Oldtimer

Lkw-Oldie aus Neuengamme wartet auf neuen Einsatz

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kw „Antje“  mit Tübinger Nummernschild im neuen Einsatzgebiet in Rottenburg. Die alte Lackierung wurde draufgelassen.

kw „Antje“ mit Tübinger Nummernschild im neuen Einsatzgebiet in Rottenburg. Die alte Lackierung wurde draufgelassen.

Foto: Thomas Rudolf

Rollender Supermarkt war 29 Jahre in Neuengamme unterwegs. Nun steht „Antje“ am Neckar und soll demnächst wieder genutzt werden.

Neuengamme/Rottenburg. Mit seinem rollenden Supermarkt war Lothar Grube 40 Jahre lang in den Vierlanden unterwegs, versorgte die Menschen mit Brot, Obst, Milch, Gemüse, frischem Fisch, Wurst und Fleisch und vielen weiteren Produkten des täglichen Bedarfs. Anfang 2009 ging der letzte fahrende Lebensmittelhändler in den Vierlanden in den Ruhestand, stieg er zum letzten Mal in seinen Mercedes-Lkw mit Regalwänden und Kühlung. Grube hatte ihn 1980 maßgeschneidert erworben.

Den Lkw verkaufte der Neuengammer damals über das Internet an die Familie Rudolf in Rottenburg am Neckar, nahe Stuttgart. „Mein damals 21-jähriger Sohn Tobias wurde damals über die Seite Mobile.de auf das Fahrzeug aufmerksam. Frisch im Besitz des Lkw-Führerscheins, war der Wagen für ihn das ideale Angebot“, sagt Thomas Rudolf (57).

Bei minus 18 Grad von Neuengamme nach Rottenburg

An einem bitterkalten Januartag sei der Lkw besichtigt und gekauft worden. Die erste Fahrt (von Neuengamme nach Rottenburg) beschreibt der Schwabe als „abenteuerlich“: „Die Tankanzeige war stets auf voll und die Heizung defekt. Dabei waren es draußen minus 18 Grad.“ Trotzdem ging alles gut.

In der neuen Heimat wurde der Lkw schnell getauft: „Wir haben ihn ‘Antje’ genannt, weil wir beim aufräumen des Lkw einen Schlüsselanhänger mit dem gleichnamigen NDR-Maskottchen gefunden hatten“, sagt Rudolf. Ursprünglich sei geplant gewesen, „Antje“ wieder als rollendes Lebensmittelgeschäft einzusetzen. Der fällige TÜV und verschiedene Reparaturen wurden erledigt, sodass es losgehen konnte. „Doch persönliche Umstände zwangen uns zu einer Planänderung“, sagt der 57-Jährige, der aus Gesundheitsgründen kürzer treten musste.

Lkw wird nur gelegentlich bewegt

Deshalb steht der Lkw seit elf Jahren ungenutzt rum, der TÜV ist wieder abgelaufen, doch der Wagen ist fahrbereit. Er wird gelegentlich bewegt, „um nicht einzurosten“. Dann fährt „Antje“ lediglich über das weitläufige Gelände der Familie – „oder sie bekommt einen Satz rote Kennzeichen“. Rudolf: „Denn von unserem stählernen Familienmitglied wollten und wollen wir uns auf keinen Fall trennen, denn ‘Antje’ hat einfach Charme und Charakter“.

Nun, nach der Coronakrise, „spätestens im nächsten Frühjahr“, soll der Lastkraftwagen endlich wieder mit Waren bestückt losrollen – wenn auch nicht weit: Bei schönem Wetter wollen Vater und Sohn „Antje“ aus ihrer Lagerhalle am Neckartal-Radweg fahren – um sie 50 Meter weiter auf ihrem Gelände direkt an einem idyllisch gelegenen Radwanderweg zu parken. „Von dort aus wollen wir regionale Produkte an die Fahrradtouristen verkaufen, die hier zahlreich vorbeifahren“, sagt Thomas Rudolf, der in seinem Hauptberuf für die Verwaltung des Landes Baden-Württemberg arbeitet. Sein Sohn verdient sein Geld als Kindheitspädagoge. „Wir sind also eher untypische Kaufmänner, ein buntes Team“, sagt der Vater.

Vater und Sohn wollen ebenfalls Lebensmittel verkaufen – etwa Rindfleisch- und Backwaren-Spezialitäten. „Damit erfüllen wir uns einen kleinen, langgehegten Traum“, sagt Thomas Rudolf.