Kirchwerder

Altes Müllerhandwerk ist nun ein Kulturerbe

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Thomas Heyen
Axel Strunge freut sich über die Auszeichnung.

Axel Strunge freut sich über die Auszeichnung.

Foto: Thomas Heyen

Kirchwerder. Prädikat für die Riepenburger Mühle – Betreiberverein sucht dringend Verstärkung.

Kirchwerder.  Die Mitglieder des Vereins Riepenburger Mühle kümmern sich um den Erhalt der ältesten und größten erhaltenen Kornwindmühle Hamburgs. Genauso am Herzen wie der 1828 erbaute Galerie-Holländer selbst liegt der Gruppe um den Vereinsvorsitzenden Axel Strunge das traditionsreiche, historische Müller-Handwerk. Deshalb sind die Mühlen-Freunde – knapp ein Dutzend Ehrenamtliche – froh über den Titel des „Immateriellen Kulturerbes“, den das klassische Müller-Handwerk von der deutschen Unesco-Kommission nun verliehen bekommen hat.

Der Beruf des Müllers ist einer der ältesten der Welt. Doch er droht auszusterben. „Inzwischen heißt es Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Getreidewirtschaft“, erklärt Strunge. Denn die Auszubildenden erwerben Kenntnisse, die auf einen Industriebetrieb ausgerichtet sind. Strunge: „Das Arbeiten mit Wind- und Wasserkraft sowie mit traditionellen Mahlverfahren, etwa mit Mühlsteinen, sind heute im Lehrplan nicht mehr zu finden.“

Handwerk kann nur in 50 Mühlen erlernt werden

Das Erlernen derartiger Techniken erfolge nur noch in einigen Handwerksmühlen, die sich der Tradition verpflichtet fühlen. Bundesweit würden noch ungefähr 50 Mühlen von ehemals etwa 50.000 die Antriebstechniken Wind- oder Wasserkraft nutzen und das traditionelle Müllerhandwerk am Leben halten.

Die meisten dieser Handwerksmühlen sind im Verein Die Müllergilde zusammengeschlossen. Dieser wurde vor knapp zwei Jahren gegründet, Strunge zählt zu den Mitgründern. Der Erhalt des Handwerks ist auch das Ziel der Müllergilde. Für die Bewerbung zum Kulturerbe konnte sie bundesweit etwa 50 produzierende Mühlen gewinnen – gewerbliche Betriebe ebenso wie ehrenamtlich betriebene Wind- und Wassermühlen, wie die in Kirchwerder, aber auch die von Sanssouci. Der Unesco-Titel ist eine Würdigung des Engagements, eine finanzielle Förderung beinhaltet der Titel nicht.

Der Bergedorfer Strunge (50) und seine Vereinskameraden produzieren in der Riepenburger Mühle Öle und Mehle in Kleinstmengen. „Wir betreiben hier keine Folkloremühle“, sagt Strunge, der im Hauptberuf Schiffsmeister bei der Hamburger Hafen und Logistik AG ist. Vor allem im Winter wird Mehl gemahlen: „Dann drehen sich die Flügel besonders gut.“

700-Jahr-Feier konnte nicht gestemmt werden

Die Müllergilde bemüht sich weiter um Anerkennung. „Nach dem Prädikat auf Bundesebene beantragen wir das Weltkulturerbe der Unesco machen“, sagt Strunge.

Die Riepenburger Mühle wurde im Jahr 1318, also vor exakt 700 Jahren, erstmals urkundlich erwähnt, ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit noch älter. „Die erste Mühle entstand vermutlich im Zuge der Erbauung der Riepenburg, einem befestigten Schloss am Elbdeich, im Jahr 1246“, sagt Strunge. Vor dem Bau der heutigen Mühle gab es am Standort drei Bockwindmühlen. Die Neubauten entstanden 1683, 1765 und 1828, weil der jeweilige Vorgänger marode war. „Seit 700 Jahren haben wir hier einen durchgehenden Mahlbetrieb.“

Eine Jubiläumsfeier in diesem Jahr hat es jedoch nicht gegeben: „Wir haben nicht genug Manpower, brauchen – auch für Führungen, Wartungsarbeiten und Betrieb – Verstärkung.“

Weitere Infos: www.muellergilde.de; www.riepenburger-muehle.com