Denkmalschutz

Sie machen mobil für den Erhalt des Gutshauses Riepenburg

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Thomas Heyen
Werner Diedrichs (von links), Georg Eggers und Rolf Wobbe vom Grünen Zirkel Vier- und Marschlande sammeln Unterschriften für den Erhalt des Gutshauses Riepenburg.

Werner Diedrichs (von links), Georg Eggers und Rolf Wobbe vom Grünen Zirkel Vier- und Marschlande sammeln Unterschriften für den Erhalt des Gutshauses Riepenburg.

Foto: Thomas Heyen

Der Grüne Zirkel Vier- und Marschlande setzt sich dafür ein, das rund 170 Jahre alte Gebäude unter Schutz zu stellen.

Kirchwerder. Das Gutshaus Riepenburg am Kraueler Hauptdeich 17, nahe dem Kirchwerder Mühlendamm, droht zu verfallen, berichten Mitglieder des Grünen Zirkels Vier- und Marschlande. Die Interessengemeinschaft setzt sich für den Erhalt der Kulturlandschaft Vier- und Marschlande ein und möchte das rund 170 Jahre alte Gebäude, das der Stadt Hamburg gehört, retten. Deshalb verteilt der Grüne Zirkel nun Flugblätter und sammelt Unterschriften.

Das Haus hatte mehrere Vorgängergebäude, die etwa seit dem Jahr 1500, zu der Zeit des Abrisses der Riepenburg, errichtet worden waren. Dort waren Landwirte mit ihren Familien und Mitarbeitern untergebracht. Sie hatten das Haus von der Stadt gepachtet. Es habe sich laut Grünem Zirkel nie in Privatbesitz befunden.

Eines der prägendsten Gebäude im südöstlichen Bereich von Kirchwerder

„Mindestens vier Gebäude sind im Laufe der Jahrhunderte abgebrannt“, sagt Zirkel-Mitstreiter Georg Eggers. Im Gegensatz zu Ringwall und Burghügel, die unter archäologischem Denkmalschutz stehen, ist das Gutshaus von 1853 jedoch nicht denkmalgeschützt. Seit etwa drei Jahren steht das Gebäude leer.

Der Grüne Zirkel hat sich seit Sommer 2020 mehrfach mit der Bitte an das Denkmalschutzamt gewandt, das Gebäude unter Schutz zu stellen – zuletzt vor etwa zwei Wochen. „Wir haben aber noch keine Stellungnahme erhalten“, sagt Zirkel-Mitglied Rolf Wobbe. Die Nebengebäude – der ehemalige Schweinestall sowie das frühere Wasch- und Backhaus – seien bereits verfallen, berichtet Georg Eggers und fügt hinzu: „Das Gutshaus ist – ebenso wie die Riepenburger Mühle und das Zollenspieker Fährhaus – eines der prägendsten Gebäude im südöstlichen Bereich von Kirchwerder.“

Einige Hundert Unterschriften liegen bereits vor

Deshalb schlägt der rund 20 Mitglieder starke, 2016 gegründete Zirkel nun Alarm: In Supermärkten, Geschäften und Tankstellen werden Unterschriftenlisten und Info-Flyer ausgelegt. Die Unterschriftensammlung mit der Überschrift „Das Gutshaus Riepenburg retten und erhalten!“ soll frühestens im September an die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank überreicht werden.

Zahlreiche Bergedorfer Vereine seien inzwischen angeschrieben worden, damit deren Mitglieder ihre Unterschrift auf die Liste setzen können, berichtet Zirkel-Aktivist Werner Diedrichs. Einige Hundert Unterschriften lägen bereits vor. Auch die künftige Bezirksamtsleiterin Cornelia Schmidt-Hoffmann sei über die Protestaktion in Kenntnis gesetzt worden.

Für das Haus gibt es lediglich Zwei-Jahres-Verträge

Das zur Domäne Riepenburg zählende, mehr als 30 Hektar große Gelände sei – ebenso wie das Haus – an einen Landwirt verpachtet. Der Pachtvertrag für das Land sei für 25 Jahre abgeschlossen, von denen etwa die Hälfte rum seien. Für das Haus würde die Stadt lediglich Zwei-Jahres-Verträge machen, berichten die Zirkel-Mitglieder.

Sie wollen, dass ihre Heimat, die Vier- und Marschlande, „wiedererkennbar bleibt“, wie Georg Eggers es formuliert. Doch dies sei nicht einfach zu bewerkstelligen: „Derzeit wissen wir von drei alten Bauernhäusern und sieben Scheunen, die sich im Verfall befinden. Sie sind prägend für die Landschaft.“ Eggers sei traurig über den schleichenden Identitätsverlust. Er möchte dabei nicht tatenlos zusehen: „Wir fühlen uns für unsere Heimat verantwortlich. Die Rettung der Welt fängt vor der eigenen Haustür an“, sagt der 80-jährige Landwirt im Altenteil.

Damals gab es noch keine Verstädterung wie wir sie heute erleben

Der Austausch zwischen Stadt und Land sei wichtig, betont Eggers. „Die Menschen haben unterschiedliche Lebensstile, können aber voneinander lernen.“ Rolf Wobbe fügt hinzu, dass dieser Austausch „seit Jahrhunderten Tradition habe“, weil die Menschen aus der Stadt schon immer Ausflüge aufs Land gemacht haben. „Nur gab es damals keine Verstädterung wie wir sie heute erleben“, sagt Werner Diedrichs. Neuer Wohnraum werde dringend gesucht – auch auf dem Lande.