Deichschafe

Im Winter mähen sie Wiesen und Weiden

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Thomas Heyen
Im Winter sind die Deichschafe der Vier- und Marschlande bei Bauern zu Gast.

Im Winter sind die Deichschafe der Vier- und Marschlande bei Bauern zu Gast.

Foto: Thomas Heyen

Neuengamme. Im Sommer sind die Schafe nicht von den Deichen wegzudenken. In den Wintermonaten sind sie bei Bauern zu Gast.

Neuengamme.  . In den Sommermonaten sind sie nicht aus dem Bild der Vier- und Marschlande wegzudenken: die Deichschafe. Doch nun sind die Tiere von Volker Derbisz (50) längst aus der Elblandschaft verschwunden. Aber was machen die wolligen Vierbeiner in den kalten Wintermonaten? Auf den Schäferhöfen in Neuengamme und Spadenland halten sich nur wenige Tiere auf. „Die Schafe sind jetzt auf den Weiden und Wiesen diverser Landwirte, fressen dort das Wintergras“, sagt der Deichschäfer.

Nachgrasen bei Landwirten

Von dem sogenannten Nachgrasen profitieren sowohl der Schäfer als auch die Landwirte: Die Tiere fressen sich satt und der „Rasen ist gemäht“. Doch eine ruhige Kugel können Derbisz und seine Mitarbeiter trotzdem nicht schieben: Alle paar Tage wird jede Herde umgeweidet. Dann müssen auch die Elektrozäune ab- und wieder aufgebaut werden, die die Tiere im Zaum halten und gleichzeitig vor Eindringlingen schützen.

Vor einem Jahr sah der Deichschäfer an der Landesgrenze zu Geesthacht einen Wolf. „Der war wohl auf der Durchreise, denn es gab meines Wissens keine weiteren Sichtungen“, sagt der 50-Jährige.

Auf seinem Haupthof am Neuengammer Hauptdeich hält Derbisz einige Dutzend Schafe in einem Folientunnel – vor allem junge Zuchtböcke. Sie werden besonders geschont und gut ernährt, damit sie bei der nächsten Auktion in Husum viel Geld bringen. Derbisz verkauft und kauft dort regelmäßig Schafe. Im August brachte ein besonders kräftiger und schöner Lammbock aus Derbisz’ Zucht dort 1600 Euro – den höchsten Preis bei der Versteigerung überhaupt. Der Schäfer verkaufte insgesamt 34 Böcke.

Nachwuchs kommt im Frühjahr

Früher brachten Derbisz’ Schafe ganzjährig Lämmer zur Welt. Mittlerweile steuert der Deichschäfer das Lammen. Der Nachwuchs kommt nun in der Regel in der Zeit von Februar bis Mai zur Welt. Dies ist für den Schäfer, der „mehrere Hundert Tiere“ besitzt, einfacher zu steuern. Im Herbst verkauft er dann die meisten Lämmer an Händler. Zuvor grasen sie gemeinsam mit den Muttertieren in großen Herden auf dem Hauptdeich. Fast der gesamte Nachwuchs landet am Ende auf Schlachthöfen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Nur wenige Lämmer behält Derbisz für die Zucht.

Offiziell sind die Schafe jedes Jahr zwischen dem 1. April und dem 30. September als „Rasenmäher“ auf dem Deich im Einsatz. „Je nach Wetter sind die Herden auch mal ein paar Tage früher oder später unterwegs“, sagt Derbisz. Seine Tiere halten den Deich zwischen Altengamme und Kalte­hofe in Schuss – auf insgesamt 35 Kilometern.

Eine Herde zieht durchs Naturschutzgebiet

Eine Herde ist in der warmen Jahreszeit im Naturschutzgebiet Boberg unterwegs. Sie wird dann von einem Schäfer aus Derbisz’ Team und einigen seiner insgesamt sechs Hütehunde ständig betreut. Der 50-Jährige beschäftigt zwei Vollzeitkräfte.

Die Schafe sind einmal im Jahr zum Scheren, Klauen schneiden und Impfen auf den Schäferhöfen. Etwa sechs Wochen dauert es, bis alle Tiere behandelt worden sind. Auf dem Haupthof in Neuengamme, der auch von dem Schäfer und seiner Frau bewohnt wird, gibt es nicht nur Schafe: Derbisz hält dort auch Hühner und vier Esel, darunter ein Eselfohlen, das vor knapp vier Monaten geboren wurde.