JVA-Häftling

Noch zwei Jahre: Brandstifter bleibt im Gefängnis

In seiner Zelle in der JVA Billwerder legte der Häftling im Mai vergangenen Jahres Feuer – und gefährdete damit auch die Leben von weiteren Gefangenen und Mitarbeitern des Gefängnisses.

In seiner Zelle in der JVA Billwerder legte der Häftling im Mai vergangenen Jahres Feuer – und gefährdete damit auch die Leben von weiteren Gefangenen und Mitarbeitern des Gefängnisses.

Foto: BGZ / Wiebke Schwirten

Billwerder/Bergedorf. Afghane (24) wird zu zwei weiteren Jahren verurteilt – Dem Brandstifter und Schläger droht die Abschiebung

Billwerder/Bergedorf.  Der Angeklagte habe seine Interessen über die Sicherheit anderer gestellt: Richter Kemper und seine beiden Schöffinnen verurteilten Amir Breshna* deshalb gestern im Amtsgericht an der Ernst-­Mantius­-Straße wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und schwerer Brandstiftung zu zwei Jahren Gefängnis ohne Bewährung. Diese Strafe hatte Staatsanwalt Trautmann, der dem Angeklagten „Kalkül“ vorwarf, auch gefordert. Der Afghane hatte am 30. Mai 2017 gegen 12.40 Uhr in dem von ihm bewohnten Haftraum in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Billwerder seine Bettwäsche angezündet – und damit den größten Brand in der Geschichte der 15 Jahre alten JVA entfacht. Der 24-Jährige sollte am Tag darauf abgeschoben werden (wir berichteten).

„Eigentlich eine Schande“

Breshnas Entwicklung seit seiner Flucht nach Deutschland 2011 sei „eigentlich eine Schande“, sagte der Richter: „Sie haben einen Hochschulabschluss, angefangen zu studieren und sprechen sehr gut Deutsch. Jemandem wie ihnen standen alle Möglichkeiten offen.“ Doch die Richter hatten nicht das Gefühl, dass der Angeklagte seine Taten tatsächlich bereue. Er sei verzweifelt und deshalb nur vermindert schuldfähig gewesen, als er das Feuer legte, „die Strafe hätte sonst um einiges höher ausfallen können“, betonte der Richter.

Ex-Freundin krankenhausreif geschlagen

Der Afghane war 2016 wegen gefährlicher Körperverletzung, mehrfacher Bedrohung, Nötigung, Beleidigung und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz in sieben Fällen zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte seine Ex-Freundin krankenhausreif geschlagen, zuvor Psychoterror auf sie ausgeübt. Die Frau musste danach aus ihrer Wohnung ausziehen, war lange krankgeschrieben, benötigte psychologische Betreuung.

Breshnas Pflichtverteidiger Dr. Shahryar Ebrahim-Nesbat hatte für eine Bewährungsstrafe plädiert. Er betonte, dass Breshnas „Steuerungsfähigkeit eingeschränkt“ war: „Inwieweit kann gesetzestreues Verhalten in so einer Situation erwartet werden? Ein verzweifelter Mensch handelt nicht kalkuliert.“ Der Anwalt überlegt nun, in Berufung zu gehen. In jedem Fall möchte er seinem Klienten einen auf Aufenthaltsrecht spezialisierten Anwalt von Pro Asyl vermitteln. Der 24-Jährige müsse damit rechnen, abgeschoben zu werden, bevor er zwei Drittel seiner Haftstrafe verbüßt hat.

Keine Zweifel an Repressalien

Von entscheidender Bedeutung können für den Strafgefangenen Dokumente sein, über die sein Anwalt nach eigener Auskunft verfüge. Sie könnten beweisen, dass der Vater von Breshna in Afghanistan mit den US-Militärs zusammenarbeitete und auch der 24-Jährige deshalb von den Taliban bedroht werde. An diesen Aussagen des Angeklagten hatten auch die Richter „keine Zweifel“, die ihm „viel persönliches Leid in Afghanistan“ attestierten.

*Name geändert