2:0-Sieg bei Concordia

Unfall-Drama überschattet Spiel der TuS Dassendorf

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Hanno Bode
Das demolierte Fahrzeug von TuS-Verteidiger Tom Muhlack.

Das demolierte Fahrzeug von TuS-Verteidiger Tom Muhlack.

Foto: Christoph Leimig, / Christoph Leimig

An Fußball war nach dem Unfall von Verteidiger Tom Muhlack bei der TuS Dassendorf kaum zu denken. Doch er hatte einen Schutzengel.

Dassendorf. Die Stimmung bei den Fußballern der TuS Dassendorf war vor ihrer Partie am Freitagabend beim WTSV Concordia sehr bedrückt. Vor dem Abschlusstraining am Vortag hatten sie erfahren, dass ihr Mitspieler Tom Muhlack bei einem Autounfall auf der Bundesstraße 207 zwischen Talkau und Breitenfelde schwer verletzt wurde. Ein Foto des völlig zerstörten Wagens des 20-Jährigen, das im Internet zu finden war, brannte sich in die Köpfe der Akteure des Oberliga-Spitzenreiters ein.

„Wenn man das sieht, kann man kaum glauben, dass er dort einigermaßen heil rausgekommen ist“, sagte TuS-Ligamanager Alexander Knull. Muhlack hatte mit Rettungsschere und Spreizer von Feuerwehrleuten aus seinem völlig zerstörten Auto befreit werden müssen und war anschließend mit dem Rettungswagen in ein Lübecker Krankenhaus gebracht worden.

Der beim HSV ausgebildete Abwehrspieler muss einen Schutzengel bei dem Aufprall mit einem Transporter gehabt haben. Denn in Lebensgefahr schwebte er nicht. „Er hat sich einen Oberschenkelhalsbruch, eine schwere Gehirnerschütterung und Schnittwunden zugezogen und wurde bereits operiert“, erklärte Knull.

Trotz Unfall-Drama: TuS Dassendorf mit 13. Sieg im 14. Spiel

Das Duell mit Concordia geriet in Anbetracht der Tragödie um Muhlack bei der TuS komplett in den Hintergrund. „Bereit für Fußball war keiner meiner Spieler“, sagte Coach Jean-Pierre Richter nach der Begegnung vor 317 Zuschauern im Sportpark Hinschenfelde. Umso bemerkenswerter, dass sich die Dassendorfer dennoch – wenn auch mit etwas Fortune – mit 2:0 durchsetzten und damit den 13. Sieg im 14. Spiel feierte. Eine beeindruckende Bilanz.

Nicht ganz unbeteiligt daran war möglicherweise Muhlack, der seinen Teamkameraden wenige Minuten vor Spielbeginn in der mannschaftsinternen „WhatsApp“-Gruppe eine Nachricht schickte. Er sei nach seiner Operation wieder einigermaßen auf dem Damm, schrieb der 20-Jährige und forderte seine Mitspieler auf: „Haut sie weg.“

Das tat der Branchenführer dann auch ergebnistechnisch, wusste dabei in Anbetracht der Sorgen um Muhlack aber nur sehr bedingt zu überzeugen. „Wir haben uns gesagt, dass Fußball eben nicht alles ist. Aber wir wollten auf dem Platz den einen Meter mehr für Tom machen, um ihm auch zu zeigen, dass wir für ihn etwas reißen wollen“, sagte Trainer Richter.

Einige Male hatte sein Team während der Begegnung Fortune, dass die Concorden „keinen Knipser“ in ihren Reihen haben, wie Knull mit Blick auf die schwache Chancenverwertung der Wandsbeker sagte. „Mit einem Punkt wäre ich heute auch zufrieden gewesen“, ergänzte der Ligamanager.

Wieder einmal war auf Martin Harnik Verlass

Und ein Remis wäre auch gerecht gewesen. Denn die Hausherren tauchten mehrfach gefährlich vor dem Gehäuse des erneut überzeugenden Keepers Julian Barkmann auf, vermochten es aber nicht, den Schlussmann zu überwinden ober verzogen überhastet.

Bei der TuS war hingegen wieder einmal auf Martin Harnik Verlass. Nach einer Flanke von Rinik Carolus war der langjährige Bundesliga-Profi per Direktabnahme zum 1:0 erfolgreich (34.). Es war bereits der 23. Saisontreffer des ehemaligen österreichischen Nationalspielers, der zum zweiten Mal binnen weniger Wochen von einem Kamerateam des NDR begleitet wurde. Dieses konnte mit Ausnahme des Treffers nur wenige nennenswerte Aktionen von „Hanno“ filmen.

Der TuS-Kapitän war bei der „Cordi“-Abwehr in guten Händen. Für das 2:0 sorgte der eingewechselte Maximilian Dittrich in der Schlussminute. Dass der Offensivmann nach ewig langer Verletzungspause sein erstes Saisontor erzielte, wäre im Normalfall die Geschichte dieses Spiel gewesen. Doch das Drama um Muhlack überlagerte bei Dassendorf alles. „Den Sieg wollen wir Tom widmen“, sagte Richter. Dem war nichts hinzuzufügen.

TuS: Barkmann (2); Lenz (3), Aust (3-4) ab 71. Sowah (-), Ahlschwede (2), R. Carolus (2); Dettmann (3), Möller (3), Maggio (3-4) ab 59. Kleine (2-3), Lam (2-3), Strömer (2-3) ab 85. Dittrich (-); Harnik (3).

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