Allermöhe

Kulturlandschaft nach altem Vorbild

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Jule Monika Witt

Mittlerer Landweg: Teilausgleich für die A 26 soll Wiesenvögeln beste Bedingungen bieten

Die Luftaufnahmen aus den Jahren 1921 bis 1939 zeigen es deutlich. Auf dem 32 Hektar großen Areal zwischen der Siedlung am Mittleren Landweg und dem Hauptentwässerungsgraben Allermöhe wird zurzeit das wiederhergestellt, was es hier schon einmal gab: eine intakte Kulturlandschaft, die über ein ausgeklügeltes Grabensystem zur Entwässerung und Bockmühlen zur Bewässerung verfügte. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) gleicht hier einen Teil der Eingriffe in die Natur aus, die durch den Bau der Autobahn 26 entstehen.

Andere historische Schätze der Behörde - wie etwa preußische Landesaufnahmen im Maßstab 1:25 000 aus dem Jahr 1878 - gehen noch mehr ins Detail. "Hier sind der Hauptentwässerungsgraben Allermöhe und das Pumpwerk zwar noch nicht vorhanden", sagt Volker Dinse, in der BSU für die Umsetzung von Augleichsmaßnahmen zuständig. "Stattdessen erfolgte die Entwässerung quer durch unsere heutige Fläche in Richtung Westen über Moorfleet in die Dove-Elbe." Gut zu erkennen seien auch die Bockmühlen entlang des Entwässerungsgrabens. Allein auf der heutigen Ausgleichsfläche gab es drei Stück. "Auf dem östlichsten Standort der drei Mühlen wollen wir im Sommer eine Windpumpe zur Bewässerung bauen", sagt Dinse.

Mithilfe dieser alten Karten und Luftaufnahmen ließ die Behörde die ehemalige Ackerfläche während der vergangenen Monate in ein "Feuchtgrünland für Wiesenvögel mit ausgeprägtem Grabensystem und einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung" verwandeln. Wiederhergestellt wurden vor allem die Gräben, die - wenn überhaupt - "nur noch als Rillen oder Mulden vorhanden waren", sagt Dinse. 17 000 Meter Verteiler- und Beetgräben - etwa vier Meter breit und mit einer Sohltiefe von bis zu einem Meter - entstanden auf diese Weise. "Auch der Siedlergraben ist mittlerweile fertig", sagt Dinse. Er war ebenfalls stark verlandet und wurde im Zuge der Arbeiten gleich mitsaniert.

Die sieben Stauwehre, die später die Wasserstände regulieren, sollen in den ersten beiden Februarwochen eingebaut werden. Mit einem Teil des Bodenaushubs konnte der Lärmschutzwall an der A 25 verstärkt werden, das Gros türmt sich aber noch entlang der Gräben. "Der Boden ist zurzeit zu nass, um - marschentypisch - mittig und in leichter Hügelform auf den Beetstücken eingebaut zu werden", sagt Dinse. So könnte es knapp werden mit der Zeit. Denn Mitte März, wenn die Vegetation beginnt, ist Bauschluss. "Dann könnten wir die Arbeiten erst im Sommer, nach dem Ende der Brutzeit, fortsetzen", sagt der Diplom-Biologe.

Bis dahin können die Wiesenvögel aber schon mal ihren neuen paradiesischen Lebensraum erkunden, der mit 500 000 Euro zu Buche schlägt. Die Kosten trägt das Bundesverkehrsministerium.