Fußball-Oberliga

Nach 0:2 – SV Curslack-Neuengamme kritisiert Schiedsrichter

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Hanno Bode
Steigen gemeinsam zum Kopfballduell hoch: Dassendorfs Amando Aust (von links) sowie Henrik Giese und Oliver Doege.

Steigen gemeinsam zum Kopfballduell hoch: Dassendorfs Amando Aust (von links) sowie Henrik Giese und Oliver Doege.

Foto: Hanno Bode / BGZ/Hanno Bode

Die TuS Dassendorf gewinnt das Derby bei den Vierländern, die das Spiel eine gute Stunde lang in Unterzahl bestreiten mussten.

Curslack. Der kleine Happen nach dem großen Spiel gegen den Lokalrivalen TuS Dassendorf war angerichtet für die Oberliga-Fußballer des SV Curslack-Neuengamme. Auf den Tischen in einem Raum unter der Tribüne des Sportplatzes am Gramkowweg standen köstlich ausschauende italienische Antipasti. Zunächst blieben die Schlemmereien allerdings unberührt. Statt sich auf das eingelegte Gemüse oder den luftgetrockneten Schinken zu stürzen, diskutierten die Vierländer Kicker vor der Kabine bei einem Kaltgetränk hitzig über die vorausgegangene Partie, die sie mit 0:2 verloren hatten.

Besonders großen Redebedarf hatte dabei Arnold Lechler. „Nie, Niemals“ sei es ein Platzverweis gewesen, sagte der Angreifer mit Blick auf seine Gelb-Rote Karte in der 29. Minute, die die Statik des Spiels entscheidend veränderte. Der bereits verwarnte 30-Jährige hatte sich während einer Rudelbildung zu einem kleinen Schubser gegen TuS-Keeper Christian Gruhne hinreißen lassen und war dafür von Schiedsrichter Alexander Teuscher (SC Eilbek) des Feldes verwiesen worden.

Ohne Arnold Lechler im Sturm nur ein laues Lüftchen

In Anbetracht der unübersichtlichen Situation hatte sich der Unparteiische in diesem Moment auf die Meinung seines über die gesamte Distanz unsicher wirkenden Assistenten Schams Golzari (SC Egenbüttel) verlassen. Die Folgen für die Vierländer waren drastisch. Ohne Stoßstürmer Lechler, der bis dato durch seine enorme körperliche Präsenz für einige Unruhe in der Dassendorfer Abwehr gesorgt hatte, waren die Hausherren vor 301 zahlenden Zuschauern im Sturm nur noch ein laues Lüftchen.

„Es ist schon schwer genug, mit elf Mann gegen Dassendorf zu spielen, in Unterzahl wird es fast unmöglich. Das ist wirklich nicht gut für uns gelaufen“, sagte SVCN-Trainer Christian Woike. Der 43-Jährige hätte in diesen Augenblicken vielleicht nicht so zerknirscht bei der coronakonformen Steh-Pressekonferenz vor der Tribüne gestanden, wenn Marco Schubring nach 180 Sekunden freistehend zum 1:0 getroffen hätte.

Beim VfL Lohbrügge das Fußballspielen erlernt

Doch der sonst so zuverlässige Stürmer scheiterte am glänzend reagierenden Keeper Christian Gruhne, der den Kampf um den Platz im Kasten des Titelfavoriten gegen Julian Barkmann gewonnen zu haben scheint. „Er hat es heute richtig gut gemacht. Die Qualität hat entschieden, warum er gespielt hat“, sagte TuS-Coach Jean-Pierre Richter zur Nominierung des Rückkehrers vom VfL Lohbrügge.

Apropos VfL Lohbrügge. Dort hatte Zhi-Gin Lam einst als Steppke das Fußballspielen erlernt, bevor er später beim HSV zu Bundesliga-Einsätzen kam und nach einem Intermezzo bei der SpVgg Greuther Fürth sowie einigen Profi-Jahren in Hongkong sich den Dassendorfern anschloss. In seinem zweiten Oberliga-Einsatz war der Deutsch-Chinese, dessen Vorname übersetzt „starker Wille“ heißen, neben den herausragenden Verteidigern Marcel Lenz und Maximilian Ahlschwede der beste Mann auf dem Platz.

Coach Richter: „Zhi-Gin Lam war der Unterschiedsspieler“

„Er war heute der Unterschiedsspieler“, lobte Coach Richter den 30-Jährigen, der die Gäste in der 54. Minute mit einem feinen Schlenzer aus 16 Metern ins lange Eck in Führung brachte. Vorausgegangen war eine schlecht abgewehrte Ecke der Curslacker sowie eine ebenfalls zu kurz geklärte Flanke von Ahlschwede.

Dassendorf hatte hernach das Geschehen im Griff, spielte seine Überlegenheit aber schlecht aus. So stand die Partie bis in die Schlussphase auf des Messers Schneide, weil der SVCN irgendwann die Brechstange herausholte und damit für die TuS die Gefahr bestand, dass mal ein Ball hätte durchrutschen können. Selbiges passierte dann allerdings kurz vor Ultimo auf der Gegenseite, als der eingewechselte Eyke Kleine Martin Harnik in Szene setzte und der Ex-Nationalspieler den Ball am herausstürzenden Gianluca Babuschkin zum 2:0 ins Netz beförderte (84.).

Ex-Profi Martin Harnik erzielt seinen fünften Saisontreffer

Dass Harnik bei seinem fünften Saisontreffer am zweiten Spieltag ziemlich deutlich im Abseits stand, erhitzte die Curslacker Gemüter ein weiteres Mal. Doch am Ende blieb den Vierländern nach einer leidenschaftlichen, aber glücklosen Leistung nicht mehr als das Lob von TuS-Coach Richter („Der Gegner hat uns viel abverlangt“) sowie die leckeren italienischen Vorspeisen als kulinarischer Trost. Woike indes hatte es ob der „unglücklichen Schiedsrichter-Leistung“ (SVCN-Verteidiger Henrik Giese) den Appetit verschlagen: „Schade, dass das hier nicht sportlich entschieden wurde.“

SVCN: Babschukin (3); Kühn (2-3), Giese (2-3), Mohr (3) ab 79. Janelt (-), Wilhelm (3) ab 79. Mankumbani (-); Doege (1-2), Rogge (3-4) ab 68. El-Nemr (-), Behrens (2), Mokhlis (3-4) ab 68. Peters (-), Schubring (3-4) ab 46. Bulut (3); Lechler (4).

TuS: Gruhne (2); Lenz (1), Ahlschwede (1), K. Carolus (2); Aust (2), Strömer (2-3), D. Bergmann (3) ab 76. Kleine (-), R. Carolus (3) ab 65. Dittrich (-), Lam (1); Maggio (3), Harnik (3) ab 86. Kurczynski (-).

Torfolge: 0:1 Lam (54.), 0:2 Harnik (84.).

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