Langstreckenflieger

Ochsenwerder Twiete: Naturschutzbund beringt 79 Mauersegler

Marco Sommerfeld vom Nabu mit einem frisch beringten Alttier.

Marco Sommerfeld vom Nabu mit einem frisch beringten Alttier.

Foto: Thomas Heyen

Ochsenwerder. Naturschützer kennzeichnen Vögel – Hausherr Rick Weselmann (26) packt tatkräftig mit an.

Ochsenwerder.  Mauersegler lagen Werner Weselmann sehr am Herzen. An seinem Haus an der Ochsenwerder Twiete hat der Naturfreund eine der größten Mauerseglerkolonien Hamburgs geschaffen. Im März vergangenen Jahres starb Werner Weselmann. Doch sein Erbe lebt weiter. Denn Weselmanns Enkel Rick ist ebenfalls ein großer Fan dieser kleinen Flugkünstler. Er wohnt mit seiner Familie in dem Haus seines Großvaters. Gestern holte er zahlreiche Mauersegler aus den 90 Nistkästen, die unter dem Dachvorsprung befestigt sind – zum ersten Mal. „Das ist aufregend“, sagt der 26-Jährige. Er half zehn Experten vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) dabei, die Langstreckenzieher zu beringen.

Vögel ähneln den Schwalben

Die kleinen, den Schwalben ähnelnden Vögel aus der Familie der Segler leben seit Anfang der 2000er-Jahre am Hause Weselmann. „Im Laufe der Jahre hat mein Großvater immer mehr Nistkästen angebracht“, sagt der Enkel. „Ich habe ihm häufig dabei geholfen.“ Der Nabu beringt die Vögel an der Ochsenwerder Twiete seit vier Jahren.

Behutsam aus dem Häuschen

Die Tiere werden behutsam aus den Holzhäuschen genommen und in Stoffbeutel gelegt. Geübte Beringer wie Joachim Horstkotte vom Nabu, Sven Baumung von der Umweltbehörde und Henning Kunze von der Karl-Kaus-Stiftung befestigen winzige Aluringe an den kurzen Beinen der Vögel. Die Naturschützer notieren Ringnummer, Größe, Gewicht und Alter der Vögel, die Flügellänge und die Nistkastennummer.

Am Nachmittag endete die Beringungsaktion. Die Bilanz: 42 Kästen waren besetzt. In 37 der Holzkästen gab es Nachwuchs (ein bis drei Jungtiere), in fünf Vogelhäuschen lebten Singles oder Paare ohne Nachwuchs. Besonders beliebt unter den Vögeln sind die Nistkästen an der Vorderseite des Hauses: Bis auf einen waren alle belegt.

Nur acht Altvögel

Von den rund 150 Vögeln konnten 84 gefangen werden. „Fünf von ihnen waren schon beringt“ sagt Marco Sommerfeld, Nabu-Referent für Vogelschutz. Unter den 79 Mauerseglern, die gestern beringt wurden, befanden sich acht Altvögel. „Die meisten Altvögel waren unterwegs, um Insekten zu fangen“, sagt Sommerfeld. Deshalb wollen die Nabu-Aktiven im kommenden Jahr abends anrücken: „Dann sind auch die Altvögel in ihren Behausungen“, sagt der 46-Jährige.

2017 wurden weniger Jungvögel beringt: „Viele waren zu klein“, sagt Sommerfeld.

Vögel werden über 20 Jahre alt

Mauersegler sind nach gut 40 Tagen flügge. Ende Juli/Anfang August fliegen sie nach Afrika, wo sie auch im Winter genug Insekten fangen. In dieser Zeit sind sie nur in der Luft – auch während des Schlafs. „Nach drei Jahren kehren viele von ihnen in ihre Quartiere zurück, manche sogar in denselben Nistkasten“, sagt Sommerfeld. Danach verbringen die standorttreuen Vögel die Zeit von Mai bis Juli hier und fliegen dann wieder im Schwarm nach Afrika. Bei beringten Mauerseglern konnte ein Alter von mehr als 20 Jahren nachgewiesen werden.

Die Vogelfreunde sind zufrieden: „Es ist das zweitbeste Jahr: Nur 2015 konnten wir mehr Mauersegler beringen, nämlich 89 Tiere“, sagt Sommerfeld. Insgesamt 275 „Weselmann-Mauersegler“ konnten bislang gekennzeichnet werden. Rick Weselmann freut sich auf die letzten Tage mit seinen gefiederten Freunden in diesem Sommer: „Sie werden mir fehlen.“