Workshop

Strategie für den Wohnungsbau im Landgebiet

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Jule Monika Witt

Foto: picture alliance / ZB / dpa Zentralbild

Bergedorf. Bauen in zweiter, dritter oder vierter Reihe: Wie könnten und sollten die Vier- und Marschlande wachsen, für die schon jetzt mehr als die mit dem Hamburger Senat vereinbarten jährlich 100 Baugenehmigungen erteilt werden? Politik und Verwaltung erarbeiteten in einem Workshop eine Strategie für die Wohnbauentwicklung.

Wie viele neue Häuser und Wohnungen sind für die Vier- und Marschlande verträglich – auch im Hinblick auf Verkehr, Gewerbe und Landschaftsschutz? Und wo beziehungsweise in welcher Form können und sollen diese zusätzlichen Wohneinheiten realisiert werden? Um diese beiden zentralen Fragen drehten sich vier Workshops, an denen Vertreter der politischen Fraktionen und der zuständigen Dienststellen des Bezirksamtes seit August 2012 teilnahmen. Sie entwickelten eine Strategie für die künftige Wohnbau-Entwicklung im Landgebiet.

Mit der Unterzeichnung des „Vertrages für Hamburg zum Wohnungsneubau“ verpflichtete sich der Bezirk Bergedorf im Juli 2011, im Jahresdurchschnitt Baugenehmigungen für 600 Wohnungen zu ermöglichen – davon ein Sechstel im Landgebiet. Diese Zahl wurde aber bereits in den vergangenen Jahren regelmäßig erreicht, wenn nicht gar deutlich überschritten – allein durch die Genehmigungen nach den Paragrafen 34 und 35 Baugesetzbuch (im Zusammenhang bebaute Ortsteile).

Um einem Ausufern der Bebauung in die Tiefe der Landschaft – also in zweiter, dritter oder gar vierter Reihe – gegensteuern zu können, beauftragt die Politik die Verwaltung, für die Paragraf-34- und -35-Bereiche eine „vorsorgende flächendeckende Untersuchung“ in Auftrag zu geben. Ziel ist es, eine konkrete Abgrenzung der hinteren Baulinie zu erhalten, die es Politik und Verwaltung künftig erleichtern soll, Bauanfragen schnell und einvernehmlich zu beurteilen. Des Weiteren beauftragt die Politik die Verwaltung, besonders sensible Bereiche mit schützenswerten Qualitäten in den Vier- und Marschlanden zu identifizieren. Anhand der Ergebnisse dieser Vorprüfung will die Politik entscheiden, für welche Flächen vorbereitende städtebauliche und landschaftsplanerische Untersuchungen erarbeitet werden sollen, die Grundlage für ein Bebauungsplanverfahren sind.

Die Arbeitsgruppe verständigte sich darauf, dass die bereits im Wohnungsbauprogramm des Bezirks enthaltenen A-Flächen umgesetzt werden. Dazu gehört das BIG-Gelände mit Platz für 76 Einfamilienhäuser (EFH), die Fläche nördlich des Durchdeichs und südlich eines Bracks (20 EFH), das Areal südlich des Ochsenwerder Landscheidewegs und westlich des Durchdeichs (35 EFH in zweiter Reihe), eine Fläche am Ochsenwerder Kirchendeich (10 EFH) und das Areal Curslacker Deich/Ecke Curslacker Heerweg (40 Wohnungen). Entgegen früherer Beschlüsse erhielt die Fläche nordwestlich der Straße Beim Avenberg, die Platz für 50 Einfamilienhäuser bietet, Priorität vor der baulichen Verdichtung beiderseits des Elverswegs.

Die B-Flächen am Curslacker Deich/Ecke Tönerweg und am Mittleren Landweg sollen weiterhin als Prüfflächen im Wohnungsbauprogramm 2013 enthalten bleiben. Weitere flächenhafte Entwicklungen außerhalb der Ortskerne sind nicht vorgesehen. Folgerichtig gilt für die C-Flächen, die im Wohnungsbauprogramm 2013 fortgeschrieben werden, dass diese nur als langfristige Reserveflächen zu verstehen sind: Kistendorf/Sandbrack, Kirchenheerweg und Feldstegel (Zweitreihenbebauung).

Die Arbeitsgruppe will die Verwaltung weiterhin begleiten. Im Januar sollen Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Baugebiets Beim Avenberg erörtert werden.