Meteorologie

Bizarre Welt über Billwerder

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Wiebke Schwirten

Billwerder. Eine Winterlandschaft der besonderen Art haben Michael Haller und Ingo Lange jetzt über Billwerder entdeckt: In 250 Metern Höhe empfing die Meteorologen von der Universität Hamburg eine bizarre Eiswelt.

Während sich Billwerder und Moorfleet am Boden in wenig winterlichem Braungrün präsentieren, bestaunten die Wissenschaftler auf einem Wettermast in Billwerder vereiste Messgeräte mit bis zu 15 Zentimeter langen Eiskristallen - ein ungewöhnliches Bild, das eher an den Brocken oder die Zugspitze, als an unsere flache norddeutsche Landschaft erinnert.

In Billwerder betreibt das Meteorologische Institut den Wettermast Hamburg, eine am 300 Meter hohen Sendemast des NDR installierte wissenschaftliche Wetter- und Klimastation. Hier werden Wetterdaten wie Temperatur und Wind nicht nur in Bodennähe aufgezeichnet, sondern auch in verschiedenen Höhen bis hinauf auf 250 Metern über Grund. Der Mast steht nördlich der S-Bahn-Linie nahe der Station Billwerder-Moorfleet und westlich der Autobahn 1. "Uns war aufgefallen, dass die Temperatur in 175 Metern Höhe seit Mittwoch vergangener Woche langsam abdriftete und viel zu warme Werte anzeigte verglichen mit den darunter und darüber liegenden Messstationen ", berichtet Ingo Lange.

So fuhren die Wissenschaftler im engen Aufzug des Sendemastes zu den Plattformen in 175 und 250 Metern Höhe und entdeckten große, federförmige Eiskristalle, die alles Gestänge und Gerät, jede Niete und Schraube am Mast bedeckten. "Wir kennen in Norddeutschland eher Raureif am Boden, der aus feinen Eisnadeln von bis zu zwei Zentimetern Größe besteht" , sagt Lange. Derart heftige Eisbildungen gebe es nur bei bestimmten meteorologische Bedingungen: "Zunächst müssen die Wolken so tief hängen, dass der Mast quasi in sie eintaucht", erklärt Lange. Das war der Fall, denn die Untergrenze der Wolken lag bei unter 200 Metern, teilweise sogar bei Null Metern (Nebel). "Die Luftfeuchtigkeit in diesen Schichten beträgt 100 Prozent, die Wasserteilchen lagern sich dann leicht an exponierten Oberflächen ab und bilden bei Minusgraden Reif. Weht dann noch ein nicht zu schwacher, aber auch nicht zu starker Wind aus tagelang gleichbleibender Richtung, in diesem Falle Südost, wachsen die Eiskristalle langsam dem Wind entgegen, verbreitern sich und bilden so neue Angriffspunkte für weitere Wassermoleküle, was schließlich zu den filigranen, bis zu 15 Zentimetern langen Strukturen führt", so Lange.

Nachdem das Eis jetzt vom Thermometer entfernt worden ist, meldet die Station die Temperatur wieder auf ein Zehntel Grad genau. Aktuelle Messwerte und weitere Infos finden sich im Internet unter www.wettermast-hamburg.zmaw.de .