Stadtwerkstatt

Dorf Moorfleet erhalten und gleichzeitig Gewerbe entwickeln

Foto: Sebastian Bresser / Bezirksamt Bergedorf

Moorfleet. Eine Stadtwerkstatt soll im April starten. Hamburg fordert Zugriff auf einen Teil der Wiesen.

Eigentlich liegt das Dorf Moorfleet an der völlig falschen Stelle. Wer auf der A 1 oder der Andreas-Meyer-Straße unterwegs ist, wundert sich, wie gleich neben dem riesigen Industriegebiet Billbrook und gar nicht weit vom Hamburger Zentrum so etwas erhalten bleiben konnte: ein Dorfkern samt ländlicher Kirche, gemütlicher Deichstraße und Wiesen drumherum.

Alle Bürger, Vereine und Politik sollen mitmachen

Tatsächlich wurde das 1331 erstmals erwähnte Moorfleet schon vor gut 100 Jahren von der Industrie der Stadt eingeholt – und ist seit dem Bau der Autobahn Ende der 1950er-Jahre buchstäblich von den Marschlanden abgeschnitten. Doch Moorfleet soll (über-)leben. Nach jahrelanger Verzögerung hat der Stadtentwicklungsausschusses am Mittwoch endlich die Stadtwerkstatt Moorfleet auf den Weg gebracht, bei der alle Bürger sowie örtlichen Vereine und Verbände zusammen mit den Behörden und der Politik eine Zukunft für ihr Dorf erarbeiten sollen.

Auftakt im April, weiter nach den Wahlen

Im April wird es nach dem einstimmigen Beschluss im Ausschuss die Auftaktveranstaltung geben. Nach einem Monat Pause, um die Stadtwerkstatt nicht in den heißen Wahlkampf der Bezirkswahl am 26. Mai zu ziehen, starten dann im Juni die Folge-Termine der Stadtwerkstatt, in denen bis Jahresende, vermutlich sogar Anfang 2020, inhaltlich gearbeitet wird. Konkret sollen die Entwicklungsziele für drei separate Planungsräume festgelegt werden: zunächst den eigentlichen Ortskern zwischen A 1, altem Holzhafen und Andreas-Meyer-Straße, als Zweites den Korridor beiderseits des Moorfleeter Deichs nach Tiefstack und schließlich die Felder der Moorfleeter Wanne.

Während es sich auf den ersten beiden Flächen um den Erhalt und Ausbau der dörflichen Strukturen drehen dürfte, geht es bei der Moorfleeter Wanne darum, wie den seit Jahrzehnten bestehenden Hamburger Wünschen auf Umwidmung zum Gewerbegebiet so entsprochen wird, dass das zum Dorf passt.

Gesamtstädtisches Interesse an einer Umnutzung

„Es ist ein offenes Geheimnis: Hier gibt es ein gesamtstädtisches Interesse an einer entsprechenden Umnutzung“, sagte Bergedorfs Baudezernent Uwe Czaplenski im Stadtentwicklungsausschuss. „Das werden wir mit den Teilnehmern der Stadtwerkstatt offen diskutieren, ebenso wie den aktuellen Stand der Giftfahnen des benachbarten Ex-Boehringer-Geländes.“

Offen ist noch, ob möglicherweise auch das Areal des benachbarten Naturschutzgebiets Holzhafen in die Beratungen einbezogen werden. „Die Stadtwerkstatt ist frei, den Rahmen so weit auszudehnen“, sagte Czaplenski.