Die Eselei

Vier Esel haben einen Traum wahr gemacht

Mit der Eselei haben Andreas Kirsch und Ehefrau Karin sich einen Traum erfüllt. Und fahren mit ihren vier Eseln sogar in den Urlaub.

Curslack. Es ist eine kleine rechteckige Kiste, die über dem rechten Vorderbein des grauen Zwergesels ertastet werden kann. Für den 19-Jährigen Wallach hat diese kleine Kiste aber eine große Bedeutung. Und auch für sein „Herrchen“ Andreas Kirsch. Denn sie hält das Herz von Moritz in Schach.

Der Zwergesel kam gemeinsam mit Stute Maja (20) vor drei Jahren nach Curslack und komplettierte die Herde von Andreas Kirsch und Ehefrau Karin. Seit 2016 betreibt das Paar am Brookdeich „Die Eselei“. Stute Paula (10) und Wallach Pinu’u (12) zogen als erste ein. Damit erfüllte sich Andreas Kirsch den Wunsch nach einem „aktiven Ruhestand“, so der pensionierte Schiffbauer. Der Wunsch wurde erfüllt: „Ich habe keinen einzigen Tag mit den Eseln bereut.“

Es gab die Wahl: Einschläfern oder Herzschrittmacher

Doch der knapp einen Meter kleine Moritz machte Andreas Kirsch schnell große Sorgen. Immer wenn der Wallach zur Ruhe kam, meist beim Fressen, wurde er ohnmächtig und kippte einfach um. Zwar kam er meist recht schnell wieder zu sich, doch verletzte er sich bei seinen unkontrollierten Stürzen. Ein Langzeit-EKG in der Tiermedizinischen Hochschule (TiHo) in Hannover stellte fest, dass der Herzmuskel des Esels kein Signal bekam. Das daraufhin verabreichte Antibiotikum zeigte keine Wirkung. Andreas Kirsch hatte die Wahl: Einschläfern oder Herzschrittmacher.

Da der „flauschige Moritz“ ihm so sehr ans Herz gewachsen war, wählte Andreas Kirsch den Schrittmacher – inklusive Reise ins belgische Gent. Denn dort hat der Experte für Kardiologie von Großtieren seinen Sitz. Stute Maja begleitete Moritz auf der Fahrt zu seiner lebensrettenden Operation. „Esel schließen eben Freundschaften“, erklärt Andreas Kirsch. Sie halten gegenseitig Wache, wenn der andere schläft oder lassen den Kumpel am selben Ort am Gras knabbern.

Ein Esel kommt nie allein

Auf seine Wandertouren würde Andreas Kirsch daher nie einen Esel allein mitnehmen. „Das wäre die Höchststrafe“, sagt er. Auch das Ehepaar Kirsch mag gar nicht mehr ohne ihre Herde sein: Bei Wochenend-Ausflügen würden ihr Sohn oder Freunde mal als Esel-Sitter einspringen.

Bei einem mehrwöchigen Urlaub nimmt das Paar die Hilfe aber nicht in Anspruch: „Wir möchten die Vier einfach gern dabei haben“, sagt Andreas Kirsch. So geht es im September gemeinsam in den Südharz, wo es für die Menschen in eine Pension und die Tiere auf eine benachbarte Wiese geht. „Haustiere sind dort erlaubt. Als ich erzählt habe, dass ich vier Esel mitbringe, haben die Vermieter erst mal nur gelacht“, erzählt Kirsch. Doch schon beim letzten Urlaub haben sich alle sechs dort rundum Wohl gefühlt. „Wir freuen uns dort alle gemeinsam zu wandern“, sagt Kirsch.

Der Ruf des störrischen Esels ist nicht gerechtfertigt

Wenn die ganze Herde aber nicht gerade im Urlaub ist, dann wandern die Esel mit Gästen durch das Bergedorfer Gehölz oder den Sachsenwald, zur Dalbekschlucht oder an der Elbe entlang. Die meisten Kunden sind Paare, berichtet Andreas Kirsch, aber auch viele Familien oder auch mal Firmen sind dabei. Die Corona-Pause, in der keine Gäste empfangen werden konnten, hat er genutzt um 360-Grad-Videos von seinen Tieren und der Anlage am Brookdeich drehen zu lassen. Die Filme sind jetzt abrufbar auf der Webseite der Eselei, wo auch die Wanderungen gebucht werden können.

Der Ruf des störrischen Tieres hafte den Eseln im Übrigen zu Unrecht an. „Sie haben eben ihren eigenen Kopf. Wenn sie mal nicht so wollen wie der Mensch, dann ist das nur ein Verständigungsproblem“, sagt der 62 Jahre alte Eselvater.

Internet: www.dieeselei.de