Sprachpflege

Dat se all wedder Platt snackt

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Wiebke Schwirten

Kirchwerder. Was er macht, das macht er ganz oder gar nicht. So ist der Wunsch von Heinrich Meyer (68), Vorsitzender des "Plattdüütsch Root för Hamburg", auch ganz klar: "Dat se all wedder Platt snacken köönt."

Aber natürlich freut es ihn auch, wenn die Sprache zunächst einfach wieder mehr Freunde gewinnt. Dafür kämpfen er und seine Mitstreiter im Plattdeutschen Rat, der 2003 ins Leben gerufen wurde. Er wacht darüber, dass die Regionalsprache entsprechend der "Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen" von 1999 gepflegt wird. Im Rat sitzen Vertreter aus Bürgervereinen, Kammern, von Rundfunk, Ohnsorg-Theater und Delegierte der Bürgerschaftsparteien wie Bernd Capeletti für die CDU.

In Hamburg sprechen noch etwa 100 000 Menschen Platt - je nach Region, ja sogar je nach Dorf, unterschiedlich. In Warwisch hört sich Platt schon anders an als in Zollenspieker. "Das zeigt, wie sehr die Sprache lebt", sagt Meyer und freut sich über die Vielfalt. Er wirbt für den Gebrauch des Plattdeutschen, mit dem sich manches so viel persönlicher und liebevoller ausdrücken lässt - selbst drastische Bemerkungen. Goethes Götz von Berlichingen klingt plattdeutsch fast schon nett mit "Klei mi am Moors."

Heinrich Meyer und der Rat engagieren sich für mehr Platt in Kindergärten, Schulen und Hochschulen, aber auch vor Gericht, in der Wirtschaft und im sozialen Leben. Er lobt Initiativen wie die "Plattsnacker" um Leo Skrzynski-Fox, die in Kindergärten und Schulen gehen und Kinder für die Sprache begeistern. Auch Theater leiste viel. "Die Jugend ist auf mich zugekommen und wollte Platt lernen", erinnert sich Meyer an seine Zeit, als er beim TV Warwisch die Theatergruppe leitete. Das sei zwar einige Jahre her. Doch auch heute sei das Interesse da nach dem Motto: "Computersprachen können alle. Wir können Platt - da können wir was mehr." Großen Einfluss habe das Elternhaus, das die Pflege der Sprache unterstützen könne.

Wie weit Hamburg damit ist, Plattdeutsch an Schulen zu etablieren, darüber wird beim "3. Plattdeutsch-Forum" des Rats am Sonnabend, 25. April, ab 15 Uhr informiert. In der Handwerkskammer Hamburg (Holstenwall 12) referieren Renate Thomsen und Heinz Grasmück vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung und Ratsmitglied Professor Dr. Ingrid Schröder. Die Moderation hat Gerd Spiekermann, ebenfalls Mitglied des Rats. Wer zuhören möchte, kann sich bei Heinrich Meyer anmelden, Telefon (040) 793 123 45.