Selbstständigkeit

Fenster putzen gegen die Arbeitslosigkeit

Fünfhausen. Reiner Eggers (45) arbeitete 15 Jahre als ungelernte, aber fest angestellte Kraft in einer Druckerei. Vor einem Jahr wurde der Familienvater entlassen. Statt aufzugeben und auf Kosten des Staates zu leben machte der Fünfhausener seinen Nebenjob zum Hauptberuf - mit Erfolg.

Inzwischen zählt sein Ein-Mann-Glasreinigungs-Unternehmen 130 Kunden.

Seinen Nebenjob trat Eggers 1994 an. "Damals haben meine Frau und ich uns ein Haus am Fersenweg gekauft. Um es abbezahlen zu können, arbeitete ich neben meinem Job in der Druckerei für eine Dassendorfer Firma als Glasreiniger", sagt er. Schon einige Jahre später arbeitete Eggers, gelernter Tischler, neben seinen Früh-, Spät- oder Nachtschichten an den Druckmaschinen auf eigene Faust als Glasreiniger. "Ich hatte mir durch Empfehlungen schnell einen eigenen Kundenkreis aufgebaut - ohne meinem früheren Arbeitgeber dazwischenzufunken."

Ihm sei der Schritt, sein Unternehmen auszubauen, als er im März vergangenen Jahres die Kündigung als Rolleur erhielt, nicht leicht gefallen: "Ich hatte ganz schön Angst." Doch bisher ist es gut gelaufen, sagt Eggers, der in einer Werbeoffensive zahlreiche Visitenkarten verteilte. Sie wurden häufig an Verwandte oder Nachbarn weitergereicht. Der Kundenkreis habe sich mittlerweile verdoppelt. "Ich habe durch meine Stammkunden eigentlich eine ganz große Familie", sagt er.

Finanzielle Starthilfe bekam Eggers von der Agentur für Arbeit, die Existenzgründern maximal über 15 Monate Zuschüsse in Höhe von monatlich 300 Euro gewährt. "Davon konnte ich neun Monate lang profitieren, weil die mein Konzept überzeugt hat", sagt der Fünfhausener. Von dem Existenzgründerzuschuss hatte er bereits vor seiner Arbeitslosigkeit gehört.

"Ich reinige die Fenster von Privat- und Geschäftshäusern in Bergedorf und Umgebung." Zu seinen Kunden zählen viele älteren Menschen, denen die Arbeit selbst zu anstrengend ist. Für seine Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ernte er häufig Lob, berichtet Eggers: "Die Kunden sagen oft, dass sie dies bei Handwerkern selten erleben. Für mich ist das natürlich die beste Werbung."

In diesem Winter hat der 45-Jährige, wenn er die gestiegene Zahl der Kunden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hochrechnet, weniger zu tun als im vergangenen. "Das liegt vermutlich an der Wirtschaftskrise. Die Leute werden sparsamer", sagt er.

Sein Glasreinigungs-Unternehmen will der geborene Kirchwerderaner dennoch ausbauen: "Mit der Zeit sprach sich herum, dass ich handwerklich geschickt bin. Deshalb werde ich oft um Hilfe gebeten, etwa wenn es darum geht, einen Kleiderschrank aufzubauen, eine Lampe anzubringen oder kleinere Reparaturen zu erledigen." Deshalb bietet Eggers neben dem Reinigen von Fenstern nun auch einen "Hausservice" an. So geht das "Ein-Mann-Unternehmen" optimistisch in die Zukunft. Erreichbar ist Eggers unter Telefon (040) 28 09 74 77 und 0172/ 147 20 97.

"Ich habe durch die Stammkunden eine ganz große Familie." Reiner Eggers, Selbstständiger