburger Straße errichtet wurde.

Damals gab es noch keinen Wintergarten, dafür thronte der Phönix-Turm obenauf. Per Wendeltreppe ging es hinauf in den Turm, wo gegessen werden konnte. Er wurde jedoch später aufgrund von Wasserschäden abgetragen.

„Opa Lübcke“ und der Phönix-Turm prägten die Anfangsjahre

Zum 60. Geburtstag des Clubs hat Filmemacher und HYC-Mitglied Ralph Loop die Erinnerungen zu einem kurzweiligen Film zusammenschnitten. Zu sehen ist er im Internet bei Youtube: „60 Jahre HYC – Erinnerungen“.

Runde Geburtstage wurden beim HYC in den vergangenen Jahrzehnten stets mit einer breiten Öffentlichkeit und vielen Ehrengästen gefeiert. Das musste in diesem Jahr aufgrund der Pandemie ausfallen. Mit den Mitgliedern und ihren Familien konnte die Club-Führung aber schon auf den runden Geburtstag anstoßen. Und eigentlich hätten die Wassersportler auch Grund zu feiern: Denn die Öffnung der Dove-Elbe zur Stromelbe, die vom Forum Tideelbe geprüft worden war, ist vom Tisch – und damit auch die Furcht um das Revier.

Neuer Steg schafft mehr Platz für die Boote

„Nun können wir auch guten Gewissens wieder in die Zukunft investieren“, sagt Wolfgang Schnorrenberg, im fünften Jahr Vorsitzender des Clubs. Der tätigte pünktlich zum runden Geburtstag eine große Investition: Fast 60.000 Euro kostete der neue, 80 Meter lange Steg. Mit Stahlrahmen und Rasterplatten aus Kunststoff (Polyethylen) soll er nun wesentlich langlebiger sein als seine Vorgänger aus Holz.

Dadurch ist die Zahl an Liegeplätzen noch einmal gewachsen, gibt es an den Stegen nun insgesamt 180 Liegeplätze für Clubmitglieder sowie Gastlieger. Diese zahlen 1,50 Euro pro Meter Schiffslänge, Wasser und Strom sind im Preis enthalten. Anlegen können Jachten mit einer maximalen Breite von 5,50 Meter und 15 Meter Länge.

Gut vernetzt mit anderen Vereinen an der Dove-Elbe

Die Boote haben Platz im Clubreich – vom kleinen Angelboot bis zur großen Jacht, die meisten sind sieben bis zehn Meter lang. „Damit sind wir eine der größten Vereinsanlagen der Stadt“, sagt Wolfgang Schnorrenberg.

Aber auch mit anderen Vereinen und kommerziellen Anbietern von Liegeplätzen an der Dove-Elbe sei man mittlerweile sehr gut vernetzt. Eine wichtige, positive Folge des gemeinsamen Einsatzes zum Erhalt der Dove-Elbe, resümiert Schnorrenberg, der aus Solingen stammt und vor mehr als 20 Jahren während seines Berufslebens in Lütjensee zum Club an der Dove-Elbe fand.

Nachfrage nach Liegeplätzen ist ungebrochen groß

Noch heute pendelt der 73-Jährige zwischen Nordrhein-Westfalen und Hamburg und weiß: „Wenn ich hier auf das Gelände komme, dann ist es wie in einer für sich abgeschlossenen Welt zu sein.“ Wer möchte bekommt auf dem Gelände aber auch Kontakt zur Außenwelt per WLAN – und das nicht nur im Clubrestaurant, sondern auch an den Liegeplätzen.

Nun kommen die Boote aber schon bald raus aus dem Wasser: Am Wochenende 9. und 10. Oktober ist das Auskranen geplant. „Weil es vergangenes Jahr so gut geklappt hat, wollen wir es wieder unter den coronabedingten, aber bewährten Einschränkungen durchführen lassen, so dass nach einen strikten Ablaufplan neben der Kranmannschaft nur der jeweils zuständige Bootseigner Zutritt zur Kranumgebung bekommt“, erklärt Schnorrenberg.

Schon reichlich Anfrage nach Liegeplätzen in 2022

Kurz vor dem Ende der Saison hat er das nächste Jahr schon im Blick. Denn die Nachfrage nach Liegeplätzen ist ungebrochen. Dem Hafenmeister würden bereits um die 50 Voranmeldungen vorliegen, so Schnorrenberg. Zudem würden den Club tägliche Anrufe und E-Mails erreichen.

Schnorrenberg, selbst Eigner der „Endlich“, einem zehn Meter langen Stahlschiff aus Holland, kann die Menschen verstehen: „Alle suchen das freie Leben auf dem Wasser.“ Und auch wenn die Liegeplätze bereits ausgebucht sind, würde es sich immer lohnen, beim Hafenmeister anzufragen: „Es kann immer mal sein, dass sich eine Chance ergibt, wenn jemand sein Boot verkauft oder wegzieht“, sagt Schnorrenberg.