Unfall

„Sie ist nie wieder auf die Beine gekommen“

Britta Josenhans sammelt nun sämtliche Dokumente zum Unfall und Krankenhausaufenthalt ihrer Tante.

Britta Josenhans sammelt nun sämtliche Dokumente zum Unfall und Krankenhausaufenthalt ihrer Tante.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Neuengamme. Während Rückfahrt von der Dialyse kippte 79-Jährige im Transportfahrzeug mit dem Rollstuhl um. Drei Monate später ist sie tot.

Neuengamme. Es sollte eigentlich eine Fahrt werden, wie Anni Meyer sie schon viele Male unternommen hatte: Kurz nach Weihnachten sollte es von der Dialyse in Geesthacht wieder nach Hause an den Kiebitzdeich gehen. Doch dort kam sie nicht an. Nie mehr.

In der Auffahrt zur Autobahn kippte sie mit dem Rollstuhl im Transport-Fahrzeug um, brach sich dabei vier Rippen und das Schlüsselbein (wir berichteten). Das Krankenhaus konnte sie nicht mehr verlassen. Mitte März verstarb die Neuengammerin im Alter von 79 Jahren. „Sie ist nie wieder auf die Beine gekommen“, sagt Britta Josenhans, die Nichte der Verstorbenen.

Anwalt widerspricht Vorwürfen: „Rollstuhl war fixiert“

Die 41-Jährige kämpft für ihren Onkel Erich Meyer, den Witwer, um Schmerzensgeld und Schadenersatz, ebenso hat sie einen Anwalt eingeschaltet. „Für uns ist das fahrlässige Tötung“, sagt Britta Josenhans. Sie ist überzeugt davon, dass ihre Tante während des Transports nicht gesichert war. Nur so sei ein Umkippen des Rollstuhls möglich gewesen.

Dem widerspricht Axel Borowiak, der Anwalt des Hamburger Transportunternehmens: Der Rollstuhl sei mit vier Gurten fixiert, Anni Meyer mit einem Bauchgurt gesichert gewesen. Ein entsprechender Vermerk tauche auch in der Polizeiakte zum Unfall nicht auf. Darin sei auch nur von „leichten Verletzungen“ geschrieben worden.

79-Jährige war Mittelpunkt der Familie

„So etwas darf nicht passieren“, hält Britta Josenhans an ihrer Kritik fest. Es sei ein Unfall gewesen, der einfach zu vermeiden gewesen wäre. Zumal ihre Tante zuvor nur für Transporte auf den Rollstuhl angewiesen war, sich zu Hause noch zu Fuß fortbewegte, kochte und den Haushalt bewältigte.

Die 79-Jährige hinterlässt neben ihrem Ehemann auch vier Enkel und vier Urenkel. „Sie war der Mittelpunkt der Familie“, sagt Britta Josenhans.

Familie klagt an: Transport-Firma hat sich nie gemeldet

Nach dem Unfall sei ihre Tante diverse Male verlegt worden, von der Intensivstation auf die Geriatrie, von Geesthacht nach Bergedorf und auch nach Reinbek. Am Ende sei sie gar nicht mehr zu sich gekommen.

„Sie hat noch gewartet, bis die letzte Enkelin da war. Eine halbe Stunde später ist sie gestorben“, erzählt Gerd Josenhans vom Tod seiner Schwägerin.

Die Angehörigen der Verstorbenen sind enttäuscht, dass die Transportfirma seit dem Unfall – obwohl angekündigt – keinen Kontakt zu ihrer Tante oder Familie aufgenommen habe: „Dass sie gar keine Reaktion zeigen, ist erschütternd“, sagt Britta Josenhans.

Staatsanwaltschaft entscheidet über Anklageerhebung

Seine Mandantin sei bei der Kontaktaufnahme über das Krankenhaus gescheitert, ebenso sei der Eindruck entstanden, dass der Kontakt von der Familie der Patientin nicht erwünscht gewesen sei, hält Rechtsanwalt Axel Borowiak dem entgegen. Vom Tod der Patientin habe man erst durch unsere Zeitung erfahren.

Ob eine Anklage gegen das Transport-Unternehmen erhoben wird, entscheidet die Staatsanwaltschaft in Lübeck.