Repowering

Windkraft: Kritik an Fundamentresten im Boden

 Repowering in Neuengamme: Ein neues Windrad wird montiert.

Repowering in Neuengamme: Ein neues Windrad wird montiert.

Foto: Clara Franke

Bergedorf. Der Abbau der Altanlagen beim Repowering werde nicht umweltgerecht durchgeführt, meint Reiner Böttcher.

Bergedorf.  Reiner Böttcher, ehemaliger Mitarbeiter des Umweltministeriums in Kiel, fordert seinen früheren Arbeitgeber dazu auf, die landwirtschaftliche Nutzung im näheren Bereich von Windrädern einzustellen. Böttcher hält die Belastung des Trinkwassers für unverantwortlich. „Das ist ein generelles Problem, das gibt es auch in Hamburg“, sagt das Mitglied der Bürgerinitiative Bredenbek, die sich für Höhen- und Abstandsbegrenzungen bei Windrädern engagiert.

Das Problem sei das Ersetzen alter Anlagen durch neue (Repowering). Denn bei den Altanlagen werden die Tiefenfundamente, die Pfähle, die mit den Flächenfundamenten verankert sind, in der Regel nicht aus dem Boden geholt – oft sind es Dutzende pro Anlage mit je rund einem Meter Durchmesser. „Diese Pfähle reichen oft 15 Meter tief in das Erdreich, durchstoßen zwei bis drei Trennschichten aus Ton und Lehm“, sagt Böttcher.

Belastetes Wasser gelange schneller nach unten

Belastetes Oberflächenwasser sickere entlang der Pfeiler schneller in die Tiefe. Böttcher: „Durch die Pfähle gelangt das Wasser um Jahre schneller in die Bereiche, in denen das Grundwasser lagert.“ Regenwasser, das sich mit Gülle und Pflanzenschutzmitteln vermischt, transportiere Pestizide, Nitrat und andere Giftstoffe entlang des Betons in die Tiefe. In Hessen sei deshalb beim Bau von einigen Windrädern auf Tiefenfundamente verzichtet worden, weiß Böttcher.

Alle Fundamente seien nach Meinung des Windkraft-Kritikers beim Rückbau restlos zu entfernen: „So steht es auch im Bundesbaugesetz.“ Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein hält dagegen einen Rückbau bis einen Meter unter Flur für ausreichend. Und Björn Marzahn, Sprecher der Behörde für Umwelt und Energie, meint: „Heute ist nach Bundesimmissionsschutz-Gesetz ein Rückbau bis in eine Tiefe von 2,5 Meter gefordert. Wenn noch Gründungspfähle im Boden sind, können die ab einer Tiefe von 2,5 Metern bleiben.“ Böttcher hält dies für „freie Interpretation des Gesetzes“.

Der Bredenbeker wundert sich über Landwirte, die nicht auf einen Komplett-Rückbau pochen: „Sie bleiben womöglich auf den Kosten sitzen. Ihnen ist wohl nicht bewusst, worauf sie sich einlassen.“

Folgen des Repowering noch nicht bekannt

Tobias Langguth vom BUND-Landesverband Schleswig-Holstein gibt Böttcher insofern recht, dass es sich oft um sensible Böden ehemaliger Moorflächen handelt. Der Boden unterhalb versiegelter Flächen sterbe, auch in kleinflächigen Bereichen. Langguth denkt allerdings eher an Mikroorganismen, die vor allem in den oberen Erdschichten leben. „Bisher gibt es noch keine Untersuchungen, sind keine Folgen des Repowering bekannt“, sagt Langguth.

In Schleswig-Holstein würden oft auch Teile des Flächenfundaments im Boden gelassen. „Da geht es oft um Flächen von 750 Quadratmetern“, sagt Böttcher. Dieses Problem sei ihm in Hamburg (64 Windräder) nicht bekannt, sagt Umweltbehördensprecher Marzahn.

Auch Klaus Soltau von der NET Windenergie GmbH in Bergedorf weiß nichts von zurückgelassenen Flächenfundamenten: Von allen 16 bisher rückgebauten Altanlagen in den Vier- und Marschlanden (derzeit 29 Anlagen) gebe es keine Überbleibsel, die Tiefenfundamente ausgenommen. „Die Grundeigentümer schließen mit den Anlagenbetreibern entsprechende Verträge ab“, sagt Soltau. Der Rückbau der Flächenfundamente sei zudem eine Auflage des Bauamtes. Er könne sich kaum vorstellen, dass die Situation in Schleswig-Holstein grundlegend anders sei.