Aus Moorfleet

Dalina Saalmüller – Die Frau mit dem gewissen Kick

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Volker Gast
Dalina Saalmüller, Walddörfer SV

Dalina Saalmüller, Walddörfer SV

Foto: Dalina Saalmüller

In der Partie ihres Lebens trifft Saalmüller mit dem Walddörfer SV im DFB-Pokal auf Bundesliga-Spitzenreiter FC Bayern.

Moorfleet. Süßigkeiten und fettiges Essen können Dalina Saalmüller an den Feiertagen nicht locken. „Weihnachten, das sind nur drei Tage. Die kann man sich zusammenreißen!“, will die 24-jährige Moorfleeterin konsequent bleiben. Ihr Blick geht längst über den Jahreswechsel hinaus. Auf das Spiel ihres Lebens Ende Januar – der genaue Termin steht noch nicht fest. Mit dem Walddörfer SV trifft die Regionalliga-Fußballerin dann im Achtelfinale des DFB-Pokals auf den Bundesliga-Spitzenreiter FC Bayern München. Der hat mit seinen acht Nationalspielerinnen in der Bundesliga zuletzt elf Siege in elf Partien eingefahren.

Fünf Corona-Tests pro Spielerin

Damit Chancengleichheit mit den Profis gegeben ist, dürfen die Hamburgerinnen nun nach einer kurzen Weihnachtspause als einziges Amateurteam in der Hansestadt schon ab Anfang Januar wieder trainieren – egal wie die Corona-Infektionszahlen sind. So war es auch schon vor dem Zweitrundenspiel beim TV Jahn Delmenhorst. Viermal pro Woche traf sich das Team trotz des Teil-Lockdowns im November zu den Einheiten. „Trainieren zu dürfen, während alle anderen zu Hause sitzen, war ein total komisches Gefühl“, gibt die 1,71 Meter große Außenstürmerin zu. Je fünf Coronatests wurden auf Kosten des Deutschen Fußballbunds bei den Spielerinnen vorgenommen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Alle negativ. „Zum Glück durften wir uns im Mund testen lassen, dadurch war es nicht so unangenehm“, schildert Saalmüller. Doch sie macht auch keinen Hehl daraus, dass nicht alle das gut fanden: „Es gab schon Spielerinnen, die nicht mittrainiert haben und beim Spiel nicht dabei waren. Das Risiko war ihnen zu groß.“

Saalmüller trifft zum 1:0

Einzeln in Privat-Autos mit jeweils einem Verwandten als Fahrer ging es dann nach Delmenhorst. „Normalerweise bin ich vor Spielen überhaupt nicht aufgeregt, aber dieses Mal war sich sehr nervös“, gibt Saalmüller zu. Dass die Hamburgerinnen sich beim Regionalligisten TV Jahn mit 2:1 durchsetzten und sich damit für das Traumduell gegen den FC Bayern qualifizierten, daran hatte die Sozialpädagogik- und Management-Studentin großen Anteil. Sie steuerte den wichtigen Treffer zum 1:0 bei. „Nach einer Viertelstunde wurde ein Eckball ungewollt verlängert, ich stand am zweiten Pfosten und habe volley getroffen“, schildert sie den großen Moment. Die Moorfleeterin ist halt die Frau mit dem gewissen Kick. Das Fußballspielen bekam sie praktisch in die Wiege gelegt. Ihre Eltern sind beide Fußballer, ebenso ihr älterer Bruder Daniel und ihre jüngere Schwester Danja. „An den Wochenenden waren wir praktisch ständig auf dem Fußballplatz. Irgendwer hatte immer ein Spiel“, erinnert sich ihre Mutter Christine Saalmüller.

Als der VfL Wolfsburg lockte

An der Grundschule Ochsenwerder war Rainer Ponik, der kürzlich verstorbene Jugendtrainer des SC Vier- und Marschlande, Dalinas Klassenlehrer. „Poni, wie wir ihn nannten, hatte Glück mit meinem Jahrgang. Da gab es mich und in der Parallelklasse noch ein paar Mädchen, die Fußball gespielt haben“, erinnert sie sich. In den ersten Jahren kickte sie ausschließlich mit Jungs, lernte sich durchzusetzen. Das kommt ihr heute zugute. „Ich würde schon sagen, dass ich eine Führungsspielerin bin“, betont sie selbstbewusst. Mit 16, als Hamburger Auswahl-Spielerin, stand nach Jahren beim SCVM die große Entscheidung an: Der VfL Wolfsburg – das Maß aller Dinge im Frauenfußball – wollte sie. Doch ein Umzug in die VW-Stadt kam für die Familie nicht infrage. „Und um dort allein zu wohnen, war ich noch zu jung“, sagt Dalina Saalmüller rückblickend. So wechselte sie in die Regionalliga zum Bramfelder SV, mit dem sie in die 2. Bundesliga aufstieg, bevor sich das Team auflöste und die Stürmerin zum Walddörfer SV weiterzog. Mit dem stand sie 2019 bereits im DFB-Pokal. Gegen Werder Bremen gab es damals in der ersten Runde vor 1000 Zuschauern im Stadion des Meiendorfer SV eine 1:4-Niederlage.

Knieverletzung sorgt für bange Wochen

Nun also der FC Bayern. Die Vorfreude ist riesengroß, doch es gibt ein gewaltiges Fragezeichen. Denn in Delmenhorst musste Dalina Saalmüller nach einer Stunde verletzt raus. Das Knie. Und noch immer ist es dick. „Ich hatte da schon mal einen Teil-Kreuzbandriss“, bangt sie. Die nächsten Wochen werden zur Zitterpartie.

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