Moorfleet.

Die jungen Hausretter vom Moorfleeter Deich

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Lena Diekmann

Jugendbauhütte Hamburg Erster Jahrgang ist seit September im Einsatz

Moorfleet. Es war windschief, verlassen und dem Abriss geweiht: Nun ist wieder Leben im Hufnerhaus am Moorfleeter Deich eingekehrt. Im September ist der erste Jahrgang der Jugendbauhütte Hamburg gestartet. Unter Anleitung von Zimmermann Nicolas Ostermann wird seitdem fleißig gearbeitet.

Oberste Priorität hat nun erstmal das Dach: Das Reet war schon an vielen Stellen faulig und wurde entfernt. Auch die dicken Balken im Dachstuhl hatten an vielen Stellen eine dringende Erneuerung nötig. „Bis Weihnachten soll das neue Reet gedeckt sein“, sagt Nicolas Ostermann. Der Zimmermann hat die handwerkliche Leitung der Jugendbauhütte übernommen, die mit einem kleinen Jahrgang gestartet ist: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, damit sich alles einspielen kann. In den nächsten Jahren sollen es dann 20 bis 25 Freiwillige pro Jahrgang werden“, sagt Ulrich Mumm von der Jugendbauhütte.

Tom Scriba, Igor Yoshchinko, Jan-Niklas Kobensen und Lars Feddern absolvieren nun ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege, mit dabei ist auch Boris Homblet aus Belgien, der ein Praktikum bei der Jugendbauhütte macht. „Ich könnte mir vorstellen, etwas in Richtung Architektur zu machen und kann hier Einblicke gewinnen“, sagt Jan-Niklas Kobensen, der für die Jugendbauhütte aus Bocholt nach Hamburg gezogen ist. Der 19-Jährige wohnt gemeinsam mit Tom Scriba (17) und Igor Yoshchinko (24) in einer Wohngemeinschaft der Jugendbauhütte in Hummelsbüttel – sie soll in Zukunft näher nach Moorfleet ziehen.

In letzter Sekunde hatte ein Initiativkreis engagierter Denkmalschützer im vergangenen Herbst die Jugendbauhütte gegründet und das Haus gekauft. Gerade noch rechtzeitig konnte eine Notsicherung des Daches durchgeführt werden. Ohne diese hätte das Haus den Winter 2015 wohl nicht mehr überstanden.

Doch der Erhalt und Sanierung des alten Hauses – die ältesten Teile stammen aus dem Jahr 1547 – kosten viel Geld. Etwa 200 000 Euro müssen pro Jahr für das Material, Arbeitskräfte und Betriebskosten generiert werden, schätzt Ulrich Mumm von der Jugendbauhütte. Dabei sind die „Hausretter“ auf Spenden angewiesen. Eine Finanzspritze gab es nun von der Interhyp-Initiative, die 500 Euro zur Rettung des Hauses beisteuerte. „Auch die Hubertus Wald Stiftung möchte fördern, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz will sich anschließen“, sagt Ulrich Mumm.

Weitere Unterstützer sind stets willkommen – und können sich auch gern auf dem Gelände am Moorfleeter Deich 483 umsehen. Beim Tag des offenen Denkmals nutzten schon etwa 300 Besucher die Gelegenheit, um dem Haus, das als eines der ältesten Bauernhäuser der Stadt gilt, einen Besuch abzustatten.

Mit den Arbeiten lässt sich die Jugendbauhütte Zeit: Jede Farbschicht, jede Tapete und jedes Fenster wird von Experten untersucht, um möglichst viel von den Original-Materialien zu erhalten und den jungen Leuten ein Gespür für die Geschichte des Bauwerks zu vermitteln. „In zehn bis zwölf Jahren sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann soll hier ein Zentrum für Baukultur und Jugend entstehen“, sagt Ulrich Mumm.