Flüchtlingsunterkunft

Helfende Hände für Fahrradwerkstatt gesucht

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Reinhard Marquardt repariert die Fahrräder ehrenamtlich in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Sülzbrack.

Reinhard Marquardt repariert die Fahrräder ehrenamtlich in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Sülzbrack.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Reinhard Marquardt verhilft alten Drahteseln zu neuem Glanz. Und könnte gern noch Unterstützer gebrauchen.

Kirchwerder. Ein großer Wunsch brachte Reinhard Marquardt vor gut sechs Jahren aus Westfalen nach Hamburg: „Ich wollte näher bei der Familie sein“, sagt der 78-Jährige. Seine Frau war verstorben, in Poppenbüttel aber wohnte seine Tochter. Und im Norden fand er nicht nur die Nähe zum eigenen Nachwuchs – sondern auch eine neue Liebe und mit ihr ein neues Zuhause in Kirchwerder. „Ein wahrer Glücksfall“, sagt der Senior.

Nachdem Reinhard Marquardt bereits zwanzig Jahre lang als Tenor im gemischten Chor in Lippstadt gesungen hatte, fand er in der Liedertafel Flora Zollenspieker schnell Anschluss. „Die Freude am Singen ermöglichte eine rasche Integration in die Vierlande, zusätzlich zum privaten Kreis meiner Partnerin“, sagt er.

Erst Deutschunterricht, dann handwerkliches Engagement

Reinhard Marquardt fühlt sich gut aufgenommen im Landgebiet – und das will er auch anderen Menschen ermöglichen. Nach Engagements im Deutschunterricht in der Flüchtlingsunterkunft an der Sandwisch und am Curslacker Neuen Deich zog es ihn in die Unterkunft auf dem Sülzbrack.

Auch dort paukte der 78-Jährige mit den Bewohnern zunächst die deutsche Sprache, wechselte 2018 dann in den handwerklichen Bereich. Die Fahrradwerkstatt konnte Hilfe gebrauchen, Reinhard Marquardt stieg ein. Doch nun ist er es selbst, der Untersützung gebrauchen kann. Nachdem sein früherer Mitstreiter aufhörte, stemmt er die Arbeit in der Werkstatt allein.

Liste der Interessenten an einem Fahrrad ist lang

Zu tun gibt es eine Menge: Vom Flocken eines kleinen Lochs im Reifen bis hin zum kompletten Neuaufbau eines alten Drahtesels mit Ersatzteilen. Zudem werden gespendete Räder abgeholt und aufgearbeitet. Die Weitergabe der Bikes an die Bewohner erfolgt kostenfrei, mal gegen ein kleines Entgelt für die nötige Wertschätzung.

Wer als nächstes eine Rad bekommt, ist auf einer ausgehängten Liste notiert. Diese ist mittlerweile auf eine be­achtliche Länge angewachsen. „Fahrräder sind für die Be­wohner durch die Lage hier enorm wichtig“, weiß Dr. Eva Fuchs, Leiterin der Ein­richtung, die Platz für 256 Bewohner bietet, darunter rund 60 Prozent Familien und 40 Prozent Alleinstehende. Fast die Hälfte sind Kinder. Ihre Herkunftsländer sind großteils Syrien, Afghanistan, Eritrea, Irak und Iran.

Zwei Stunden in der Woche reichen selten aus

Jeden Dienstag (15.30 bis 17.30 Uhr) schraubt und bastelt Reinhard Marquardt in der Werkstatt, gern auch gemeinsam mit den Bewohnern. Meist reichen die zwei Stunden gar nicht aus. „Oft gehe ich zusätzlich hin“, sagt er.