Bergedorf

Alter Kutter auf der Elbe nach sechs Jahren wieder fit

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Thomas Heyen
Ursula Schindler (v.l.), Thomas Deuber, Haik Aramyan und Axel Spaeth greifen kräftig in die Ruder, bringen das Zehn-Meter-Boot „Borgesch“ zu seinem neuen Liegeplatz im Jachthafen Zollenspieker kommt.

Ursula Schindler (v.l.), Thomas Deuber, Haik Aramyan und Axel Spaeth greifen kräftig in die Ruder, bringen das Zehn-Meter-Boot „Borgesch“ zu seinem neuen Liegeplatz im Jachthafen Zollenspieker kommt.

Foto: Thomas Heyen

Einst marode, nun ein Schmuckstück: „Borgesch“ wurde aufwendig restauriert und kann wieder für Jugendfahrten genutzt werden.

Zollenspieker. Der JugendwanderkutterBorgesch“ ist nach aufwendiger Restaurierung startklar, TÜV-geprüft und liegt auf der Elbe. Das zehn Meter lange Holzboot, Baujahr 1961, ist im Jachthafen Zollenspieker vertäut. Ehrenamtliche Helfer, die in den vergangenen sechs Jahren maßgeblich dabei halfen, das marode Schiff wieder flottzumachen, brachten es per Trecker und Anhänger aus der Bootshalle des Hauses Warwisch zu einer Slipanlage einige Hundert Meter vom Jachthafen entfernt.

In Zollenspieker ließen die Helfer das Boot unter Leitung des gelernten Bootsbauers Rüdiger Mertins vom Haus Warwisch ins Wasser. Allgemeine Erleichterung an Bord, als nur wenig Wasser eintrat und Teile des Bodens bedeckten.

Werft auf dem Gelände der Stadtteilschule Bergedorf

Dies sei normal nach so langer Zeit, in der das Boot nicht im Wasser war und das Holz an Land austrocknete, berichtet Mertins. Der Zweimaster war eine Woche lang an Land vorgewässert worden, damit das Holz aufquillt und sich so die Nähte wieder schließen. Die kurze Strecke bis zu dem neuen Liegeplatz im Jachthafen wurde gerudert. Erst am Liegeplatz richteten die „Borgesch“-Freunde die beiden Masten auf.

Der Kutter wurde unter der Regie der SHiP-Stiftung Haus im Park zusammen mit Geflüchteten über Jahre restauriert, vor allem in einer eigens gebauten Werft auf dem Gelände der Stadtteilschule Bergedorf (GSB). Vor zwei Jahren war dann die Bootstaufe, lief die „Borgesch“ am Hohendeicher See vom Stapel.

Zweimaster musste vorgewässert werden, damit das Holz aufquillt

Sie wurde damals an das Freizeitheim und Segelzentrum Haus Warwisch übergeben. Die notwendigen Restarbeiten zogen sich aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in die Länge, sodass die „Borgesch“ erst jetzt, im frühen Herbst, startklar auf der Elbe liegt. Vergangenes Jahr konnte wegen Corona auch nur wenig gesegelt werden.

„An der Restaurierung des maroden Kahns beteiligten sich Geflüchtete aus diversen Unterkünften, die die Gewerbeschule in Bergedorf-West besuchen“, sagt Renate Nietzschmann vom Vorstand der Stiftung und Projektleiterin. Rund 170.000 Euro kostete die Grundsanierung des Holzbootes.

Stiftungen und Privatpersonen gaben die nötigen Mittel

„Das Geld stammt von Stiftungen und Privatpersonen, darunter auch solche, die hier fleißig mit anpacken“, sagt Renate Nietzschmann. Denn die Arbeit sei nur vorerst beendet, so Mertins: „Es gibt immer etwas zu tun bei so einem Schiff.“ Die Freunde der „Borgesch“ hätten bereits ihre Unterstützung zugesagt, so Renate Nietzschmann.

Das Boot gehörte schon früher einmal dem Haus Warwisch – seit den 1970er-Jahren, bis es Ende der 2000er-Jahre aufgrund seines maroden Zustands ausgemustert worden war. Ein Privatmann erwarb es für einen symbolischen Euro und stellte es in seinen Garten in Aumühle. Der SHiP-Stiftung gelang es, den Zweimaster, der früher den Namen „Wammsch“ trug, günstig zu erwerben.

Geflüchtete beteiligten sich an der Restaurierung des maroden Kahns

Mit der „Wammsch“ waren viele Jugendliche mit Hamburger Straßensozialarbeitern auf Reisen. Das Team vom Haus Warwisch will jungen Menschen kurze und längere Segeltörns mit dem Holzboot ermöglichen. Angedacht ist zudem, auch Geflüchteten Fahrten mit der „Borgesch“ anzubieten.

Die „Borgesch“ ist der dritte Jugendwanderkutter des Segelzentrums am Wrauster Bogen. Einer befindet sich dort, ein weiterer im Jachthafen Zollenspieker – ganz in der Nähe des generalüberholten Zweimasters.