Ochsenwerder

Gemüsebau: Nur ein Betrieb bildet derzeit in Hamburg aus

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Lena Diekmann
Die Gärtnerei Sannmann bildet aus (von links): Bendix Möller (20), Anne Scheel (24), Piet Maule (20) und Alina Sannmann (28).

Die Gärtnerei Sannmann bildet aus (von links): Bendix Möller (20), Anne Scheel (24), Piet Maule (20) und Alina Sannmann (28).

Foto: Lena Diekmann

Demeter-Gärtnerei Sannmann hat vier Azubis auf einen Streich beschäftigt. Nur zwei weitere Gemüsebau-Betriebe sind registriert.

Hamburg.  Das Team der Demeter-Gärtnerei Sannmann hat junge Verstärkung bekommen. Und das gleich vierfach: Vier Auszubildende sind derzeit in dem Betrieb am Ochsenwerder Norderdeich 50 beschäftigt. Damit ist die Demeter-Gärtnerei der einzige Betrieb in ganz Hamburg, der derzeit Gemüse-Gärtner-Azubis ausbildet.

Neben Sannmann sind momentan nur zwei weitere Gemüsebau-Betriebe bei der Landwirtschaftskammer Hamburg als Ausbildungsbetriebe registriert, einer in Moorfleet und einer in Moorwerder.

Andreas Kröger aus Kirchwerder, Präsident der Landwirtschaftskammer, weiß, das Handlungsbedarf besteht, um dem bestehenden Fachkräftemangel zu begegnen. Gleichwohl sei es für kleinere Betriebe aber auch schwierig, Auszubildende zu beschäftigen, weil man ihnen neben der vielen Arbeit die es zu erledigen gibt, häufig zeitlich gar nicht gerecht werden könnte, so Kröger. Dennoch lohne sich die Ausbildung, um die Betriebe für die Zukunft aufzustellen: „Ein Mitarbeiter, den man selbst ausgebildet hat, ist goldwert“, sagt der Gärtnermeister vom Kirchwerder Marschbahndamm.

Gemüsebau: Nur drei Ausbildungsbetriebe in ganz Hamburg

In der Landwirtschaftskammer Hamburg habe man bereits reagiert, indem sich ein Mitarbeiter nun verstärkt um die Akquise von Auszubildenden für die grüne Branche kümmert, berichtet Andreas Kröger. Dabei werde zweigleisig gefahren: Zum einen werde versucht, auf Ausbildungsmessen und in Schulen junge Menschen über den Beruf zu informieren und sie dafür zu begeistern. Zum anderen möchte die Landwirtschaftskammer auch Betriebe dafür gewinnen, selbst Fachkräfte auszubilden. Denn ohne qualifizierte Ausbildung heute werde es morgen keine Fachkräfte geben.

Die Gärtnerei Sannmann ist da schon einen Schritt weiter oder gar vier Schritte: Von den vier Azubis ist Piet Maule am Längsten dabei. Der 20-Jährige ist im dritten Lehrjahr und wird im Sommer seine Ausbildung abschließen. Als Gärtnergehilfe würde er gern weiter in seinem Ausbildungsbetrieb arbeiten: „Das ist genau das, was ich machen möchte“, sagt der 20-Jährige, der sich den Demeter-Betrieb in Ochsenwerder auch bewusst für seine Ausbildung ausgewählt hatte, anstatt bei einem Landwirt in seinem Heimatdorf in Mecklenburg-Vorpommern zu lernen.

Aktuelle Situation eine Chance für die grüne Branche

Auch Anne Scheel erkennt in der Ausbildung zum Gemüse-Gärtner eine sinnvolle Arbeit: „Gesellschaftlich, aber auch für mich selbst“, sagt die 24-Jährige aus Frankfurt-Oder, die ebenso wie Mitazubi Alina Sannmann (28) nun noch eine Ausbildung an das abgeschlossene Ökotrophologie-Studium dranhängt. Das praktische Arbeiten, welches sich vielfach draußen abspiele, und dabei Lebensmittel zu erschaffen, gefällt den beiden jungen Frauen an ihrer Arbeit. Das habe auch Bendix Möller zu einer Ausbildung als Gemüsegärtner motiviert: „Ich möchte mich gern selbst mit Essen versorgen können und wissen, wo es herkommt“, sagt der 20-Jährige aus Reinbek.

Landwirtschaftskammerpräsident Andreas Kröger sieht in der derzeitigen Situation eine Chance für die grüne Branche: Der Absatz an Gemüsepflanzen habe im vergangenen Jahr stark zugenommen. Die Nachfrage sei um ein vielfaches größer gewesen, als auf dem Markt zu haben gewesen sei, so Andreas Kröger. Er beobachtet, dass es häufig zum Projekt von Großeltern und ihren Enkeln werde, gemeinsam Gemüse anzubauen. Das sei einerseits eine willkommene Beschäftigung in einer Zeit, in der wegen der Pandemie-Beschränkungen wenig los sei und zugleich eine interessante Erfahrung mitzuerleben, wie das selbst gezogene Gemüse heranreift, geerntet und zubereitet werden kann, so Kröger.

Hofladen eröffnet wieder am 27. März in Ochsenwerder

Auch Sannmanns Biogärten sind stark gefragt. 100 Parzellen stehen mit Saisonstart am 15. Mai zur Verfügung, wovon 75 Parzellen bereits vergeben sind, berichtet Projekt-Betreuerin Andrea Madadi. Die Azubis werden die Parzellengärtner werden ebenso mitbetreuen wie den Hofladen, der am 27. März wieder öffnen wird. Das Azubi-Team bekommt Unterstützung: Im März und August werden in der Gärtnerei zwei Frauen eine Ausbildung beginnen, kündigt Alina Sannmann an.