Reconect

Projekt soll Landgebiet besser vor Hochwasser schützen

Das Siel an der Tatenberger Schleuse könnte bei der Be- und Entwässerung des Binnenlandes eine entscheidende Rolle spielen, wenn die Bedienung optimiert wird, so erste Ergebnisse des Reconect-Projektes.

Das Siel an der Tatenberger Schleuse könnte bei der Be- und Entwässerung des Binnenlandes eine entscheidende Rolle spielen, wenn die Bedienung optimiert wird, so erste Ergebnisse des Reconect-Projektes.

Foto: Thomas Heyen

Projekt Reconect betrachtet hydrometeorologische Risiken. Auch die Dove-Elbe und Bille stehen dabei im Fokus.

Tatenberg. Nach Unwettern mit sintflutartigen Regenfällen haben Überschwemmungen vor gut einer Woche die Region um Nizza verwüstet. Flughafen, Bahnhöfe und selbst ganze Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. Im selben Zeitraum waren auch Ligurien, die Lombardei und Venetien von Überschwemmungen betroffen.

Auch Lohbrügge 2018 von Überschwemmungen betroffen

Doch der Blick muss für solche Unglücke gar nicht bis Südfrankreich oder Italien schweifen: Am Himmelfahrtstag 2018 traf es Lohbrügge. Nach einem Starkregen stand der Stadtteil unter Wasser, Straßen rutschen ab, Häuser drohten einzustürzen. So ergeht es in Europa – und der ganzen Welt – immer wieder Regionen, die durch hydrometeorologische Risiken wie Hochwasser, Sturmfluten und Dürren bedroht sind.

Um Wege zu finden, wie diese Risiken durch naturnahe Lösungen gemindert werden können, wurde das Projekt Reconect ins Leben gerufen. Mehr als 35 Partner aus Europa, aber auch Malaysia oder Taiwan beteiligen sich an dem Projekt. Es ist im September 2018 gestartet, auf fünf Jahre angelegt. Das Gesamtbudget liegt bei 13,5 Millionen Euro, die EU-Förderung für Hamburg bei knapp 1,7 Millionen Euro.

Hochwasser und Dürreperioden als Herausforderungen der Region

Für Hamburg koordiniert Ana Julia Kuschmierz von der Senatskanzlei das Projekt, die nun mit den beteiligten Partnern aus der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) sowie vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) und der Technischen Universität Hamburg (TUHH) ihren Ansatz und erste Ergebnisse im Regionalausschuss vorstellte. Denn die Vier- und Marschlande spielen darin eine zentrale Rolle.

Betrachtet werden die Dove-Elbe mit einem Einzugsgebiet von 160 Quadratkilometern sowie die Bille mit 507 Quadratkilometern. Für das Gebiet wurden mehrere Herausforderungen definiert: Hochwasser durch hohe Wasserstände in der Elbe über einen längeren Zeitraum von mehreren Tagen in Kombination von Westwind und hohen Abflüssen innerhalb des Flusssystems.

Ebenso gebe es Dürre durch niedrige Wasserstände über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen in Kombination mit niedrigen Abflüssen im Binnenland durch Wind aus östlicher Richtung sowie auch niedrigen Abflüssen innerhalb des Flusssystems durch mehrwöchige Dürreperioden. Gewünschtes Ergebnis des Projektes ist es, den Hochwasserschutz zu optimieren, die Bewirtschaftungsziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie sowie Ziele der Hochwasser-Risikomanagementrichtlinie zu erreichen sowie kritische Niedrigwasserstände zu verhindern.

Eine optimierte Bedienung des Tatenberger Siels verspricht Entlastung

Erste Ergebnisse hätten gezeigt, dass die Bedienung des Siels an der Tatenberger Schleuse eine wesentliche Rolle spielen kann: Anhand eines 2-D-Modells wurde eine optimierte Steuerung untersucht, erläuterte Dieter Ackermann vom LSBG. Bevorzugt werden demnach mehrere Maßnahmen, wie die Vorabsenkung des Wasserstandes vor einem Hochwasserereignis, die Verlängerung der Entwässerungsdauer sowie Erhöhung der Abflussleitung des Deichsiels durch regelhafte Entwässerung über drei Durchlässe – und nicht wie bislang durch zwei. Die Kombination dieser Maßnahmen würde bereits eine merkliche Entlastung zeigen. Bauliche Veränderungen am Bauwerk seien nicht notwendig, erläuterte Dieter Ackermann.

Bau der Schöpfwerke wird weiterhin als zwingend angesehen

Harald Martens (SPD) vermisste in den Ausführungen die drei Schöpfwerke, die seit Jahren entlang der Stromelbe geplant sind, aber bislang aufgrund schwieriger Grundstücksverhandlungen immer noch nicht gebaut werden konnten. „Ich habe den Verdacht, dass das nicht mit der erforderlichen Energie verfolgt wird“, sagte Martens.

Projektverantwortliche als auch Bergedorfer Verwaltung waren sich aber einig, dass das Reconect-Projekt die Schöpfwerke keineswegs ersetzen soll, sondern es nur als Ergänzung gesehen werde. „Der Bezirk sieht den Bau der Schöpfwerke weiterhin als zwingend an“, betonte Regionalbeauftragter Lars Rosinski aus dem Bezirksamt.

Infos zum Projekt Reconect im Internet: www.reconect.eu.