Motorsport

Bergedorfer Tim Tramnitz ist bester Neuling in der Formel 4

Tim Tramnitz bejubelt den Gewinn der Rookie-Wertung beim Rennwochenende auf dem Lausitzring.

Tim Tramnitz bejubelt den Gewinn der Rookie-Wertung beim Rennwochenende auf dem Lausitzring.

Foto: Fast Media/Björn Niemann

Die Angst ums Rennauto fährt immer mit, wenn die Formel-4-Piloten auf die Strecke gehen.

Bergedorf. Rund 55.000 Euro kostet ein fabrikneuer Formel-4-Flitzer. In der Motorsport-Nachwuchsklasse ist es daher nicht so, dass jemand, der seinen Rennwagen regelmäßig auf der Strecke verschrottet, sofort wieder einen neuen hingestellt bekommt. Manches federn die Versicherungen der Teams zwar ab, aber die jungen Piloten – im Schnitt 16 Jahre alt – wissen ganz genau, dass sie ihr Gefährt besser heil ins Ziel bringen, weil sie es in den folgenden Rennen noch brauchen. „Das Problem ist, dass man während der Rennen nicht an diesen Druck denken darf“, betont der Bergedorfer Formel-4-Pilot Tim Tramnitz. „Sonst fährst du mit angezogener Handbremse. Das bringt nichts.“

Es bleibt nur wenig Zeit, um herauszustechen

Denn jedem der Motorsport-Talente ist auch bewusst, dass ihnen in der Formel 4 vielleicht ein oder zwei Jahre bleiben, um aus der Gruppe der 20 Piloten herauszustechen. Sonst droht der Traum vom großen Rennsport zu platzen. Unter diesen Voraussetzungen ist die Leistung des 15-jährigen Bergedorfers nicht hoch genug zu bewerten. Gleich in seinem ersten Formel-4-Jahr fuhr er in bislang 18 Rennen 16 Mal in die Top 7, kam fünfmal sogar aufs Treppchen und steht somit schon vor dem abschließenden Renn-Wochenende in Oschersleben (6. bis 8. November) als „Bester Rookie“ (Neuling) der Saison fest. Dazu reichten ihm beim jüngsten Event auf dem Lausitzring zwei zweite Plätze und neunter Rang.

„Auch wenn ich bislang noch kein Rennen gewonnen habe, bin ich wahnsinnig happy mit der Saison“, freut sich Tramnitz, der zu Jahresbeginn aus dem Kartsport in die Formel 4 gewechselt war. Seine große Stärke ist sein Nervenkostüm. So lag er im zweiten Rennen auf dem Lausitzrennen kurz vor Schluss auf Rang drei, als eine Safety-Car-Phase ihn wieder näher ans Führungsduo heranbrachte. Tramnitz witterte seine Chance, zog eingangs der letzten Runde in einem ruppigen Überholmanöver am vor ihm liegenden Kirill Smal aus Russland vorbei und verteidigte Platz zwei bis ins Ziel.

Training für den Kopf als Erfolgsgeheimnis

Diese Coolness am Steuer kommt nicht von ungefähr. „Ich mache einmal pro Woche Mentaltraining“, verrät der Schüler des Luisengymnasiums. „Wir arbeiten daran, dass ich während eines Rennens die ganze Zeit über in meinem Flow bleibe.“ Sein Vater Jürgen Tramnitz ergänzt: „Man darf sich das nicht so vorstellen, als ob da jemand auf der Couch liegt. Es geht um Multitasking, das Gehirn darin zu trainieren, in kurzer Zeit viele neue, unbekannte Aufgaben abzuarbeiten.“

Mentale Stärke ist vor allem dann hilfreich, wenn es wie auf dem Lausitzring turbulent zugeht. Regengüsse erschwerten dort die Aufgabe der Piloten. „Die Verhältnisse auf der Fahrbahn änderten sich manchmal von Runde zu Runde“, schildert Tim Tramnitz, „du musst immer gucken: Wo ist es am schnellsten? Das ist wahnsinnig anstrengend.“

Ein Dreher kostet Tim Tramnitz die Führung

Im ersten Rennen lag er in Führung, drehte sich dann aber auf der rutschigen Fahrbahn und wurde am Ende nur Neunter. „Eine Katastrophe“, schimpfte der Schüler, der in zwei Wochen 16 Jahre alt wird. Er revanchierte sich mit einer Glanzleistung und Platz zwei im zweiten Rennen und fuhr im dritten Rennen gleich noch einmal auf Rang zwei.

Das Wichtigste dabei: Der Wagen blieb heil, und so will er 2021 noch einmal in der Formel 4 angreifen, um dann um den Gesamtsieg mitzufahren. „Das ist ganz klar unser Ziel“, sagt sein Vater Jürgen Tramnitz. Und Tim ergänzt: „Jeder von uns hofft, von einem großen Rennstall entdeckt zu werden. Mein großer Traum bleibt die Formel 1.“