Hamburg Marathon

Wenn der Marathon-Traum platzt

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Volker Gast
Topfit mit 46: Alexandra Simon-Homberger bei einer Trainingspause im Jachthafen Kirchwerder.

Topfit mit 46: Alexandra Simon-Homberger bei einer Trainingspause im Jachthafen Kirchwerder.

Foto: Volker Gast

Alexandra Simon-Homberger ist so fit wie nie. Beim Hamburg Marathon darf die Nettelnburgerin aber trotzdem nicht starten.

Nettelnburg. Eineinhalb Jahre lang ist der Hamburg Marathon wegen der Corona-Pandemie immer wieder abgesagt und verschoben worden. Eineinhalb Jahre lang hat sich Alexandra Simon-Homberger aus Alt-Nettelnburg akribisch auf das Rennen ihres Lebens vorbereitet. Unter der professionellen Anleitung ihres Trainers Björn Andressen (laufen-macht-spass.com) hat sich die 46-Jährige im Training für ihr großes Ziel gequält, einmal im Leben die 42,195 Kilometer zu schaffen. In unserer Serie „Lebenstraum Marathon“ haben wir ihren Weg über Monate hinweg begleitet.

Doch wenn nun am 12. September der Hamburg Marathon endlich gestartet wird, dann wird sie zu Hause im Kreis ihrer Familie sitzen und versuchen, möglichst nicht an die Veranstaltung zu denken. Denn Simon-Homberger darf nicht starten, weil sie noch nicht durchgeimpft ist. Somit bleibt ihr nur die Zuschauerrolle. Oder besser gesagt: noch nicht einmal die. „Eigentlich wollte ich ja hingehen und mir das anschauen, aber das kann ich nicht“, gibt sie zu. „Es tut einfach zu sehr weh.“

Beim Berliner Halbmarathon gingen 20.000 Aktive an den Start

Von Null auf Marathon – und jetzt alles für die Katz’. Dabei ist die Juristin so fit wie noch nie in ihrem Leben. Noch im Juli absolvierte sie 220 Trainingskilometer mit einem 27,5-Kilometer-Lauf als längster Strecke. Dann kam die Entscheidung: Hamburg bestreitet einen Sonderweg. Während bei anderen Laufveranstaltung die 3G-Regel – geimpft, getestet, genesen – gilt, so etwa beim Berliner Halbmarathon Ende August mit 20.000 Aktiven, sind in Hamburg ausschließlich geimpfte Sportler zugelassen.

Genau diese Impfung hatte Simon-Homberger hinausgezögert, um ihr anspruchsvolles Training nicht zu gefährden. Denn mit Corona hatte die 46-Jährige bereits so ihre Erfahrungen gemacht. Zur Jahreswende infizierte sie sich mit dem Virus.

Training wurde im Laufe des Sommers immer anspruchsvoller

Der Wiedereinstieg in den Sport fiel ihr auch Wochen nach der Erkrankung noch schwer. „Es war, als ob ein Schatten über der Kraft liegt“, erinnert sie sich. „Ich habe immer darauf gewartet, dass es ,Klick’ macht und alles wieder so ist wie früher, aber dieses ,Klick’ kam einfach nicht. Bis heute nicht.“

Ein halbes Jahr lang kam sie danach für eine Impfung sowieso nicht infrage. „Dann kam die Zeit, wo es für alle freigegeben war, und ich dachte mir, andere haben die Impfung vielleicht erst einmal nötiger als eine Genesene wie ich“, schildert Simon-Homberger. Im Laufe des Sommers wurde ihr Training immer anspruchsvoller, kräftezehrender. Also verschob sie die Sache. Ein fataler Entschluss.

Das neue Ziel: der Hamburg Marathon im April 2022

Als dann klar war, dass sie nicht starten darf, fiel sie in ein Loch. „Alle Anspannung fiel von mir ab, dabei war ich ja gar nicht gelaufen.“ Gleich am ersten Tag nach der Absage durch die Veranstalter ging sie zur Impfung, nahm sich eine kurze Auszeit vom Sport und fasste einen Entschluss: Sie will sich nun im April 2022 beim nächsten Hamburg Marathon ihren langgehegten Traum doch noch erfüllen. Doch dazwischen liegt ein langer Winter. „Sie hat den Willen, dabeizubleiben“, ist Coach Andressen überzeugt. Und tatsächlich: Simon-Homberger läuft bereits wieder. „Mein Trainingskalender“, sagt sie lächelnd, „ist schon wieder voller blinkender Punkte.“

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