Schulschach

Das Turnier der Superlative auf dem Hamburger Rathausmarkt

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Volker Gast
So war es vor Corona: Über 4000 Schülerinnen und Schüler aus Hamburger Schulen spielten 2018 in der Barclaycard Arena Schach.

So war es vor Corona: Über 4000 Schülerinnen und Schüler aus Hamburger Schulen spielten 2018 in der Barclaycard Arena Schach.

Foto: Axel Heimken / picture alliance / Axel Heimken/dpa

Schach: Auch Bergedorfer Schulen mischen beim Traditionsturnier „Rechtes Alsterufer gegen Linkes Alsterufer“ am Donnerstag mit.

Hamburg. Sonnig, 27 Grad. Das ist die Wettervorhersage für Hamburg kommenden Donnerstag. Das kann noch wichtig werden, denn wenn an diesem Tag die 59. Auflage des traditionsreichen Schulschach-Turniers „Rechtes Alsterufer gegen Linkes Alsterufer“ gespielt wird, gibt es eine Premiere: Erstmals werden rund 2500 Kinder auf dem Hamburger Rathausmarkt sich unter freiem Himmel gegenseitig matt setzen. Gespielt wird zwischen 10 und 13 Uhr.

Mit dabei sind auch einige Teams aus Bergedorf: Etwa 40 Kinder kommen von der Katholischen Schule Bergedorf und weitere 30 von der ahfs Christliche Grundschule Hamburg-Bergedorf. Betreut werden sie von Berndt Fuhrmann, dem Träger des Bergedorfer Bürgerpreises 2021 und Begründer der Schachabteilung der TSG Bergedorf. Der 77-Jährige hat nicht nur viel Erfahrung mit der Vermittlung des königlichen Spiels.

Schulschach: Berndt Fuhrmann bereitet die Schützlinge auf das Turnier vor

Er bereitet seine Schützlinge auch auf eine der schwierigsten Erfahrungen im Leben vor: zu verlieren. „Wir haben uns nicht nur, was das Schach angeht, auf das Turnier vorbereitet, sondern auch, was das Verhalten am Brett angeht“, erläutert der fünffache Vater. „Sich ruhig hinzusetzen, sich Zeit beim Ziehen der Figuren zu lassen und, wenn man verloren haben sollte, ruhig zu gratulieren und ,gut gespielt’ zu flüstern, damit der andere sich gut fühlt. Das gehört auch dazu.“

Es ist das ewige Duell: rechtes Alsterufer gegen linkes Alsterufer. Maßgeblich ist die Blickrichtung von der Quelle im Norden Hamburgs aus. Folglich spielen die Bergedorfer Schulen für das linke Alsterufer, das nach 58 Vergleichen in 64 Jahren sehr deutlich mit 37:21 Siegen führt. Zweimal, in den Jahren 1979 und 1982, gewann mit dem Gymnasium Bornbrook ein Vertreter aus Bergedorf den Pokal für die erfolgreichste Schule.

Das Spektakel ist für die Kinder die Hauptsache

Die TSG-Schachabteilung ist am Donnerstag auf beiden Seiten vertreten, denn für das rechte Alsterufer geht die Marie-Beschützt-Schule aus Eppendorf mit 60 Kindern an den Start. Auch hier gestaltet die TSG Bergedorf das Ganztagsprogramm und Fuhrmann den Schachunterricht. Doch wie es letztlich dieses Mal zwischen den beiden Seiten der Alster ausgeht, das lasse Schülerinnen und Schüler kalt.

„Die Kinder interessiert das gar nicht“, ist Fuhrmann überzeugt. Eher sei es das Spektakel an sich beim „lautesten Schachturnier der Welt“ (Die Zeit), das die jungen Denksportler fasziniere. „Schon sein eigenes Brett zu finden, ist eine spannende Aufgabe“, schildert Fuhrmann die Herausforderungen, die auf seine Schützlinge warten.

Alle Figuren aufzustellen, würde über acht Stunden dauern

Um sich die Dimensionen dieses Turniers vorstellen zu können, genügt ein kleines Gedankenexperiment. Auf den 1500 Brettern, die am Donnerstag benötigt werden, müssen jeweils 32 Figuren aufgestellt werden, also insgesamt 48.000 Figuren. Würde ein einzelner Mensch versuchen, das im Alleingang zu erledigen so wäre er über acht Stunden lang beschäftigt, selbst wenn er pro Brett nur 20 Sekunden braucht. Dahinter verbirgt sich eine weitere Lebensweisheit, die die Kinder und Jugendlichen mit auf den Weg bekommen: Gemeinschaft macht stark!

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