Projekt

Wo in Curslack das Geld an den Bäumen hängt

| Lesedauer: 3 Minuten
Lena Diekmann
Haben ihre eigene Schorle: Die Mitarbeiter Samuel Wolter (33, links) und Simon Riedel (28) geben der Marke ein Gesicht. Sie sind auf den Etiketten der neuen Schorlen abgebildet.

Haben ihre eigene Schorle: Die Mitarbeiter Samuel Wolter (33, links) und Simon Riedel (28) geben der Marke ein Gesicht. Sie sind auf den Etiketten der neuen Schorlen abgebildet.

Foto: Lena Diekmann / BGZ

Curslack. 80 Apfelbäume am Wasserwerk gepflanzt. Die Früchte sollen zu Apfelsaft werden. Menschen mit Handicap finden Arbeit.

Curslack.  Als Jan Schierhorn vor gut sieben Jahren unter seinem Apfelbaum in Groß Borstel stand, war ihm klar: „Da hängen so viele Äpfel dran, die können wir nicht mal mit einer fünfköpfigen Familie alle selbst essen.“ Doch was sollte er mit all den Äpfeln anfangen? Zu schade wäre es doch, wenn sie einfach auf dem Kompost vergammeln. Da schoss dem heute 48 Jahre alten Marketing-Fachmann plötzlich eine Idee in den Kopf: „Das Geld hängt an den Bäumen.“ So war nicht nur die Idee für das Projekt, sondern auch dessen Name geboren. Denn die vielen ungenutzten Ressourcen, die längst nicht nur in Jan Schierhorns Garten am Baum hängen, könnten doch sinnvoll genutzt werden.

Seitdem wird aus den Äpfeln nicht nur Saft gepresst – 9000 Flaschen waren es gleich im ersten Jahr –, sondern vor allem Arbeitsplätze geschaffen für Menschen mit Handicap, die es sonst auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer hätten – ob Autist, lernverzögert oder depressiv.

39 Tonnen Obst geerntet

Insgesamt 14 Mitarbeiter sind mittlerweile bei „Das Geld hängt an den Bäumen“ angestellt. Gut 39 Tonnen Obst wurden im vergangenen Jahr auf Streuobstwiesen oder Gärten in Hamburg und Umgebung geerntet. Etwa 39 000 Liter naturtrüber Apfelsaft, Mischsäfte mit Rhabarber, Birne, Holunder und Johannisbeere oder als Schorle wurden daraus ohne Zusatzstoffe gepresst.

Um das Projekt langfristig für die Zukunft zu rüsten, soll in einigen Jahren auch in Curslack fleißig geerntet werden. Auf dem Gelände von Hamburg Wasser am Wasserwerk Curslack wurden nun 80 Apfelbäumchen auf Hoch- und Halbstämmen gepflanzt. Darunter viele regionale Sorten wie „Juwel“ aus Kirchwerder oder der „Wohlschmecker“ aus Vierlanden.

„Ein ganz tolles Projekt“, sagt André Nickels, Wassermeister vom Wasserwerk Curslack. Bei einer Konferenz in der Behörde für Umwelt und Energie (BUE) kam er das erste Mal in den Genuss der Schorlen. Und war sogleich angetan von ihnen. Das Pflanzen der Apfelbäume auf dem Gelände des Wasserwerkes sei ein Pilotprojekt. Doch es gebe noch viel Potenzial: „Wir haben noch viele Flächen, die brach liegen und so genutzt werden könnten“, sagt Nickels.

Privatleute und Firmen als Kunden

Bisher werden die Flaschen vornehmlich an Privatpersonen oder Unternehmen verkauft. „Auch im Gastronomiebereich würden wir gern bekannter werden“, sagt Mitarbeiterin Nancy Menk.

Neu auf dem Markt sind die Schorlen, für die die Mitarbeiter im Herbst nicht nur fleißig Obst pflücken und die gefüllten Flaschen ausliefern, sondern ihnen auch ein Gesicht geben. Mit ihrem Konterfei sind Simon Riedel (28) und Samuel Wolter auf den Flaschen abgebildet. „Das ist schon sensationell“, sagt Wolter, der seit 2012 dabei ist. „Hier gibt es gar nicht die Chance, keinen Bock zu haben, weil die Arbeit so vielfältig ist.“

Wachsende Persönlichkeit „ist der Kick“

Für den Gründer des Projekts, das auch mit fördern & wohnen in Sachsenwaldau oder dem Projekt „isa“ der Evangelischen Stiftung Alsterdorf kooperiert, ist es vor allem die Entwicklung seiner Mitarbeiter, die ihm Freude macht: „Viele rufen nur 20 bis 30 Prozent ihres Potenzials ab. Sie in ihrer Persönlichkeit wachsen zu sehen, das ist der Kick“, sagt Schierhorn.

Weitere Infos und Bezug der Säfte über die Internetseite www.dasgeldhaengtandenbaeumen.de.