Telekommunikation

Ein Telefon-Chaos à la Alice

| Lesedauer: 2 Minuten
Sinah Vonderweiden

Lohbrügge Sie wollte nur zusätzlich zum normalen Telefon- und Internetanschluss günstig von Handy zu Handy telefonieren. Im Schreiben des Anbieters Alice an Heike Meinert hieß es: "Es ist möglich, dass Ihnen aus technischen Gründen Ihr (Festnetz-)Anschluss am Tag der Umstellung kurzzeitig nicht zur Verfügung steht."

Wer billig per Handy telefonieren möchte, kann über Tage Festnetz und Internet einbüßen.

Die Lohbrüggerin ist ratlos: "Nach neun Tagen ist mein Telefon immer noch tot."

"Nach dem Wechsel zur Alice Fun Max Flat sollte der Anschluss spätestens einen Tag nach Umstellung wieder funktionieren, sagte mir auf Nachfrage die Alice-Hotline." Doch nichts tat sich. Nach mehreren Anrufen - per Handy - erklärte Alice, eine DSL-Leitung zum Haus sei beschädigt. "Die zuständige Telekom würde den Schaden binnen 24 Stunden reparieren, versprach man mir." Telefon- und Internetleitung blieben weiter tot.

Der nächste Tipp eines Alice-Mitarbeiters trieb der 65-jährigen Kundin die Zornesröte ins Gesicht: "Wenn sich nichts tut, solle ich mich doch schriftlich beschweren." Über die nahenden Feiertage kaum die geeignete Taktik, das Verfahren zu beschleunigen.

Am meisten ärgert sich Meinert über falsche Auskünfte: "Normalerweise finde ich es in Ordnung, wenn mal was nicht klappt. Dass ich aber ohne Telefon von Alice stehen gelassen werde, über Weihnachten kaum erreichbar bin, finde ich unmöglich."

"Die Entstörungsfrist kann bis zu sieben Werktage dauern, das ist von den Netzagenturen so vorgegeben", versuchte ein Hotline-Mitarbeiter das Telefon-Desaster der Redaktion zu erklären. Außerdem sei der Fall schon längst in Bearbeitung.

An konkrete Informationen von Alice heranzukommen, stellt sich als schwierig heraus. Die Pressestelle ist angeblich nur per Fax oder E-Mail erreichbar, auch die Herausgabe von Telefon-Nummern von Vorgesetzten wird verweigert. Schließlich gelingt es, die Telefon-Nummer der Alice-Sprecher über das Internet zu ermitteln. "Wie lange die jeweilige Entstörungsfrist dauert, ist von Fall zu Fall unterschiedlich, wir werden die Sache umgehend prüfen und Sie zurückrufen", verspricht eine Assistentin des Pressesprechers Montag. Bis Redaktionsschluss ist allerdings kein Anruf eingegangen.

Auch Heike Meinert wartet - auf Informationen, oder noch besser auf funktionierende Telefon- beziehungsweise Internetanschlüsse. Nach derzeitigem "Informationsstand" muss sie davon ausgehen, dass sie erst Anfang Januar wieder übers Festnetz erreichbar ist. "Ich bin auf Telefon und E-Mails angewiesen. Jetzt muss ich alles über mein Handy erledigen." Dabei kann sie nicht mal den günstigeren Tarif nutzen, den sie bei Alice bestellt hat. Der ist verbunden mit einer neuen Handynummer. "Und die haben Kollegen, Freunden und Familie noch nicht, könnten mich also nicht anrufen. Dann wäre ich ja zu Weihnachten und Neujahr gar nicht erreichbar." Das wird dieses Jahr nicht nur eine ärgerliche, sondern spätestens bei der nächsten Handyrechnung auch eine teure Bescherung.