Mühlentag

Gesundes Öl aus kleiner Manufaktur

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Wiebke Schwirten

Foto: BGZ / Wiebke Schwirten / Wiebke Schwirten

Kirchwerder. Eine Menge zu schauen gibt es beim „18. Deutschen Mühlentag“ am Pfingstmontag zwischen 11 und 18 Uhr in der Riepenburger Mühle am Kirchwerder Mühlendamm 75a.

Bei gutem Wind drehen sich die Flügel, Führungen sind geplant. Im Café gibt es neben leckerem Kaffee und Kuchen auch Kartoffeln mit Quark und Leinöl – letzteres frisch gepresst in der eigenen Ölmühle. Passend zum Thema „Leinen“ wird eine Leinweberin am Webstuhl ihr Handwerk zeigen.

Mühlenvereins-Vorsitzender Axel Strunge verrät Besuchern gern, was es mit der hamburgweit kleinsten und einzigartigen Ölmühle auf sich hat. Erst Anfang des Jahres wurde im Erdgeschoss des zweistöckigen Galerieholländers von 1828 ein Raum hergerichtet, in dem alle notwendigen Apparaturen zur Herstellung von Speiseölen stehen und ihren Dienst tun, wie vor Hunderten von Jahren schon. Denn hier wird nicht im modernen Extraktionsverfahren Saatgut zu einem farb-, geruchs- und geschmacklosen Öl verarbeitet. Vielmehr riecht hier das goldgelbe Rapsöl tatsächlich nach Raps, das Sonnenblumenöl nach Sonnenblumen.

Bis es soweit ist, wird viel Zeit, Gefühl und Sorgfalt investiert. Bis aus fünf Kilogramm Saatgut 1,5 Liter Öl gewonnen sind, dauert es Tage. Besonders stolz ist Axel Strunge auf das Leinöl, das sogar für medizinische Zwecke eingesetzt wird. „Damit das Öl nicht bitter und tranig schmeckt, muss es behutsam geröstet werden“, erklärt Strunge. So wird der Blausäure-Anteil im Leinsamen „geknackt“. Dafür wirft Strunge einen alten, holzbetriebenen Ofen an, erhitzt und röstet das zuvor genässte und gequollene Saatgut etwa 25 Minuten lang. Dann wird es zügig in die Presse geschüttet. Sie funktioniert so ähnlich wie ein Fleischwolf, presst mit bis zu 1500 bar Druck das Öl aus den Körnern. Das Öl wird mehrfach gefiltert, in einem Metallbehälter aufgefangen und muss nun zwei Tage stehen, damit sich die Fruchtstoffe absenken. Das klare, gelbe Öl, das nussig riecht und schmeckt, wird in kleinen 100 Milliliter fassenden Flaschen abgefüllt und verkauft.

Vier Wochen ist die leckere Beigabe zu Salat oder Quark ungeöffnet haltbar, zehn Tage nach Öffnung. Es kann aber auch eingefroren werden. Kippt das Öl, dann schmeckt es wieder bitter. Doch es taugt dann immer noch bestens als Firnis, um Holzteile damit zu tränken. Auch der „Ölkuchen“, also der Rest, der nach dem Pressen von der Leinsaat übrig bleibt, wird nicht weggeworfen. Er enthält noch reichlich wertvolle, ungesättigte Fettsäuren und wird für Tierfutter geschrotet.

Neben der Riepenburger Mühle, der „Boreas“, kann am Pfingstmontag auch die historische Feldentwässerungsmühle beim Rieck-Haus am Curslacker Deich 284 besichtigt werden. Zudem läuft der Museumsbetrieb zwischen 10 bis 17 Uhr.