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Footballern fehlt es in der Corona-Krise an Nachwuchs

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Volker Gast
Alex Böhnke (am Ball), Running Back der Hamburg Swans, kämpft sich durch die Reihen der Gegenspieler.

Alex Böhnke (am Ball), Running Back der Hamburg Swans, kämpft sich durch die Reihen der Gegenspieler.

Foto: Hamburg Swans

Die Hamburg Swans und Schwarzenbek Wolves bereiten sich momentan auf eine Saison vor, die es vielleicht gar nicht geben wird.

Bergedorf. American Football ist kein Fußball. Während den Kickern nach dem Lockdown zwei Wochen Vorbereitungszeit genügen, um wieder mit Wettkampfsport zu beginnen, denken Football-Spieler in ganz anderen Dimensionen. Denn in ihrem Sport geht es ruppiger zu. „Acht Wochen Mannschaftstraining benötigen wir schon, um die Spieler in eine Verfassung zu kriegen, in der sie den ständigen Körperkontakt aushalten können“, schätzt Martin Kirmse, Sprecher des Verbandsligisten Hamburg Swans, den Footballern der TSG Bergedorf.

In seiner aktiven Zeit bis 2019 war Kirmse als Receiver (Passempfänger) oft selbst der Gejagte auf dem Feld. „Zwei Monate sind nötig“, pflichtet Jan Tiessen, Headcoach des Oberligisten Schwarzenbek Wolves bei, „und das funktioniert auch nur, wenn die Spieler fit aus der Pause kommen.“

Trainiert wird mit Hilfe einer App

Während die Football-Welt dieser Tage nach Florida schaut, wo in der Nacht zum Montag das Super-Bowl-Finale zwischen den Tampa Bay Buccaneers und den Kansas City Chiefs steigt (22.40 Uhr, Pro Sieben), blicken die Anhänger des amerikanischen Nationalsports in Bergedorf und Schwarzenbek in eine unsichere Zukunft. Denn gerade weil Football ein Vollkontaktsport ist, hat es unter Corona-Bedingungen nur geringe Chancen, schnell wieder zugelassen zu werden. Fleißig trainiert wird trotzdem schon. „Wir haben so eine App, da fordern wir uns gegenseitig heraus. Das macht einen Riesenspaß“, schwärmt Tiessen.

Wann es mit der Saison jedoch losgehen könnte, ist unklar. Die beiden halbprofessionellen Top-Ligen, die German Football League 1 und 2, haben ihren Saisonstart auf den 5. Juni terminiert. Für die Ligen darunter gibt es noch keine Pläne. „Als Trainer muss ich das Team aber so vorbereiten, als wäre klar, dass gespielt wird“, sagt Tiessen. „Alles andere funktioniert nicht.“ Da in Oberliga und Verbandsliga voraussichtlich nur mit vier, fünf Mannschaften pro Staffel gespielt wird, ist manches möglich. „Ich hoffe schon darauf, dass wir eine komplette Saison durchbringen“, sagt Kirmse.

Doppelte Frauenpower im Trainerteam der Swans

In der Pandemie haben die Vereine mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Während im Erwachsenenbereich die Spielerzahlen konstant sind, fehlt es im Jugendbereich eklatant an Nachwuchs. „In der Jugend ist das Interesse fragiler“, weiß Kai Köpke, Football-Abteilungsleiter bei den Wolves. Auch bei den Junior Swans in Bergedorf ist das spürbar. „In der A-Jugend gibt es drei Jahrgänge“, erläutert Kirmse. „Also wächst jedes Jahr ein Drittel der Spieler aus der Altersklasse heraus. Normalerweise fangen wir das durch Neueintritte locker auf, doch im Moment gibt es kaum Spieler, die neu hinzukommen.“

Zwar gibt es auch bei den Junioren Online-Training, doch das hat sich als Hemmschwelle herausgestellt. „Im Normalbetrieb ist es einfach, zu jemandem zu sagen: ,Komm’ doch einfach mal beim Training vorbei!‘“, führt Kirmse aus. „Online ist die Hemmschwelle jedoch für viele sehr groß, gemeinsam mit einer fremden Gruppe zu schwitzen.“

In der A-Jugend waren nur noch fünf Spieler übrig geblieben

In Schwarzenbek musste sich im vergangenen Sommer die A-Jugend auflösen, weil nur noch fünf Spieler übrig geblieben waren. Beide Vereine suchen gerade via Facebook öffentlich nach neuen Spielern, sowohl in der Jugend, als auch bei den Erwachsenen. „Auch absolute Neulinge können mit dem nötigen Training Verbands- oder Oberliga spielen“, betonen Kirmse und Tiessen. Ob groß oder klein, leicht oder schwer, erfahren oder Neuling, für jeden gibt es beim Football die passende Aufgabe. Wer also Interesse hat, diesen Sport zu erproben, findet unter schwarzenbek-wolves.de beziehungsweise hamburg-swans.de nähere Informationen.

Unterdessen haben die Swans ihr Trainerteam komplettiert. Headcoach Daniel Kasper wird künftig von acht Assistenztrainern unterstützt, um den 60-Mann-Kader in Schwung zu bringen. Darunter sind mit Nina Schulz und Sophia Marterer zwei Frauen. Schulz ist als Coach der Abwehr schon ein Jahr dabei, die zweimalige Europameisterschaftsteilnehmerin Marterer ist neu. Sie wird den Spielmachern (Quarterbacks) Tricks beibringen.

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