Gemüsehof Eggers

Wo echte Vierländer Tomaten wachsen

Tomaten in verschiedenen Formen und Farben: Arne Eggers (36) führt den Betrieb am Ochsenwerder Elbdeich in sechster Generation

Tomaten in verschiedenen Formen und Farben: Arne Eggers (36) führt den Betrieb am Ochsenwerder Elbdeich in sechster Generation

Foto: Florian Büh

Ochsenwerder. Arne und Gabriela Eggers stellen Betrieb für die Zukunft auf. Führungen bei Querbeet.

Ein Frühlingserwachen gibt es kommendes Wochenende auch im Tomatentreibhaus: „Wir öffnen unsere Gewächshaustüren und zeigen einen der modernsten Tomatenanbaubetriebe in Hamburg“, sagt Arne Eggers. Von Hellgrün, Dunkelgrün, über Orange bis Knallrot – viele Farben sind an den Trossen zu sehen. „Im Handel hat sich das Wort Rispe durchgesetzt, Tross sagt heute niemand mehr“, sagt Arne Eggers.

Er allerdings schon: Der 36-Jährige freut sich, dass jede seiner Pflanzen später bis zu 35 Trosse tragen wird. Ihn ärgert jedoch, dass es so gut wie keine ordentlichen Früchte aus der Region mehr im Handel gibt. Er sei der einzige, der hier noch im großen Stil Tomaten anbaue: „Wir haben die ersten Hamburger Tomaten, die schon jetzt in den Handel, die Wochenmärkte und zum Großmarkt gehen.“

Gartenbau als Anhängsel der Landwirtschaft

Der Selbstversorgungsgrad an Tomaten in Deutschland würde nur noch bei etwa neun Prozent liegen, erklärt Sascha Gohl von der Landwirtschaftskammer Hamburg. Das bedeutet: „Mehr als 90 Prozent aller Tomaten, die hier gegessen werden, kommen woanders her“, so Arne Eggers. In anderen Ländern würden Gaspreise subventioniert, damit der Anbau sich lohne. In Deutschland nicht. „Der Gartenbau ist nur noch ein Anhängsel der Landwirtschaft“, sagt Eggers und wird von Sascha Gohl bestärkt: „Der Bio-Anteil bei Lebensmitteln beträgt deutschlandweit nur rund fünf, beim Gemüse etwa sieben Prozent. Aber jeder redet darüber und fordert ‚bio‘ ein.“ Eggers sagt: „Auf dem Kassenlaufband liegt später aber meist etwas anderes. Der Preis zählt. Mehr nicht.“

Tomaten-Setzlinge wachsen auf Matten

Gegen all dies kämpfen Arne Eggers und seine Familie gemeinsam mit drei bis vier Saisonkräften, viel Elan und neuen Ideen an. Im Familienbetrieb wachsen die Tomaten nicht vom Boden nach oben. Dieser würde nach wenigen Anbauperioden ausgelaugt und nur mit vielen chemischen Zusätzen noch genügend Nährstoffe liefern. Bei Eggers wachsen die Tomaten-Setzlinge auf Matten.

Damit die Pflanzen fit bleiben und leckere Früchte produzieren, hat Arne Eggers spezielle Vorrichtungen und Geräte angeschafft: Er misst beispielsweise die Feuchtigkeit über die elektrische Leitfähigkeit des Wassers, den sogenannten EC-Wert, im Substrat seiner später bis zu zwölf Meter langen Pflanzen. Schaut, dass genügend, aber nicht zu viel Wasser und Nährstoffe in den Matten aus Mineralwolle vorhanden sind. „Es geht mir um die Zukunft meiner Kinder. Die sollen etwas übergeben bekommen, wo ich hinter stehen kann“, erklärt er und zeigt auf die Tomatenpflanzen in einem seiner drei großen Gewächshäuser.

Lieber im Gewächshaus schwitzen. als bei Regen auf dem Feld

Früher gab es in dem Betrieb, den Arne Eggers von seinen Eltern übernommen hat, Mischkulturen unter freiem Himmel. Heute nur noch Tomaten unter Glas. „Ich schwitze hier drin lieber bei 30 Grad Celsius als draußen im Regen zu arbeiten“, sagt der 36-Jährige. In sechster Generation wird das Gelände am Ochsenwerder Elbdeich 129 landwirtschaftlich genutzt. Dabei wollte der heutige Chef eigentlich erst Zimmermann werden. „Aber das Handwerk hatte damals keine Zukunft. Dachte man zumindest. Also bin ich doch Gärtner geworden.“

Tomaten reifen noch nach

Gelernt hat er dann beim nicht weit entfernten Demeter-Betrieb Sannmann. Auf der staatlichen Berufsschule wurden ihm althergebrachte Anbaumethoden gelehrt. „So kenne und kann ich heute beides: Bio-Anbau und konventionell. Ich weiß genau um die Grenzen, die Vor- und Nachteile.“ 2005 ging Arne Eggers zur Meisterschule, 2007 vergrößerte er den Betrieb um weitere Gewächshäuser. Sein Credo: „intensivieren statt expandieren“, lebt er seit der Übernahme des Betriebs 2013.

„Auf den Kanaren oder in den Niederlanden, werden die Tomaten oft noch grün geerntet. Denn Tomaten reifen nach. Sie werden rot, ohne dass sie an der Pflanze hängen und Nährstoffe erhalten.“ Dies könne man daran erkennen, dass die Stile am Ende trocken, eingefallen oder braun sind: „Die haben dann deutlich weniger Nährstoffe als unsere Tomaten, die reif-rot geerntet werden“, erklärt Arne Eggers, bei dem es neben der echten Vierländer Tomate noch einige weitere Tomatensorten gibt , „die mithilfe modernster Computertechnik umwelt- und ressourcenschonend produziert werden“, sagt Arne Eggers.

Am Querbeet-Wochenende können Tomaten am Ochsenwerder Elbdeich 129 probiert und auch gekauft werden. Am Sonntag, 28. April, gibt es zwischen 14 und 16 Uhr kostenlose Führungen. Interessierte melden sich vorab per E-Mail an: info@eggers-gemuesehof.de.