Dotiert mit 5000 Euro

SV Börnsen erhält Ehrenamtspreis

| Lesedauer: 6 Minuten
Volker Gast
SV Börnsen, von links nach rechts: Fabian Rimmele (Trainer E-Jugend), Brigitte "Toffy" Busch (Spielerfrau), Marina Wolff (Schriftführerin), Petra Dudde (Managerin A-Jugend), Veith Parske (2. Vorsitzender), Lutz-Lothar Maschuw (Vereins-Legende), Harald Dudde (Trainer A-Jugend), Niklas Lüdemann (Jugendleiter), Christian Sohn  (Trainer 2. Herren), Anneli Jonen (Co-Trainerin 2011er-Jahrgang), Torben Meyer (1. Vorsitzender), Christian Gorski (Manager 2. Herren).

SV Börnsen, von links nach rechts: Fabian Rimmele (Trainer E-Jugend), Brigitte "Toffy" Busch (Spielerfrau), Marina Wolff (Schriftführerin), Petra Dudde (Managerin A-Jugend), Veith Parske (2. Vorsitzender), Lutz-Lothar Maschuw (Vereins-Legende), Harald Dudde (Trainer A-Jugend), Niklas Lüdemann (Jugendleiter), Christian Sohn  (Trainer 2. Herren), Anneli Jonen (Co-Trainerin 2011er-Jahrgang), Torben Meyer (1. Vorsitzender), Christian Gorski (Manager 2. Herren).

Foto: Volker Gast

Hamburger Fußball-Verband zeichnet Club als besonders vorbildlich aus. Das Preisgeld soll der Ausstattung des neuen Kunstrasens zugutekommen.

Börnsen. Eine kühle Brise streicht über den Sportplatz am Hamfelderedder und sorgt für ein Frösteln. Niklas Lüdemann, Jugendleiter des SV Börnsen, muss schmunzeln. „Das Erste, was ich nach meiner Wahl vor fünf Jahren für den Verein angeschafft habe, waren dicke Jacken“, erinnert er sich. Als langjähriger Jugendtrainer kennt Lüdemann die Tücken des norddeutschen Klimas von zahllosen Stunden an der Seitenlinie.

Doch heute ist der kühle Wind ein Verbündeter, verwirbelt er doch die Aerosole und macht daher auch in Zeiten der Corona-Pandemie das gemeinsame Foto einiger Vereinsmitglieder gefahrlos. Sie bilden einen bunten Querschnitt durch die 300 Mitglieder des Clubs. Der Anlass ist ein ganz besonderer: Der SV Börnsen hat für sein vorbildliches Vereinsleben gemeinsam mit dem HFC Falke und dem VfL Hammonia den 12. Ehrenamtspreis des Hamburger Fußball-Verbands (HFV) gewonnen. 5000 Euro Preisgeld gibt es für jeden der drei Vereine.

„Gerade in der Pandemie ist es wichtiger denn je, trotz physischem Abstands eng zusammenzustehen“, betont Sebastian Holtz, der Vorstandsvorsitzende der Holsten AG, die das Preisgeld gespendet hat. Es ist der Punkt, der auch Torben Meyer, dem 1. Vorsitzenden des SV Börnsen, besonders am Herzen liegt. „Wir sehen uns beim SVB als kleine Familie“, sagt er. „Wir stehen füreinander ein, kümmern uns umeinander. Das ist unsere Vereins-DNA.“

An der „Hamfieldroad“ mäht der Präsident noch selbst

„Mehr als ein Fußballverein – eine Lebenseinstellung“, heißt es auf der Homepage des SV Börnsen. Hier an der „Hamfieldroad“, wie sie den Hamfelderedder in Anlehnung an das berühmte Stadion des FC Liverpool nur nennen, füllen sie dieses Motto jeden Tag aufs Neue mit Leben. So hat Präsi Meyer vor dem Fototermin extra noch den Rasen gemäht, auf dem nun das Jugendtraining coronakonform in Fünfergruppen abgehalten wird. Die Bälle dafür zieht Trainer Fabian Rimmele in einer alten Mülltonne hinter sich her. Praktisch veranlagt muss man halt sein. Doch halte nur niemand die Schleswig-Holsteiner für hinterwäldlerisch: Die Schautafel am Vereinsheim verkündet, dass die Solaranlage schon knapp 206.000 Tonnen Kohlendioxid gespart hat. Der SV Börnsen ist also zukunftsorientiert aufgestellt.

Meyers Blick geht derweil sehnsüchtig über den Knick hinweg auf eine angrenzende Wiese. Dort soll in diesem Jahr der neue Kunstrasenplatz des Vereins entstehen. Viel zu sehen, ist noch nicht, aber Meyer versichert: „Wir liegen gut im Zeitplan.“ Die 5000 Euro Preisgeld sollen in Trainingsmaterial und Tore für den neuen Platz fließen.

Die meisten Nachbarvereine haben bereits einen solchen Kunstrasen. Für den SVB ist es daher in den vergangenen Jahren immer schwerer geworden, vor allem im Jugendbereich neue Mitglieder für den Verein zu begeistern. Trotzdem kann der Club bei insgesamt nur 300 Mitgliedern in allen Altersklassen Mannschaften stellen, wenn auch in manchen Jahrgängen dazu eine Kooperation mit dem benachbarten Escheburger SV nötig ist.

Großen Anteil daran hat Jugendleiter Lüdemann. Eines der Talente, die in Börnsen das Kicken lernten, ist Lasse Sortehaug, der heute mit 19 Jahren für den FC St. Pauli II in der Regionalliga stürmt. Die Grundlage für die Jugendarbeit beim SVB legte einst der heutige 2. Vorsitzende Veith Parske, der über zehn Jahre hinweg im Sommer den Börnsener Jugend-Cup mit über 1500 Kindern organisierte. „So lockt man die Kids an“, sagt er. Doch bei allem Enthusiasmus ist sich der 1. Vorsitzende Torben Meyer bewusst: „Wenn wir den Kunstrasen nicht bekämen, wären wir irgendwann mausetot.“

Gegen Uwe Seelers HSV-Altliga führten die Börnsener schon 3:0 ...

Gegründet wurde der SV Börnsen 1948. Seit 1950 sind Lutz-Lothar Maschuw und Peter Rath dabei, die beide 2020 ihr 70-jähriges Mitgliedsjubiläum feierten. In den Anfangsjahren wurde noch auf einer Koppel am Grünen Weg gekickt. „Wenn wir da sonntags ein Spiel austragen wollten, mussten wir vorher erst die Kuhfladen absammeln“, erinnert sich der frühere Linksaußen Maschuw.

… und verloren am Ende dann doch noch mit 3:8

Bis heute hilft er auf der Anlage aus, wo er kann („Das hält mich fit!“) und hat all die Höhepunkte in der Vereinsgeschichte miterlebt. 1973 zum Beispiel das Jubiläumsspiel gegen Uwe Seelers HSV-Altliga. „Wir haben schon 3:0 geführt, und ich hatte selbst das erste Tor geschossen, da fing Seeler auf dem Platz an, mit seinen Mitspielern zu schimpfen“, erzählt er verschmitzt. „Schon zur Pause stand es 3:3, am Ende haben wir 3:8 verloren.“ Am 5. August 1978 durften die Börnsener dann auf der großen Fußball-Bühne ran. In der ersten Runde des DFB-Pokals verloren sie vor Tausenden Zuschauern beim Zweitligisten Waldhof Mannheim 0:5.

Das größte Heimspiel am Hamfelderedder war am 16. August 2006 in der zweiten Runde des Oddset-Pokals gegen den FC St. Pauli.
1500 Fans drängten sich an der „Hamfield­road“. „Die Zuschauer standen bis an die Torpfosten ran. Der Schiedsrichter hat beide Augen zugedrückt“, erinnert sich Meyer. Gegen St. Paulis legendäres DFB-Pokal-Halbfinalistenteam mit dem heutigen Coach Timo Schultz als Spieler hieß es am Ende 0:9.

Mike Krüger feierte spontan in der Umkleidekabine mit

Um Siege und Niederlagen wird es am Hamfelderedder auch künftig wieder gehen, wenn die Pandemie überwunden ist. Aber irgendwie war das in Börnsen, wo einst sogar Blödelbarde Mike Krüger spontan in der Umkleidekabine mitfeierte, immer weniger wichtig als woanders. „Klar sind die Jungs nach Niederlagen enttäuscht, aber das ist dann schnell wieder vorbei“, sagt Brigitte Busch, die alle nur „Toffy“ rufen, Spielerfrau von Söhnke Lorenz aus der „Zweiten“. Weht ihnen die kühle Brise auch manchmal direkt ins Gesicht, beim SV Börnsen wettern sie so etwas ab.

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