Oberliga

Warum Fußball-Weisheiten in Curslack nicht gelten

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Hanno Bode
So war es im Hinspiel: Curslacks Hamed Mokhlis (l.), selbst ein gelernter Stürmer, stört den Vorwärtsdrang des früheren HSV-Profis Zhi-Gin Lam.

So war es im Hinspiel: Curslacks Hamed Mokhlis (l.), selbst ein gelernter Stürmer, stört den Vorwärtsdrang des früheren HSV-Profis Zhi-Gin Lam.

Foto: Hanno Bode / BGZ/Hanno Bode

„Never change a winning team“? Im Duell gegen Dassendorf wird der SVCN mit einer anderen Mannschaft auflaufen als zuletzt.

Dassendorf/Curslack. Es gibt im Fußball einige Phrasen, die immer wieder gerne bemüht werden. Erzielt ein Team sehr spät den Ausgleich oder Siegtreffer, gehört die von Ex-Bundestrainer Sepp Herberger erschaffene Weisheit: „Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten“ häufig zu den Statements von Trainern, Kickern oder auch Reportern. Nicht minder beliebt ist der von Sir Alf Ramsey – er führte England 1966 als Trainer zum Weltmeistertitel – stammende Satz: „Never change a winning team“. Übersetzt: „Ändere niemals ein siegreiches Team.“ Das hat sich schon oft als guter weiser Ratschlag herausgestellt. Der Oberligist SV Curslack-Neuengamme wird ihn im Derby am Sonnabend (13 Uhr, Wendelweg) bei der TuS Dassendorf trotzdem nicht befolgen. Und das, obwohl die Vierländer gerade mit dem 7:3 gegen Barmbek-Uhlenhorst eine wahre Fußball-Gala gefeiert haben.

„Unsere Startelf wird sicherlich anders aussehen als gegen BU“, verrät SVCN-Manager Oliver Schubert. Was auf dem ersten Blick verwundert, wird bei genauerer Betrachtung nachvollziehbar. Denn im phasenweise vogelwilden Duell mit den Barmbekern durfte bei Curslack wegen des Ausfalls von sechs Akteuren nahezu jeder noch gesunde Spieler aus dem Kader von Beginn an auflaufen. Dass „Rudis Resterampe“, wie Coach Christian Woike seine Elf scherzhaft bezeichnete, dann so gut funktionierte, war überraschend. Aber weil Dassendorf eben ein ganz anderes Kaliber als BU ist, sind personelle Veränderungen fast unabdingbar.

Vierländer wollen Revanche für die 0:2-Hinspiel-Niederlage

Zumal Woike auch wegen des Ausfalls der Partie am vergangenen Sonnabend gegen Hamm United – beim Gegner gab es einen Corona-Fall – wieder mehr Alternativen hat. „Das war für uns gar nicht schlecht“, erklärte Manager Schubert, „einige angeschlagene Spieler sind nun wieder zurück.“ So stehen die Angreifer Hamed Mokhlis und Bajram Nebija wieder zur Verfügung. Auch Christian Peters (Fersenprobleme) könnte für die Offensive wieder eine Option sein. Die Stürmer Marco Schubring und Arnold Lechler werden hingegen weiter verletzt fehlen. Letzterer war der tragische Held im Hinrunden-Duell, als er bereits nach 29 Minuten die Gelb-Rote Karte sah und seine Mannschaft dadurch entscheidend schwächte. Der SVCN verlor die Begegnung nach Toren von Zhi-Gin Lam und Martin Harnik mit 0:2.

Nun sinnen die Vierländer auf Revanche. „Wir haben keine Angst, sondern freuen uns auf das Spiel. Wir wollen die Ersten sein, die Dassendorf schlagen“, sagt Schubert, der darauf hinweist, „dass die Spiele zwischen uns immer eng waren“. Bei einem weniger ausgetragenen Spiel haben die Vierländer aktuell zwölf Zähler Rückstand auf die ungeschlagene TuS. Doch in dieser Serie ist der SVCN auswärts noch ungeschlagen (drei Siege, ein Remis), und der Branchenführer steckt in einem kleinen Formtief.

Dasssendorf enttäuschte bei den letzten Auftritten

Denn die beiden vergangenen Auftritte des Titelfavoriten bei Hamm United (1:0) und beim VfL Lohbrügge (1:1) waren enttäuschend. „Wir müssen daran arbeiten, wieder besser Fußball zu spielen“, fordert Sven Möller, Schütze des späten Ausgleichstreffers in Lohbrügge. Sein Coach Jean-Pierre Richter bemängelte nach dem Derby die Einfallslosigkeit seiner Elf in der Vorwärtsbewegung: „Wir haben es teilweise plump und naiv gemacht.“ Dass die frühere Dominanz zuletzt etwas abhanden gekommen ist, hatte sich laut dem 34-Jährigen bereits seit einiger Zeit im Training angedeutet. „Wir haben vielleicht den einen oder anderen Schritt weniger gemacht. Das darf uns jetzt nicht vor die Füße fallen“, fordert Richter.

Allerdings hat der leichte Leistungsabfall des Spitzenreiters auch noch weitere Gründe. Bereits die Vorbereitung war nicht optimal: Urlaube, Verletzungen und Ausfälle durch Impfungen wirkten sich aus. Und auch nach Saisonbeginn konnte der TuS-Coach bis jetzt noch nie mit seinem gesamten Kader trainieren. Nun hat sich das Lazarett allerdings gelichtet.

Dassendorfer Ex-Profis um Martin Harnik sind alle fit

Mit Ausnahme von Verteidiger Tom Muhlack, der erst im November wieder voll belastbar sein dürfte, stehen Richter alle Akteure zu Verfügung, wobei der langzeitverletzte Maximilian Dittrich erst seit einer Woche wieder im Mannschaftstraining ist. Für das SVCN-Spiel dürfte er allenfalls als „Joker“ infrage kommen. „Ich bin etwas aufgeregt, weil ich wohl erstmals in dieser Serie wieder Leute aus dem Spieltagskader werde streichen müssen“, blickt Richter voraus.

Von den etablierten Kickern um die früheren Profis Zhi-Gin Lam, Maximilian Ahlschwede und Martin Harnik wird wohl keiner eine schöpferische Pause verordnet bekommen. Denn der Respekt des Trainers vor Curslack ist groß. „Das ist ein super Gegner, der uns alles abverlangen wird und gegen den wir alles abrufen werden müssen“, erklärt der 34-Jährige. Richter ist bewusst, dass Leistungen wie gegen Hamm und Lohbrügge vermutlich gegen die forschen Curslacker (Manager Schubert: „Wir werden uns dort ganz sicher nicht verstecken“) nicht reichen werden, um den Nimbus der Unbesiegbarkeit zu wahren. Schließlich ist auch Richter eine weitere Fußball-Phrase ganz bestimmt bekannt: „Jede Serie endet einmal ...“


So könnten sie spielen:
TuS Dassendorf:
Gruhne, Lenz, Ahlschwede, Sowah; Dettmann, Strömer, Maggio, R. Carolus, Lam, Möller; Harnik.
SV Curslack-Neuengamme:
Babuschkin; Mankumbani, Mohr, Giese, Wilhelm; Doege, Hinze, Behrens, El-Nemr, Mokhlis; Nebija.

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