Handball

Die verschwundenen Spielerinnen des VfL Geesthacht

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Volker Gast
Die 1. Damenhandballmannschaft des VfL Geesthacht sucht nach weiteren Spielerinnen.

Die 1. Damenhandballmannschaft des VfL Geesthacht sucht nach weiteren Spielerinnen.

Foto: Torsten Goy

Bei zwei Spielen ist die 1. Handball-Damenmannschaft des VfL Geesthacht nicht angetreten. Warum?

Geesthacht. Das Landesliga-Frauenteam des VfL Geesthacht gab der Handball-Szene in den vergangenen Wochen Rätsel auf. Zum Saisonstart beim MTV Dänischenhagen trat die Mannschaft von Trainer Thomas Brod­eßer nicht an, gab die Partie kampflos verloren. Ebenso wenige Tage später beim ersten Heimspiel gegen den VfL Bad Schwartau. Wieder fehlte von den Geesthachterinnen jede Spur.

Wo also steckten sie? „Wir waren marokkanisch essen“, schmunzelt Brodeßer. Seit jeher ist das VfL-Team für seine Geschlossenheit und gute Stimmung im Mannschaftskreis bekannt.

Handball: Nur 14 Spielerinnen gehören heute noch zum Kader

Sie sind ein verschworener Haufen. Spielerinnen wie Claudia Franke, Marion Meschede, Ina Dehms oder Janine Wiebracht spielten schon vor 13 Jahren zu Oberliga-Zeiten beim TuS Aumühle-Wohltorf unter Brodeßer, wechselten dann mit ihm 2012 geschlossen nach Geesthacht, als man sie beim TuS nicht mehr wollte und Brodeßer kurzfristig entmachtet hatte.

Lediglich 14 Spielerinnen gehören heute zum VfL-Kader, doch die betreiben ihren Sport mit großer Hingabe. „Wir sind bei den Einheiten eigentlich immer zwölf, 13 oder 14 Leute“, kann sich Brodeßer über mangelnde Trainingsbeteiligung nicht beklagen. Fehlt nämlich auch nur eine, kann man schon nicht mehr Sieben gegen Sieben über die ganze Halle spielen. An ein Punktspiel war zuletzt trotzdem nicht zu denken.

Fünf Schwangerschaften dünnen das Team aktuell aus

Denn gleich fünf Spielerinnen sind schwanger. „Mit zweien hatte ich gerechnet. Aber fünf? Das war nicht mehr aufzufangen“, schildert Brodeßer. Dabei hat er über die Jahre natürlich schon so seine Erfahrungen mit schwangeren Spielerinnen gemacht.

Einige im Kader sind schon Mama. Doch angehende Mütter können dem Team angesichts der Unsicherheiten, von denen eine Schwangerschaft begleitet ist, oft nicht von Anfang an reinen Wein einschenken. „Früher hatten sie immer ewig eine Zerrung. Und wenn sie dann noch das Rauchen aufgegeben haben, wusstest du Bescheid“, erinnert sich Brodeßer schmunzelnd.

Training mit Babybauch ja, aber Wettkampf? Nein

Für das Leben lernen – das geht in der Geborgenheit des Mannschaftskreises eben oft am besten. Es kann ja durchaus eine sinnvolle Sache für angehende Mütter sein, sich weiter körperlich zu fordern, wenn es im Rahmen bleibt.

„Sabrina Peuker zum Beispiel hat bei uns zuletzt noch mittrainiert, obwohl sie schon in zwei Wochen Termin hat“, hebt Brodeßer lobend hervor. „Sie hat angekündigt, dass sie noch in diesem Jahr ihr Comeback geben will.“ Das zeigt die große Verbundenheit der Sportlerin mit ihrer Mannschaft.

Doch Training ist das eine, der Wettkampf mit allen seinen Härten – gerade im Handball – etwas völlig anderes. Daher mussten die Geesthachterinnen logischerweise zuletzt passen. Nun stehen sie unter Druck. Treten die VfL-Damen nach den Ferien auch zum dritten Punktspiel am 24. Oktober gegen die HSG Wankendorf/Bornhöved nicht an, droht ihnen der Ausschluss von der Saison und der Zwangsabstieg.

Jetzt werden beim VfL Spielerinnen für die Landesliga gesucht

Doch in der heimeligen Atmosphäre des marokkanischen Restaurants reifte in Brodeßer die Überzeugung, die Sache retten zu können. Gezielt hat er in den vergangenen Wochen ehemalige Spielerinnen angesprochen. „Es ist das Reizvolle für mich, die Truppe wieder lauffähig zu machen“, betont er.

Wer sich also die Landesliga zutraut und Lust hat, beim VfL mitzumischen, kann sich bei Thomas Brodeßer unter Telefon 0171/88 22 800 melden. Trainiert wird jeden Dienstag und Donnerstag von 20 bis 22 Uhr in der Sporthalle Berliner Straße. Auch in den Ferien – ist ja wohl Ehrensache, schließlich sind wir hier beim VfL Geesthacht!

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