Lockerungen

Bergedorfs Wassersportler sehnen sich nach ihrem Element

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Lena Diekmann
Wolfgang Schnorrenberg (Vorsitzender Hamburger Yacht Club) hofft, dass die Schiffe bald ins Wasser kommen.

Wolfgang Schnorrenberg (Vorsitzender Hamburger Yacht Club) hofft, dass die Schiffe bald ins Wasser kommen.

Foto: Lena Diekmann / Diekmann

Sportschiffer, Ruderer oder Segler sehen sich gewappnet, Corona-Verordnung auch beim Sport einzuhalten. Lockerungen ab Mai in Sicht.

Bergedorf. Normalerweise wären sie schon längst auf dem Wasser: Anfang April starten die Sportschiffer vom Hamburger Yacht Club für gewöhnlich in die Saison, indem sie ihre Boote mit dem Kran zu Wasser lassen. Doch der Termin musste in diesem Jahr aufgrund der Corona-Verordnungen verschoben werden. Denn Häfen und Steganlagen von Vereinen gelten ebenso als Sportanlagen wie Tenniscourts, Fußballplätze oder Sporthallen. Und die sind im Bezirk Bergedorf seit Mitte März gesperrt.

Einschränkungen sind auch gefährlich

Am Tatenberger Deich liegen so noch immer gut 60 Schiffe an Land. Das ist allmählich nicht nur traurig für die Sportschiffer, die gern wieder in See stechen würden, sondern auch gefährlich: Am Ostersonntag ist bei den warmen Temperaturen bereits ein Tank übergelaufen, berichtet Wolfgang Schnorrenberg, Vorsitzender des Hamburger Yacht Clubs. „Stahlboote werden vor dem Winter vollgetankt. So wird die Bildung von Kondenswasser in den Tanks verringert, das zu erheblichen Problemen führen kann“, erklärt Andreas Gabriel von der Bootsvermietung Hamburg am Moorfleeter Deich. Normalerweise wäre die Saison auch dort schon in vollem Gang. Doch es herrscht Stillstand – keine Vermietungen, keine Ausbildungen. Ein baldiger Saisonstart sei immens wichtig: „Im August müssen wir nicht mehr anfangen, dann sind wir pleite“, sagt Andreas Gabriel.

Verordnungen an die Realität anpassen

Nicht nur die Motorboot­skipper, auch Segler, Ruderer und Kanuten, die auf der Dove-Elbe ihr Revier haben, sehnen sich danach, aufs Wasser zu kommen: „Wo könnte man besser Abstand halten als alleine in einem Boot auf dem Wasser?“, fragt Oleg von Cube. Der Vorsitzende der Baltischen Seglervereinigung und die anderen Wassersportler von der Dove-Elbe wollen gar nicht die grundlegende Entscheidung kritisieren, zunächst alles zu stoppen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, so von Cube. „Nun hatte man aber einige Wochen Zeit, um nachzudenken und die Verordnungen an die Realität anzupassen“, sagt er.

Zumal sich durch die Verordnungen in den vergangenen Wochen eine kuriose Situation ergeben habe: Segler, Kanuten oder auch Stand-up-Paddler, die irgendwo am Ufer ihr Boot oder Gerät ins Wasser brachten, konnten durchaus eine Tour unternehmen, während das Einsteigen am Vereinssteg für Wassersportler verboten war.

„Dabei lassen sich das geordnete Einsteigen und der gebotene Abstand in einem Verein doch viel besser organisieren“, sagt Rüdiger Freygang vom Ruderclub Bergedorf. Er halte es für unverständlich, derart ausgebremst zu werden. „Wir hoffen, dass wir endlich Gehör bei den Entscheidern finden“, so Freygang.

Anfang Mai soll es Lockerungen geben

Dafür gibt es nun begründete Hoffnung: Unter freiem Himmel sollen Individualsportarten wie Tennis, Golf oder Reiten ab Anfang Mai wieder erlaubt sein, erläuterte Innensenator Andy Grote (SPD) nach der Sportministerkonferenz. Das soll auch für Individualsportarten auf dem Wasser gelten: „Für das Rudern, Segeln oder Kanufahren sind ab der ersten Mai-Woche Lockerungen denkbar, sofern die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können“, erläutert Frank Reschreiter, Sprecher der Behörde für Inneres und Sport.

Kranen soll am Wochenende möglich sein

Die Wassersportler entlang der Dove-Elbe sehen sich entsprechend vorbereitet, würden Dusch- und Clubräume geschlossen halten und bereits Pläne für Zeitfenster entwickelt, um Sportler ins Wasser zu lassen, erläutert Rüdiger Freygang.

Und auch beim Hamburger Yacht Club scheint nun Bewegung in die Sache zu kommen: Am Wochenende sei es nun erlaubt, die Boote ins Wasser zu setzen, berichtet Wolfgang Schnorrenberg. Das Kranen wird von einer gewerblichen Firma durchgeführt, was laut Corona-Verordnung erlaubt sei. Auch das Verholen der Boote soll nun von einer Firma anstatt von den Eignern erledigt werden. „Das verursacht zwar zusätzliche Kosten, aber Hauptsache, die Boote sind endlich im Wasser“, so Schnorrenberg.