Prozess vorm Landgericht

Moorfleeter Feuernacht: Handydaten belasten Angeklagten

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Meterhoch schlagen in der Nacht zum 17. April 2020 am Holzhafenufer die Flammen.

Meterhoch schlagen in der Nacht zum 17. April 2020 am Holzhafenufer die Flammen.

Foto: Heinz Biller

Im April 2020 brennt es in einer Bootshalle am Holzhafenufer lichterloh. Seit Oktober muss sich Krystof W. vor Gericht verantworten.

Hamburg. Meterhoch schlugen die Flammen aus einer Bootshalle in den Nachthimmel am Holzhafenufer. Bei dem Feuer in der Nacht zum 17. April des vergangenen Jahres wurden ein Wohnmobil, ein Hausboot und eine in der Halle gelagerte Jacht völlig zerstört.

Seit dem 22. Oktober 2020 muss sich Krzysztof W. wegen schwerer Brandstiftung vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Der 41-jährige Pole wurde wenige Tage nach dem Brand festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Polizei erstellte Bewegungsprofil: Handydaten belasten Angeklagten

Am Mittwoch, dem 14. Verhandlungstag des umfangreichen Verfahrens, wurde ein Kriminalbeamter als sachverständiger Zeuge gehört. Die Polizei hatte bei den Ermittlungen gegen Krzysztof W. anhand seiner Handydaten ein Bewegungsprofil erstellt. Der Beamte erläuterte dem Gericht die technischen Methoden bei der Erstellung eines solchen Profils.

Außer aus den auf dem Smartphone selbst gespeicherten Ortungsdaten können Rückschlüsse auch durch die Auswertung der Einwahlen in die verschiedenen örtlichen Funkzellen der Mobilfunknetzbetreiber gezogen werden. Für die Ermittler steht demnach fest, dass Krzysztof W. sich in der Tatnacht an der Brandstelle aufgehalten hatte.

Das Motiv für die Brandstiftung könnte Eifersucht gewesen sein

Bei dem Brand war nicht nur ein hoher Sachschaden entstanden, sondern es war auch Menschenleben gefährdet worden: Der 75-jährige Dieter-Karl Burmester, der ehemalige Hafenmeister, hatte in der Tatnacht auf seinem Hausboot übernachtet. Sein Hund „Berry“ rettete ihm durch lautes Gebell vermutlich das Leben, in letzter Minute flüchtete der 75-Jährige aus seiner lichterloh brennenden Unterkunft ins Freie.

Das Motiv für die Brandstiftung könnte Eifersucht gewesen sein. Dem Angeklagten soll ein Foto in die Hände gefallen sein, auf dem seine Ehefrau einem anderen Mann einen Kuss auf die Wange drückt.

Bis zum 26. März sind noch fünf Verhandlungstage angesetzt

Dieser angebliche Nebenbuhler arbeitete als Mechaniker am Holzhafenufer und wohnte dort in einem Mobilheim, das in der Tatnacht als erstes in Flammen aufging. Krzysztof W. soll die Fensterscheibe des Mobilheims eingeschlagen haben und so ins Innere gelangt sein. Dort soll er laut Anklageschrift eine brennende Zigarette unter ein Kissen gelegt haben, wodurch die gesamte Unterkunft abbrannte.

Der Prozess wird fortgesetzt, bis zum 26. März sind noch fünf Verhandlungstage vorgesehen.

( gr )