Volleyball

Oststeinbeker SV turmhoch überlegen

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Volker Gast
OSV-Mittelblocker Alexander ratke überspringt mühelos den Block von Anton Gattermann.

OSV-Mittelblocker Alexander ratke überspringt mühelos den Block von Anton Gattermann.

Foto: Volker Koch

Nach dem 3:0-Sieg im Spitzenspiel gegen den Schweriner SC sind die Ostbek Volleys nun selbst Tabellenführer in der Regionalliga.

Oststeinbek. Der Ostblock ist in Auflösung begriffen. Da können die Spieler des Schweriner SC noch so oft ihre Köpfe zusammenstecken und ihr witziges Volleyball-Wortspiel „Ost-Block! Schwerin!“ skandieren. Sie können eine Auszeit nach der anderen nehmen, um den Spielfluss zu unterbrechen, und permanent wechseln. Nichts verfängt. Nichts, aber auch gar nichts will ihnen im Spitzenspiel bei einem wie entfesselt aufspielenden Oststeinbeker SV gelingen.

Nach gerade mal einer Stunde und elf Minuten ist die Wachablösung in der Volleyball-Regionalliga schließlich perfekt. Mit einem glasklaren und hochverdienten 3:0-Erfolg (25:17, 25:21, 25:14) setzen sich die Oststeinbeker gegen den Tabellenführer durch und sind nun selbst neuer Spitzenreiter.

Die Oststeinbeker können ihr Glück kaum fassen

Ausgiebig applaudieren die Schweriner anschließend ihren Bezwingern. Die können ihr Glück kaum fassen. Kinderleicht sah das aus! „Doch so einfach, wie es wirkte, war es nicht“, erläutert OSV-Trainer Sebastian Lemke mit einem breiten Grinsen. „Es war das Ergebnis harter Arbeit. Das waren die Früchte der vergangenen zwei Wochen. Die Mannschaft hat perfekt umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“

Lemke, der in Schwerin aufgewachsen ist und dort seine Trainerkarriere begonnen hat, wusste um die physische Stärke der jungen Gäste-Mannschaft, gegen die man lieber nicht über fünf Sätze gehen möchte. Doch ein junges Team, darauf hoffte Lemke, das kriegt auch mal das Nervenflattern, wenn es unter Druck gerät.

Von Beginn an halten die Gastgeber den Druck hoch

Die Oststeinbeker Spieler sind erfahrener. Und sie glauben an ihre Chance. „Schon als ich heute zum Aufbauen in die Halle gekommen bin, war ich voll und ganz überzeugt, dass wir gewinnen“, erzählt OSV-Spieler Justin Plankenauer. „Wir waren so unglaublich heiß auf dieses Spiel.“ Von Beginn an halten die Ostbek Volleys den Druck hoch.

„Wir haben sehr gut aufgeschlagen. Dadurch konnte Schwerin seine Angriffe nicht wie gewohnt aufziehen“, analysierte Lemke. Bis zum 11:11 nach knapp zehn Minuten verläuft der erste Satz noch ausgeglichen. Dann ziehen die Gastgeber unwiderstehlich davon. Bei einem 11:14-Rückstand nehmen die Gäste ihre erste Auszeit, spüren, dass hier etwas nicht in ihrem Sinne läuft. Doch es ist schon zu spät, der Trend nicht mehr umzukehren.

Libero Stephan Wendt, ein Vulkan auf zwei Beinen

Der OSV dominiert jetzt nach Belieben. Ob es Mittelblocker Alexander Radtke ist, der turmhoch über den Gästen thront, ob Diagonal-Angreifer Matthias Ahlf, der mit seinen Schmetterschlägen aus zehn Metern ein Zwei-Euro-Stück trifft – oder eben die äußerste Ecke des Spielfeldes, in die kein Verteidiger hinkommt. Ob es Spielmacher Timo Timpe ist, der gleich in einem der ersten Ballwechsel den „Stellertrick“ anbringt – einen überraschenden Lob-Ball über den gegnerischen Block – und sich so in die Köpfe der Schweriner schleicht. Oder ob es Libero Stephan Wendt ist, dieser Vulkan auf zwei Beinen, der jede gelungene Rettungstat wie einen Europacup-Sieg feiert und immer wieder Schlachtruf der Gastgeber anstimmte: „Ost-Stein-Bek!“

Im zweiten Satz dasselbe Bild. Wieder haben die Ostbek Volleys alles im Griff. Dann folgt die Szene, die den Gästen endgültig den Nerv raubt: Ein Querschläger fliegt aus dem Oststeinbek Feld am Netz vorbei in Richtung Schweriner Ersatzbank. Wohl jeder andere hätte das krumme Ding verloren gegeben, nicht so Plankenauer.

Justin Plankenauer zeigt sich regeltechnisch auf der Höhe

Der OSV-Spieler, mit 1,81 Metern einer der Kleineren im Team („Sprungkraft und ein schneller Arm gleichen das aus“), stürmt am Netz vorbei auf die Schweriner Seite und spielt den Ball von außen zurück in die OSV-Hälfte, wo Timpe die Kugel schließlich mit Ach und Krach über das Netz hebelt. Normalerweise wäre das jetzt natürlich eine leichte Beute für die Gäste, doch die sind so verdutzt, dass sie die Spielfortsetzung komplett vermasseln.

Aber: Durfte er das überhaupt? Proteste der Schweriner Bank verpuffen wirkungslos. „Solange der Ball außerhalb der Antenne bleibt, die seitlich am Netz angebracht ist, darf ich ihn zurückholen“, zeigt sich Plankenauer hinterher regeltechnisch auf der Höhe. Für seine Großtat wird er vom Schweriner Trainerteam zum „Man of the Match“ gewählt. Völlig zu Recht.

Einer der emotionalsten Siege der vergangenen Jahre

Der Rest ist schnell erzählt: Die Gäste ergeben sich in ihr Schicksal. Die Oststeinbeker feiern vor der etwas enttäuschenden Kulisse von nur rund 100 Zuschauern in der Walter-Ruckert-Sporthalle einen der emotionalsten Siege der vergangenen Jahre. „Ich bin megastolz auf die Jungs“, betont Lemke. Bereits am Sonnabend geht es für den OSV weiter. Dann kommt der MSV Pampow nach Oststeinbek (19 Uhr, Meessen). Übrigens: Pampow, das liegt bei Schwerin.

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