Trotz Corona

TSG-Basketball-Abteilung wächst gegen den Trend

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Volker Gast
TSG-Jugendwart Björn Fock coacht auch die 1. Herren des Vereins.

TSG-Jugendwart Björn Fock coacht auch die 1. Herren des Vereins.

Foto: Hanno Bode

Bergedorfer haben mittlerweile in allen Nachwuchsklassen Teams. Was jedoch fehlt, sind höhenverstellbare Körbe.

Bergedorf. Der Bezirk Bergedorf im Februar 2021. Die ganze Sportwelt ächzt unter der Corona-Krise. Die ganze Sportwelt? Nein! Die Basketballer der TSG Bergedorf setzten ausgerechnet jetzt zu Höhenflügen an. In der Top 100 der größten Basketball-Clubs Deutschlands, die alljährlich vom Deutschen Basketball-Bund veröffentlicht wird, kletterte die TSG 2020 gleich um 29 Plätze von Rang 92 auf Platz 63. Denn während viele andere Vereine wegen der Pandemie Mitglieder verloren haben, konnten die TSG-Basketballer sogar noch zulegen, wuchsen um knapp elf Prozent von 254 auf 281 Sportler. Das ist in einem Großverein wie der TSG Bergedorf, die insgesamt durch die Krise rund 15 Prozent ihrer Mitglieder verloren hat, besonders bemerkenswert.

Die Folgen des zweiten Lockdowns sind unklar

Björn Fock als 1. Herren-Coach und Jugendwart sowie Abteilungsleiter Peter Salzmann und Kassenwartin Silke Agena sind gemeinsam mit den Trainern die Architekten dieses Erfolgs. Fock weiß den Aufwärtstrend bei den TSG-Basketballern jedoch einzuordnen. „Der Anstieg ist relativ, denn den Großteil der Mitglieder haben wir nach dem ersten Lockdown gewonnen, als ein Spielbetrieb wieder möglich war“, erläutert er. „Wir stark sich nun der zweite Lockdown auswirken wird, ist noch völlig unklar.“ Doch in düsteren Zeiten, in denen die Arbeitsgemeinschaft der Bergedorfer Vereine bereits vor Pleiten warnt, ist der Sprung der TSG-Basketballabteilung unter die Top 70 Deutschlands allemal eine positive Momentaufnahme.

Ehemalige Bundesliga-Spielerinnen als Trainerinnen

Und das Ergebnis jahrelanger, stetiger Aufbauarbeit, vor allem in dem als Problem-Stadtteil geltenden Neuallermöhe. „Erstmals können wir von der U10 bis zu den Erwachsenen in allen Altersklassen Teams und damit Spielmöglichkeiten anbieten“, freut sich Fock. Die nächsten großen Ziele seien es nun, bei den Jungs auch in der Altersklasse U8 stärker zu werden sowie generell bei den Mädchen zuzulegen. „Dort haben wir mit Maike Großmann und Diyar Moore unter anderem zwei ehemalige Bundesliga-Spielerinnen als Trainerinnen, die alles vormachen und auch selbst mitspielen können“, schwärmt Fock.

Bei den Jüngsten wird der Erfolg auch davon abhängen, inwieweit im Bezirk in den kommenden Jahren höhenverstellbare Körbe angeschafft werden, bei denen der Korb mittels einer Kurbel von der Erwachsenen-Höhe (3,05 Meter) auf das Level für die Jüngsten (2,70 Meter) heruntergelassen werden kann. Denn nur dann eignet sich der Basketballsport auch für die Kleinsten. „Wir benutzen zudem leichtere Bälle“, erläutert Fock, der als Grundschullehrer an der Schule Sander Straße genau weiß, wie man Kinder motiviert: „Sie müssen Erfolgserlebnisse haben. Wenn man den Korb nicht trifft, macht Basketball keinen Spaß!“

Auf dem Sprung ins U15-Nationalteam

Einer, der es geschafft hat, ist Philipp Dudzinski, der mit 14 Jahren schon in der Hamburger Auswahl spielt und sogar den Sprung in die Sichtung für die U15-Nationalmannschaft geschafft hat. „Als ich acht Jahre alt war, kam Björn Fock in der Nachmittagsbetreuung auf mich zu und hat gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Basketball zu spielen“, erinnert er sich. Weil Philip so talentiert war, konnte er gleich in der U12 mithalten. Heute misst der Neuntklässler des Hansa-Gymnasiums stolze 1,95 Meter und ist in seiner Klasse der Einzige, der Basketball spielt. „Für mich ist es einfach ein super Sport“, schwärmt der Dirk-Nowitzki-Fan. „Man kann coole Moves machen und Körbe erzielen. Am meisten freue ich mich aber, wenn es mir gelingt, einen Wurf zu blocken, denn das ist besonders schwierig.“ Derzeit kann Philip Dudzinski aber – wie alle anderen – nur Online mit seinen Teamkameraden trainieren. Die Sichtung für die Jugend-Nationalmannschaft soll voraussichtlich im Sommer nachgeholt werden, sofern Corona das zulässt.

TSG-Herren bleiben in der 1. Regionalliga

Derweil kann Björn Fock mit den 1. Herren, dem Aushängeschild des Vereins, entspannt die kommende Saison planen. Da die Saison nach dem Abbruch annulliert wird, haben die bislang sieglosen Bergedorfer den Klassenerhalt in der 1. Regionalliga geschafft. Zumindest in dieser Beziehung hat die Pandemie also mal etwas Gutes.

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