Bajram Nebihi

Ex-Profispieler kickt jetzt beim SV Curslack-Neuengamme

| Lesedauer: 6 Minuten
Hanno Bode
Bajram Nebihi im Trikot des SVCN. Seine Fußball-Odyssee führte ihn unter anderem nach Finnland, Thailand, Malaysia und in den Iran.

Bajram Nebihi im Trikot des SVCN. Seine Fußball-Odyssee führte ihn unter anderem nach Finnland, Thailand, Malaysia und in den Iran.

Foto: Hanno Bode / BGZ/Hanno Bode

Zwei Kontinente, acht Länder: Ex-Profi Bajram Nebihi blickt auf ein Fußballleben aus dem Koffer zurück. Was hat ihn zum SVCN gebracht?

Curslack. Es liefen am Mittwochabend bereits die letzten Sekunden der Nachspielzeit des Champions-League-Spiels zwischen Juventus Turin und dem FC Chelsea, als der deutsche Fußball-Nationalspieler Kai Havertz den 1:1-Ausgleich für die Gäste um Haaresbreite verpasste. Chelsea-Trainer Thomas Tuchel raufte sich die Haare.

In einer Wohnung in Hamburg-Hammerbrook litt Bajram Nebihi vor dem Fernseher mit dem Coach mit. Tuchel hatte ihn im Jahr 2007 zu seinen Zeiten als Nachwuchskoordinator beim FC Augsburg für die zweite Mannschaft des damaligen Zweitligisten verpflichtet und ihm ob seines großen Potenzials den Sprung nach ganz oben zugetraut.

Bajram Nebihi: Ex-Profispieler kickt jetzt beim SV Curslack-Neuengamme

Tatsächlich schaffte es der gebürtige Kosovare später auch in die 2. Bundesliga und wurde sogar zu einem gestandenen Erstliga-Spieler. Allerdings nicht in einer europäischen Top-Liga, sondern in Ländern wie Finnland, Thailand und Albanien.

Insgesamt kickte der 33-Jährige in acht Ländern auf zwei Kontinenten. Nun geht er für den Oberligisten SV Curslack-Neuengamme auf Torejagd. Am Sonnabend im Duell mit dem Bramfelder SV (15 Uhr, Gramkowweg) könnte Nebihi sein Debüt für die Vierländer feiern. „Die Spielberechtigung ist in dieser Woche eingetroffen“, berichtet der Stürmer.

Hamburg ist die neue Heimat von Bajram Nebihi und seiner Familie

Der SVCN hatte mit dem Fußball-Weltverband FIFA in Kontakt treten müssen, um die Freigabe für den Ex-Profi zu bekommen. Dessen letzte Profi-Station war der malaysische Club Selangor FA II. Nachdem die Corona-Pandemie den Spielbetrieb auch in dem südostasiatischen Staat lange zum Erliegen gebracht hatte, entschloss sich Nebihi, sein Leben als Fußball-Nomade zu beenden.

„Ich bin langsam müde. Ich sehe meine Zukunft jetzt hier“, sagt der Angreifer. Da seine Frau beruflich in Hamburg tätig ist, entschloss sich das Paar, das ein zweites Kind erwartet, an der Elbe sesshaft zu werden.

ETSV-Coach „Jassi“ Huremovic stellte den Kontakt her

Der Zufall – beziehungsweise Sascha „Jassi“ Huremovic – brachte den Weltenbummler nach Curslack. „Ich habe ihn in Hamburg kennengelernt. Er ist ein feiner Kerl“, sagt Nebihi über den Coach des Bezirksligisten ETSV Hamburg, der den Kontakt zum SVCN herstellte. Bevor der einstige Tuchel-Schützling am Gramkowweg aufschlug, trainierte er beim Liga­rivalen Concordia mit.

„Aber da hat es nicht so gepasst. Ich bin mit dem Trainer nicht so richtig warm geworden“, erzählt der 33-Jährige. Zwischen ihm und Curslacks Coach Christian Woike stimmte hingegen sofort die Chemie, sodass die Vierländer nun einen Spieler mit einer sehr außergewöhnlichen Profi-Karriere in ihrem Kader haben.

Mit 20 Jahren folgt er dem Lockruf des Geldes in den Iran

Nebihi, der im Jahr 1993 mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Deutschland übersiedelte, blickt auf ein Fußballer-Leben aus dem Koffer zurück. Für nicht weniger als 15 Clubs war der Angreifer seit 2007 am Ball, nachdem ihn Tuchel nach Augsburg gelotst hatte. „Es hat mir ein bisschen die Geduld gefehlt. Hinzu kamen Verletzungen“, sagt der Neu-Curslacker.

Seine Odyssee begann 2008 mit dem Wechsel zum iranischen Verein Zob Ahan Isfahan. Falsche Berater und das Versprechen vom großen Geld hätten ihn damals zum Schritt in den Orient bewegt, erzählt der Torjäger. Nach nur einem Jahr kehrte er nach Deutschland zurück: „Ich habe es dort ohne meine Familie nicht ausgehalten.“

Nur wenigen Wochen spielte er für den türkischen Meister Bursapor

Nebihi schnürte daraufhin seine Fußballschuhe für den damaligen Drittligisten Wacker Burghausen und wechselte dann zum türkischen Meister Bursaspor, der seinerzeit in der Champions League unter anderem gegen Manchester United spielte.

„Das war ein geiler Verein, aber die Gehälter wurden nicht bezahlt“, erzählt der 33-Jährige. Nach wenigen Wochen löste er seinen Vertrag bei Bursaspor auf und stand vor dem Nichts. „Als ich zurück in Deutschland war, wollte mich keiner haben“, erinnert sich der Angreifer.

Aufgeben war für Nebihi aber keine Option. „Ich habe Fehler gemacht, daraus gelernt und weiter­gemacht“, sagt der Kosovare kämpferisch. Über die Amateurclubs TSV Ampfing und TSV Landsberg landete er wieder beim FC Augsburg.

Stuttgarter Kicker waren seine letzte Station in Deutschland

„Ich habe da für 200 Euro in der zweiten Mannschaft gespielt. Mir ging es nur darum, überhaupt wieder zu spielen“, erklärt er. Im Dress der U23 der Schwaben empfahl sich der Stürmer für höhere Aufgaben. Er erhielt einen Profivertrag, konnte sich im Team von Coach Markus Weinzierl aber auch aus Verletzungsgründen nicht durchsetzen.

Es folgte der Wechsel zu Union Berlin. Für die „Eisernen“ absolvierte er in der Saison 2014/2015 neun Zweitliga-Einsätze. Danach streifte sich Nebihi das Trikot des Drittligisten, der Stuttgarter Kicker über, mit denen er abstieg. Der inzwischen in die Oberliga abgestürzte Ex-Bundesligist war die letzte Profi-Station des 33-Jährigen in Deutschland.

Während der Corona-Pandemie reifte der Gedanke ans Karriereende

Nicht das Fernweh, sondern das Geld – das gibt Nebihi offen zu – zog ihn dann erneut ins Ausland. In Finnland, Thailand, dem Kosovo, Albanien und Malaysia verdiente er seinen Lebensunterhalt. „Ich bin zufrieden mit meiner Karriere“, sagt der Stürmer.

Sein letztes Spiel bestritt er vor knapp einem Jahr. Es folgte die Corona-Zwangspause, in der die Gedanken über ein Ende der Profi-Karriere reiften. „Ich hatte einige Angebote aus dem asiatischen und arabischen Raum. Aber ich habe mich dann nach langen Überlegungen dazu entschlossen, aufzuhören“, erklärt der 33-Jährige.

Sein Ehrgeiz ist weiterhin auf hohem Niveau

Beim SVCN ist für den Mann, der beruflich durch die Welt tingelte, nun alles viele Nummern kleiner als bisher. Doch sein Ehrgeiz ist immer noch derselbe wie zu Berufsfußballer-Zeiten. „Ich identifiziere mich voll und ganz mit dieser Aufgabe.

Egal, wo ich bin: Ich will immer gewinnen“, sagt Nebihi und klingt dabei ein wenig wie sein früherer Entdecker Thomas Tuchel. Dem Chelsea-Coach wird schließlich nachgesagt, dass er nichts mehr hasse, als zu verlieren.

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