Herbst-Deichschau

Wird das alte Müllerhaus der Borghorster Mühle verschoben?

Andreas Pohl (Bezirksamt) zeigt auf den Deich in Borghorst, Michael Schaper vom LSBG (links daneben) ist grundsätzlich zufrieden

Andreas Pohl (Bezirksamt) zeigt auf den Deich in Borghorst, Michael Schaper vom LSBG (links daneben) ist grundsätzlich zufrieden

Foto: Thomas Heyen

Bei der Deichschau standen denkmalgeschützte Häuser ebenso im Fokus wie Neubauten. Was für Problematiken und Lösungen gibt es?

Bergedorf. Der Umgang mit Häusern im Deichfuß war bei der Herbst-Deichschau am Dienstag ein Thema. Die rund 20 Teilnehmer stiegen am Altengammer Hauptdeich in Höhe der Borghorster Mühle aus dem Bus, um das benachbarte alte Reetdachhaus in Augenschein zu nehmen. Es steht im Deich, deshalb machte die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend. Der bisherige Eigentümer ist ausgezogen. Wie mit dem denkmalgeschützten Haus umgegangen werden soll, ist noch offen.

Sollte der Deich um einen Meter erhöht werden, müsste er um sechs Meter in der Breite wachsen, betonte Michael Schaper, in Hamburgs Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) zuständig für die Deichaufsicht. Das Haus, in dem einst der Müller der Borghorster Mühle lebte, stehe schon jetzt zu nah am Deich. „Der Schutz von Leib und Leben hat schließlich eine höhere Bedeutung als der Erhalt der Kulturlandschaft“, sagte Bergedorfs Baudezernent Uwe Czaplenski und schlug vor, es zu verschieben.

Diskussion um Müllerhaus der Borghorster Mühle

Alternativ könnte ab- und ganz woanders, etwa im Museumsdorf am Kiekeberg, wieder aufgebaut werden, sagte Schaper. Jörg Froh, für die CDU im Regionalausschuss, fordert eine Kostenbeteiligung der Stadt: „Schließlich will sie doch unsere Kulturlandschaft erhalten.“

Zunehmend soll mit Blick auf den Hochwasserschutz auch die Deichlinie an der Dove-Elbe entwickelt werden, sagte Schaper. Der Allermöher Deich sei als solcher kaum noch zu erkennen. In den kommenden „40, 50 Jahren“ wolle die Stadt dort verstärkt ihr Vorkaufsrecht ausüben, sagte Schaper. Froh gab zu Bedenken, dass ihre Vorgehensweise nicht immer nachvollziehbar sei: „Auf der einen Seite übt die Stadt ihr Vorkaufsrecht aus, auf der anderen Seite werden Neubauten an den Deichen genehmigt.“

Deich in gutem Zustand: Wenig Mäusebefall und weniger Risse

Ein grundsätzliches Problem würde bei Neubauten im Hochwasserschutzbereich das sogenannte vereinfachte Verfahren darstellen: Die Prüfung, ob das Deichrecht eingehalten wird, obliegt dem zuständigen Architekten. „Doch der hat das Deichrecht oft nicht auf dem Zettel“, sagt Schaper. Um alle Baunebenrechtsbelange berücksichtigen zu können, so Schaper, sei zu überlegen, ob man mit den Häusern an der Dove-Elbe zurückkehre zum konzentrierten Baugenehmigungsverfahren, das vor mehr als zehn Jahren novelliert worden war. „Dann hat die Bauprüfabteilung des Bezirks den Blick drauf und holt alle beteiligten Institutionen mit ins Boot.“

Neben der Bebauung entlang der Deiche ging es gestern auch um den Zustand des Hauptdeichs an sich: „Der ist insgesamt gut“, sagte Schaper, der eher wenig Mäusebefall und weniger Risse als im Vorjahr bemerkte. „Die Bemühungen des Bezirksamtes zeigen Wirkung“, so Schaper. In Kirchwerder im Naturschutzgebiet bemerkte die Delegation überhängende Äste, die immer mehr von der Binnenseite in den Deichbereich hinein wachsen. „Hier werden wir mit dem Naturschutzamt in Kontakt treten“, sagte Schaper.

Deichverteidigungsübung im November abgesagt

Die vom LSBG für den 27. November angekündigte Deichverteidigungsübung mit Bezirksämtern, Feuerwehren, Deichwachten, THW und Bundeswehr wurde coronabedingt abgesagt. Das wurde jetzt in einer Sitzung des Hauptausschusses bekannt.

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