Expansion in Silber und Gold

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Von Lena Diekmann

Allermöhe.
Von außen sieht das Gebäude mit seinen blauen Fenstern und grauer Fassade eher unscheinbar aus. Doch innen werden Strategien für Träume in Silber und Gold für Frauen im ganzen Land erarbeitet und gelenkt: Seit 2008 hat die dänische Schmuckkette Pandora ihre Westeuropa-Zentrale in Allermöhe. Von hier aus werden die Märkte in ganz Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden gesteuert. Und die Zeichen stehen voll auf Expansion.

In diesem Jahr eröffnet Pandora 80 neue Concept Stores in Deutschland und verdoppelt damit bis Ende des Jahres sein Filialnetz auf über 150 eigene Geschäfte. Hinzu kommen knapp 2500 Verkaufsstellen in Kaufhäusern und bei Juwelieren. "Das Jahr 2015 ist für uns gekennzeichnet von einer starken Expansionspolitik", sagt Niels Møller, Chef der Pandora-Zentrale in Allermöhe. Der Däne, der zuvor bereits Möbel und Süßwaren an die Kunden gebracht hat, kam vor zweieinhalb Jahren zur Pandora-Zentrale in Hamburg - und hat die neue Vertriebsstrategie mitgeprägt.

Die Geschichte begann vor mehr als 30 Jahren am Rande Kopenhagens. In einem kleinen Juwelierladen im Souterrain legten der Goldschmied Per Enevoldsen und seine Frau Winnie den Grundstein für die Schmuckmarke, die sich in den folgenden Jahrzehnten zur zweitgrößten der Welt entwickeln sollte.

Mit der Einführung des bis heute bekanntesten Produktes im Jahr 2000 verbreitete sich Pandora auch weit über die dänischen Grenzen hinweg: "Das Charm-Armband sorgte für den internationalen Durchbruch", sagt Niels Møller. Neben dem Armband, an dem Perlen aus Silber oder Gold, mit oder ohne Edelsteinchen aufgereiht werden können, gehören auch Ringe, Ohrringe und Ketten zum Sortiment - insgesamt 1200 verschiedene Produkte.

Damit die Mitarbeiter, die künftig in den neuen Concept Stores arbeiten, sich in dieser Schmuck-Vielfalt zurechtfinden, gibt es seit Februar auf dem Gelände in Allermöhe eine detailgetreue Nachbildung einer Pandora-Filiale. In dem Schulungsraum in Grau und Pastelltönen lernen die Mitarbeiter die Produkte kennen.

Auch in der Bergedorfer City hat die Pandora-Expansion bereits ihre Spuren hinterlassen: Mitte Juni zog die Schmuckkette in die ehemaligen Räume des Herrenausstatters Schramm im Sachsentor ein. Bei der Auswahl der neuen Standorte sind Niels Møller und sein Team sehr wählerisch: "Wir nehmen nur Standorte in 1A-Lagen." Und der Erfolg gibt ihnen Recht: "Die Eröffnung in Bergedorf war zu dem Zeitpunkt die beste, die wir je in Deutschland hatten. Die Bergedorfer haben offenbar nach einem Pandora-Store gehungert", sagt Møller. Die besten Umsätze in den ersten drei Tagen wurden kurz darauf nur knapp von der Filiale in der Europa-Passage übertroffen. "Es zeigt, dass die Strategie, die wir fahren, die richtige ist", so Møller.

Eine Verdoppelung des Filialnetzes bringt großen Personalbedarf mit sich: 800 Neueinstellungen, vor allem im Verkauf, sind für das ganze Jahr geplant. In Allermöhe wurde bereits um 20 neue Mitarbeiter im Büro aufgestockt. Insgesamt besteht das Team in Allermöhe aus 300 Mitarbeitern, die im Marketing, Verkauf, in der Betreuung der Filialen, Buchhaltung, Personalabteilung, PR, Kundenservice und im Distributionszentrum tätig sind. "Es ist häufig eine Herausforderung, den Standort attraktiv zu machen für Mitarbeiter", sagt Niels Møller. Das Problem sei das nicht existente Umfeld: "Es gibt keine Cafés oder Restaurants hier im Gewerbegebiet", sagt Møller. Für Geschäftsessen muss der Däne daher häufig Richtung Innenstadt ausweichen, für die Mitarbeiter wurden zwei verschiedene Catering-Unternehmen angeheuert - eines für deftigere Kost und eines für leichte Speisen. Auch die begrenzte Parkplatzmenge sei schwierig.

Dennoch ist Pandora nach wie vor von dem Standort in Allermöhe überzeugt: "Die Lage ist logistisch gesehen hervorragend", sagt Niels Møller. Aufgrund der guten Anbindung zur Autobahn, zum Flughafen sowie der Nähe zu Dänemark hat sich die Unternehmensleitung vor sieben Jahren für das Gewerbegebiet im Hamburger Osten entschieden.