Leichtathletik

Mika Sosna stemmt 75 Kilogramm mit einer Hand

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Volker Gast
Bei den Deutsche Jugendmeisterschaften im vergangenen Sommer in Heilbronn kam Mika Sosna auf den vierten Platz.

Bei den Deutsche Jugendmeisterschaften im vergangenen Sommer in Heilbronn kam Mika Sosna auf den vierten Platz.

Foto: Kai Peters

Trainingsimpressionen vom Werfertalent der TSG Bergedorf. Der 17-Jährige hat den Hamburger Rekord im Kugelstoßen verbessert.

Bergedorf. Mika Sosna beugt sich hinunter zur Hantel, atmet kräftig aus. „75 Kilo!“ flüstert sein Trainer Juri Minor ehrfurchtsvoll und hält das Handy zum Filmen hoch. Jetzt nur keinen Moment verpassen! Sosna zieht das Gewicht zu sich und reißt es dann entschlossen mit einem kräftigen Ruck in die Höhe. Mit einer Hand, wohlgemerkt!

Breitbeinig steht Hamburgs größtes Diskuswurf- und Kugelstoß-Talent jetzt da, hält die 75 Kilogramm sicher über seinen Kopf. Alles ist unter Kontrolle. „Kein Problem“, registriert Minor zufrieden. Für den 17-jährigen Sosna ist es ein neuer persönlicher Rekord. Lässig, fast schon achtlos lässt er die Hantel wieder nach unten sausen.

Die U20-WM in Nairobi ist das große Ziel

So verblüffend leicht, wie das wirkt, war dieser Versuch für den 1,99-Meter-Hünen dann aber wohl doch nicht. „Das war schon krass“, gibt Sosna zu. Anders als viele andere Sportler ist die große Leichtathletik-Hoffnung der TSG Bergedorf von der Pandemie praktisch überhaupt nicht betroffen. Werfer brauchen keine anderen Aktiven um sich herum.

Zudem darf Sosna als Kaderathlet ganz normal weiter trainieren. Achtmal pro Woche schindet er sich unter der Anleitung Minors im Krafttrainingszentrum in der Hamburger Sporthalle oder in der Eliteschule des Sports am Alten Teichweg. Dort steht für ihn 2022 das Abitur an.

Rekord von 1965 um 70 Zentimeter verbessert

Doch in diesem Jahr liegt der Fokus auf dem Sport. „Mein großes Ziel sind die U20-Weltmeisterschaften in Nairobi“, schwärmt der Bergedorfer. Dass die Titelkämpfe in Afrika gerade wegen des Coronavirus von Anfang Juli auf unbestimmte Zeit verschoben worden sind, davon will er sich nicht irritieren lassen: „Wir gehen im Training immer von der Einstellung aus: Es findet statt.“

Dass er bereits in bestechender Form ist, bewies Mika Sosna unlängst, als er bei einem Hallenwettkampf des Hamburger Leichtathletik-Verbandes den U20-Rekord im Kugelstoßen auf 16,90 Meter schraubte. Die alte Hamburger Bestmarke aus dem Jahr 1965 verbesserte er dabei gleich um satte 70 Zentimeter.

Dem 17-Jährigen ist der Rekordversuch ein kleines bisschen unangenehm. „Kugelstoßen macht mir im Training eigentlich gar keinen so großen Spaß“, betont er. „Diskuswerfen ist doch das, was ich liebe.“

EM in Tallinn und dann WM in Nairobi/Kenia sind die Ziele

Als Vierter der deutschen Bestenliste gehört Sosna mit einer Bestweite von 57,49 Metern mit der Scheibe bereits zur nationalen Spitze. Drei Athleten werden voraussichtlich für die U20-Europameisterschaften vom 15. bis 18. Juli in Tallinn nominiert, nur zwei Plätze gibt es dann für die WM in Nairobi.

Geworfen wird jetzt mit dem 1,75 Kilogramm schweren U20-Diskus. „Der liegt besser in der Hand als der kleinere Jugend-Diskus und liegt mir daher mehr“, freut sich der Bergedorfer darüber, dass die kleinen 1,5-Kilo-Scheiben Vergangenheit sind. Mit denen hatte er eine Bestweite von 64,05 Metern stehen, dann aber bei den Deutschen U18-Meisterschaften in Heilbronn mit enttäuschenden 58,31 Metern als Vierter eine Medaille verpasst.

20 Kilo zugenommen – und glücklich darüber

Schnee von gestern. „Im vergangenen Jahr habe ich 20 Kilo zugenommen“, verkündet Sosna stolz. Was Normalbürger im Corona-Homeoffice in Panik versetzen würde, ist für einen Werfer wie ihn eine gute Nachricht. „,Masse ist Macht‘ sagt man bei uns“, erläutert er. „Es geht darum, wie viel Gewicht ich der Kugel oder dem Diskus entgegensetzen kann. Man muss da langfristig denken. Es ist zwar auch ein bisschen Fett dabei, aber das Meiste sind Muskeln, und bis zum Sommer wird das Fett auch noch zu Muskulatur.“

Verglichen mit vielen Athleten aus den Leistungszentren Potsdam, Neubrandenburg oder Rostock, die ungleich stämmiger daherkämen, sei er im Nachteil. „Was meine Kraftwerte angeht, habe ich noch Nachholbedarf“, versichert er. Was man nicht so recht glauben möchte, wenn man sieht, mit welcher Selbstverständlichkeit er 75 Kilogramm einarmig in die Höhe wuchtet.

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