Judo

Miriam Butkereit kämpft um ihre Olympia-Chance

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Volker Gast
Miriam Butkereit (in Weiß) hat die Kasachin Dilbar Umiraliyeva fest im Griff. Am Donnerstag geht es in Kasan für sie ums Olympia-Ticket.

Miriam Butkereit (in Weiß) hat die Kasachin Dilbar Umiraliyeva fest im Griff. Am Donnerstag geht es in Kasan für sie ums Olympia-Ticket.

Foto: Jonas Güttler / picture alliance / Jonas Güttler/dpa

Beim Grand Slam in Kasan trifft die Glinderin auf Nationalmannschafts-Konkurrentin Giovanna Scoccimarro.

Glinde. Schwitzen unter südlicher Sonne. Das stand für Weltklasse-Judoka Miriam Butkereit vom TSV Glinde in den vergangenen Wochen auf dem Programm. Beim Trainingslager für die Olympischen Spiele schuftete die 26-Jährige mit dem Leistungssport-Kader der Bundespolizei in Santa Cruz de la Palma, der Hauptstadt der Kanaren-Insel La Palma, für ihren großen Traum. Sie stemmte Hanteln, drehte ihre Runden im Leichtathletik-Stadion und absolvierten zahllose Einheiten auf der Judo- Matte.

Die Konkurrentinnen schwitzten gemeinsam auf La Palma

Doch wo immer Butkereit in diesen Monaten auch hingeht, ist ihre große Konkurrentin Giovanna Scoccimarro vom MTV Vorsfelde nicht weit. Auch die 23-jährige U21-Weltmeisterin von Zagreb 2017 bereitete sich auf La Palma auf die Olympischen Spiele vor. Auch sie schwitzte und schuftete für ihr großes Ziel. Trainingskameradinnen – und Freundinnen – auf der einen Seite, Konkurrentinnen ums Tokio-Ticket auf der anderen. Diese Situation begleitet beide seit über einem Jahr.

Rennen um Olympia-Ticket ist wieder offen

Dabei hatte Gummibärchen-Fan Scoccimarro als Weltranglisten-Achte die Olympia-Qualifikation eigentlich schon in der Tasche, war offiziell für Tokio nominiert. Doch dann fielen die Spiele im Sommer 2020 aus, die Karten wurden neu gemischt. Als Butkereit, die Nummer 13 der Welt, Mitte Februar beim Grand Slam Silber holte, während Scoccimarro früh ausschied, geriet die Hierarchie in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm ins Wanken. „Jetzt ist es wieder ein offenes Rennen“, jubelte die Glinderin, nicht ahnend, dass ein Corona-Zwischenfall sie ausbremsen sollte. Beim Grand Slam in Tiflis infizierten sich sechs Männer und die Hallenserin Luise Malzahn bei einem Trainingslager. Die deutsche Mannschaft reiste umgehend aus Georgien ab. Die Chance, Weltranglisten-Punkte zu sammeln und den Rückstand auf Scoccimarro zu verkürzen, war für Butkereit dahin.

„Nach Olympia ist vor Olympia“

Nun hat der Deutsche Judo-Bund die Olympia-Nominierung auf Mitte Juni verschoben. Die Entscheidung fällt somit beim Grand Slam in Kasan (Russland), wo beide am Donnerstag auf die Matte gehen, und bei der Weltmeisterschaft in Budapest (6. bis 13. Juni). Wie groß der Druck auf die Athletinnen und Athleten ist, zeigt sich daran, dass auch Luise Malzahn in Kasan antritt – ganze sechs Wochen nach ihrer Erkrankung. Dabei hat Mal­zahn, die in der Klasse bis 78 Kilogramm kämpft, nur noch theoretische Olympia-Chancen. „Ich hatte einen milden Verlauf und fühle mich gut“, sagt sie.

Miriam Butkereit versucht, die Konkurrenz-Situation locker zu sehen. „Nach Olympia ist vor Olympia“, pflegt die Glinderin auf die Frage zu antworten, wie sie damit umgehen würde, falls es am Ende nicht reichen sollte. Sie hat Paris 2024 im Hinterkopf. Am Sonnabend wird Butkereit 27 Jahre alt. Das schönste Geschenk könnte sie sich mit einem guten Ergebnis am Donnerstag selbst bereiten.

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